Bei der Gemeinderatssitzung in Bad Bocklet waren zahlreiche Zuhörer erschienen, die sich die Vorstellung einer Baugebietsstudie zum Ortsteil Großenbrach nicht entgehen lassen wollten. Matthias Kirchner vom Planungsbüro Kirchner aus Oerlenbach war erschienen, der die Studie erstellt hatte. Dabei wurde eine Grobanalyse von möglichen Standorten zur Erschließung neuer Bauflächen gemacht, die er dem Gemeinderat vorstellte.
"Die Standorte wurden neutral und grundsätzlich ergebnisoffen untersucht. Angestrebt wurde dabei ein Potenzial von rund zehn bis 15 Baugrundstücken", teilte Kirchner mit. Angenommen wurde in der Studie eine durchschnittliche Grundstücksgröße von rund 700 Quadratmetern. Insgesamt wurden sieben Einzelstandorte in Großenbrach untersucht.
Standort 1 lag im Bereich nordwestliche Richtung Aschach. Die untersuchte Fläche ist 1,23 Hektar groß und bietet Platz für zwölf Bauplätze. Kirchner beschrieb, dass dies eine reizvolle Südwesthanglage mit schönem Ausblick sei und eine städtebauliche Umsetzung möglich sein sollte. Die Erschließung der Fläche sei über die Straße "An der Schlehenhecke" gesichert, die Wasserver- und Abwasserentsorgung sei ebenso gewährleistet, ein Trennsystem sei möglich. Gegen den Standort spräche die Nähe zur ST 22 92, da hier Lärmschutzmaßnahmen nötig wären. Gegebenenfalls gäbe es einen hohen Entsorgungsaufwand, da eine lange Anbindung für das Regenwasser an den Vorfluter notwendig sei. Eine Änderung des Flächennutzungsplanes wäre bei dieser Variante ebenso erforderlich. Die Siedlungsentwicklung wäre auf der Kontraseite weniger homogen, es käme zu einer ungewünschten band- bzw. fingerartigen Ausprägung.
Als Standort 2 ist der Bereich nordöstlich Richtung Aschach, direkt gegenüber dem Standort 1 über die ST 2292. Untersucht wurde hier eine Fläche von 1,84 Hektar, auf der in einem Areal von 0,92 Hektar rund sieben Bauplätze entstehen könnten. Auf der Pro-Seite dieser Lösung stünden laut Kirchner die reizvolle Südwesthanglage mit schönem Ausblick. Die städtebauliche Umsetzung sollte möglich sein, die Erschließung sei über die "St.-Andreas-Straße" gesichert, ebenso wie die Wasserver- und Abwasserentsorgung. Die Siedlungsentwicklung sei dabei homogen, was das mögliche Baugebiet ebenso attraktiv mache. Negativ sei, dass die Lage durch Schutzgebiete stark eingeschränkt ist und man gegebenenfalls einen hohen Entsorgungsaufwand hat. Zudem sei die Änderung des Flächennutzungsplanes erforderlich.
Standort 3 befindet sich im Bereich nordöstlich Richtung Bad Bocklet. Untersucht wurden hier rund ein Hektar. Die Fläche biete Platz für rund acht Bauplätze. Nachteilig sei, dass die Lage durch Schutzgebiete stark eingeschränkt ist und die Nähe zur KG 16 mache umfassende Lärmschutzmaßnahmen nötig. Im Baufeld befindet sich zudem eine Freileitung und es ist dort Streuobstbestand vorhanden, was einen erhöhten Ausgleichsbedarf nach sich zieht. Zudem fiele der Spiel- /Bolzplatz bei dieser Lösung weg.


Umsetzung nicht möglich

Standort 4 schließt unmittelbar an den Standort 3 an. Durch das Landschaftsschutzgebiet und die Biotopkartierung könnten hier keine Bauplätze entstehen, die Umsetzung dieses Standortes ist also nicht möglich. Auch die anderen möglichen Standorte seien kaum umzusetzen, innerorts befindet sich ein möglicher Standort im Überschwemmungsgebiet, was ein Baugebiet nicht möglich mache. Der Spielplatz als Standort 7 biete nur ein geringes Potenzial an Baugrundstücken. Er liegt außerdem idealerweise im Siedlungskern. "Diesen aufzugeben macht keinen Sinn, die Umsetzung hier ist mehr als fraglich", so Kirchner.
Er hielt fest, dass der Altort an den südwestlichen Ortsrand "gedrängt" wurde, und sich so in einer Randlage befindet. Der südliche und südöstliche Ortsrand würde durch Gewerbeareale dominiert. Wohnnutzung sei dort künftig nicht mehr möglich und durch den Heilquellenschutz sei das Potenzial nahezu erschöpft. Die Ausweisung neuer Bauflächen in größerer Menge gestalte sich schwierig, gegebenenfalls könnte man zur Bedarfsdeckung Altortareale und Leerstände heranziehen. Kirchner regte an, dass man in Kombination von Standort 1 und 2 rund 19 Bauplätze schaffen könnte, Standort 2 und 3 könnte man in zwei Bauabschnitte aufteilen und diese bei Bedarf verbinden.
"Ad hoc bleibt uns nur Standort 1, da wir hier über Grundstücke verfügen", merkte Bürgermeister Andreas Sandwall (CSU) an. Allerdings befand er die Kombination aus Standort 2 und 3 auch als gut. "Man muss nun abklären, ob die Grundstückseigentümer überhaupt verkaufen", gab Christian Horn zu bedenken. Mario Hümpfer bevorzugte eine Kombination aus Standort 1 und 2. Helmut Wischang wies darauf hin, dass im Ort 15 Grundstücke brach lägen, räumte allerdings ein, dass die Besitzer wohl lieber ihre Grundstücke behalten würden.
In der Diskussion kristallisierte sich heraus, dass eine Kombination aus Standort 1 und 2 für die Gemeinderäte am attraktivsten scheint. Einstimmig wurde die Verwaltung beauftragt, die Besitzverhältnisse dort abzuklären und Kontakt mit den Behörden aufzunehmen.