Viele Menschen und viele Behörden halfen ihm damals, seine Papiere und seine Situation in Ordnung zu bringen, als Flüchtling anerkannt zu werden. Natürlich gab es auch Schwierigkeiten. Morath: "Die Ausländerbehörde würde den Fall heute aus einem anderen Blickwinkel sehen." Denn plötzlich zeigte die Glückskurve nach unten: Der Mann durfte seine Frau und die beiden Kinder nur nachholen, wenn er selbst für sie aufkommen konnte. Aber so sehr sich auch seine Freunde und das Jobcenter bemühten: Der Mann bekam nur gelegentliche Teilzeitarbeiten oder Ein-Euro-Jobs. Das reichte nicht für die Nachzugsgenehmigung.

Diagnose Endstation

Aber er konnte sich natürlich auch nie einen Flug in seine alte Heimat leisten, denn sein Wunsch, seine Familie wiederzusehen, wurde immer stärker. Dann kam seine ältere Tochter ums Leben. Und er selbst bekam im Oktober von den Ärzten die Diagnose, dass er nicht mehr lange leben würde. Eine Behandlung lehnte er ab. Aber seine Familie ...
Gabriele Morath hat alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Geld für ein Flugticket zu sammeln, bekam Geld aus verschiedenen Töpfen und von Privatleuten - bis auf einen kleinen fehlenden Rest, den sie aus dem Spendentopf der Saale-Zeitung ergänzte. Am Mittwoch hat sie das Ticket gebucht, am nächsten Donnerstag startert der Flieger. Die Ärzte haben davor gewarnt. Aber Freunde wollen dafür sorgen, dass er ihn erreicht. Ob er, wie geplant, in drei Wochen wieder zurückkommt, kann niemand sagen.

Mit Freude und Sorgenfalten

Bei aller Freude, dass es doch noch geklappt hat, macht sich Gabriele Morath doch große Sorgen: Nicht nur um den Mann, den sie jetzt schon so lange betreut hat. Sondern auch, weil sie zum ersten Mal, wenn auch nur mit einem kleinen Betrag, aus dem Spendentopf etwas subventioniert hat, was sie normalerweise nicht fördert: eine Reise. Aber in dem Fall, sagt sie, hat sie einfach nicht anders gekonnt: "Ich hoffe, dass da jetzt nicht eine Neiddiskussion in Gang kommt." Denn sie weiß, dass sich diese Unterstützung nicht so schnell wiederholen wird. Es gibt überhaupt ein paar Dinge, die generell nicht unterstützt werden wie Bußgelder oder von Gerichten verhängte Strafgelder: "Da gibt es bei uns einen Grundsatzbeschluss.
Was Gabriele Morath immer mehr Sorgen macht, ist die Altersarmut, die auch im Landkreis Bad Kissingen massiv am Ansteigen ist. Da muss sie immer häufiger helfend eingreifen und ganz wörtlich das Überleben sichern helfen. Aber sie hat auch festgestellt, dass es immer wieder alte Menschen gibt, die nicht um ihre Rechte wissen, die ihnen zustehende Unterstützung gar nicht beantragen, weil sie sich schämen und lieber zur Caritas gehen als in Ämter. Oder die es nie gelernt haben, eine Rechtsbehelfsbelehrung zu lesen, die auf der Rückseite eines Bescheides steht. Denn manchmal stellt sich dann doch heraus, dass die Grundsicherung höher ist als die Rente oder dass mit Wohngeld noch ein bisschen zu machen ist.

Es gibt auch Positives

Was Gabriele Morath freut, auch wenn auch alleinerziehende Mütter immer mehr in wirtschaftliche Schwierigkeiten kommen, ist die Beobachtung, dass sich die Kontakte gerade mit dieser Gruppe versachlicht haben, weil sich herumgesprochen hat, dass dank des Spendentopfes konkrete, sinnvolle Hilfe auch wirklich möglich ist: "Viele der jungen Frauen haben es gelernt, mit dem wenigen, was sie haben, für sich und ihre Kinder sinnvoll zu wirtschaften. Hilfe brauchen sie unter Umständen, wenn eine Klassenfahrt angekündigt wird, wenn die Waschmaschine kaputt geht oder Jahresabrechnungen ins Haus flattern: "Die jungen Frauen gehen sehr bewusst mit ihrer Situation um. Viele wollen sich selbst auch darauf festlegen, die Unterstützung wieder zurückzuzahlen." Gabriele Morath lässt sich darauf ein, verlangt aber nicht den ganzen Betrag zurück: "Das ganze Geld als Spende auszugeben, wäre in einem solchen Fall das falsche Signal." Hilfe zur Selbsthilfe ist angesagt.