Völlig zufällig trifft Maria Albrecht-Martin in der Krankenhausambulanz auf die Äthiopierin Eleni Asrat Wedajo. Es entwickelt sich eine Freundschaft, die weitere Kreise zieht, da beide Frauen auch ihre Freunde miteinander bekannt machen.

Maria Albrecht-Martin sagt, dass sie die Kontakte zu den Ausländern als eine große Bereicherung empfindet. "Wir können so viel voneinander lernen und erfahren - in ganz unterschiedlichen Bereichen. Ich finde die Begegnungen unglaublich interessant und spannend." Die Kontakte bieten Maria Albrecht-Martin Einblicke in ganz andere Lebenssituationen auf der Welt.

Besonders faszinierend findet die Hammelburgerin, dass die Mentalität der Äthiopier der unseren erstaunlich nah sei und dass das auch die Afrikaner so empfänden. Es treffen zwei äußerlich sehr unterschiedliche Nationalitäten und Kulturen aufeinander, aber das Fühlen und Erleben verschiedener Situationen wird von beiden Seiten als sehr ähnlich empfunden, beschreibt Maria Albrecht-Martin.

Neulich lud Eleni Asrat Wedajo sieben deutsche Frauen zu sich in ihr kleines Zimmer ein. Eigentlich zum Nachmittagskaffee. "Wir staunten nicht schlecht, als sie uns dann eine Reihe selbst gekochter und gebackener afrikanischer Köstlichkeiten in einer Art Mehr-Gänge-Menü auftischte. Es war umwerfend. Wir hatten direkt das Gefühl, mal kurz nach Äthiopien gereist zu sein. Die Gerichte waren wunderbar exotisch gewürzt und dufteten und schmeckten herrlich," erzählt Maria Albrecht-Martin. Durch die Flüchtlinge komme ein Stück Afrika nach Hammelburg. "Ist das nicht toll?"

Für die Lehrerin ist das Flüchtlingswohnheim eine Chance, Vorurteile und unangebrachte Distanz abzubauen. Sie lud daher Eleni Asrat Wedajo und den äthiopischen Sport- und Biologielehrer Theodros Shiferaw in all ihre Klassen an der Jakob-Kaiser-Realschule ein. Die Schüler der höheren Klassen konnten ihr Englisch üben, als "Mister Theo" von Äthiopien erzählte. Die jüngeren Jahrgänge bekamen Übersetzungshilfe von ihrer Lehrerin. Aber alle konnten mit "Mister Theo" und "Miss Eleni" über deren Land, deren persönliches Leben und die Gründe für die Flucht sprechen.

Die Reaktion der Schüler war durchweg positiv und begeistert, wie Maria Albrecht-Martin berichtet. "Ich hatte nur gehört, dass es jetzt Flüchtlinge in Hammelburg gibt. Aber was das genau bedeutet, wusste ich nicht. Cool, dass sie mal bei uns waren. Die zwei sind unheimlich nett und sympathisch", zitiert sie eine Neuntklässlerin. Diese hat sich mit einigen Mitschülern prompt für die Ferien als Deutschlehrerin angeboten, was die Äthiopier wiederum mit großer Freude erfüllte.

Ein Wiedersehen mit den beiden Gästen und drei weiteren Äthiopierinnen gab es aber bereits am Montag. Beim internen Schulfest an der Jakob-Kaiser-Realschule boten sie afrikanische Flechtfrisuren an, die bei den Schülern der Renner waren. Fast drei Stunden lang versahen die Äthiopierinnen Schüler und einige Lehrkräfte mit afrikanischem Styling.

Ein weiteres Beispiel für das gegenseitige Geben und Nehmen ist, dass Theodros Shiferaw inzwischen den Sportverein TV/DJK als zusätzlicher Betreuer unterstützt. Der Sportwissenschaftler und Sportlehrer bringt sein Fachwissen beim Training der Leichtathleten und beim Lauftreff der Tausendfüssler ein.

Die beiden Äthiopier haben im Vergleich zu vielen anderen Flüchtlingen, die in Hammelburg wohnen, einen großen Vorteil: sie sprechen Englisch. Leider sind sie damit eine Minderheit. Maria Albrecht-Martin: "Wir könnten noch viel mehr Kontakte zu Hammelburgern herstellen, wenn da nicht die Sprachbarriere wäre." Besonders erstaunt ist Maria Albrecht-Martin über die reibungslose Kommunikation zwischen Eleni Asrat Wedajos Kind und ihrer eigenen Tochter. Die beiden Mädchen - knapp vier und zehn Jahre alt - verstehen sich blendend. Sie spielen zusammen, obwohl sie im Moment noch nicht verbal miteinander kommunizieren können: Beide haben unterschiedliche Muttersprachen und Englisch können sie noch nicht.

Aber das ist überhaupt kein Problem. "Schade, dass wir Erwachsenen da nicht mehr so unbefangen sind. Ich würde mir wünschen, dass auch die Menschen anderer Nationalitäten im Flüchtlingswohnheim leichter Zugang zu uns Einheimischen finden könnten", sagt Maria Albrecht-Martin. Sie hofft, dass Menschen, die Russisch oder andere osteuropäische Sprachen können, sich stärker trauen auf die Flüchtlinge zuzugehen. So könnten neben den Äthiopiern auch andere Flüchtlinge Integration erleben.