Die fünf bayerischen Staatsbäder gehen neue Wege: Ende Januar fliegen die Bad Brückenauer Kurdirektorin Andrea Schallenkammer und ihr Vertreter Titus Tesar nach Dubai zur Messe "Arab Health". Mit dabei haben sie eine Dolmetscherin, die Deutsch, Englisch und Arabisch spricht. "Wir schauen uns mal an, welche Schicht zu uns passt", gibt sie als Ziel aus.

Mit im Gepäck hat sie Werbung für die Staatsbäder Bad Kissingen, Bad Brückenau, Bad Bocklet, Bad Reichenhall und Bad Steben. "Der arabische Markt kann für uns als Kurstadt ein Zukunftsmarkt werden", sagt der Bad Kissinger Kurdirektor Frank Oette. "Allerdings müssen wir vor Ort zuerst dringend erforderliche Voraussetzungen dafür schaffen", verweist er jedoch darauf, dass dazu Hotelangebote im Top-Segment oder eine Anbindung an Flughäfen nötig sind.

Beim Gesundheits- und Medizintourismus könnten die fünf Staatsbäder mit medizinischer Kompetenz punkten. "Deshalb kann ein gemeinsamer Auftritt der bayerischen Staatsbäder auf der 'Arab Health' wertvolle Erkenntnisse über den Zukunftsmarkt Arabien liefern." Die Idee stammt laut Schallenkammer aus dem Bayerischen Gesundheitsministerium, das bereits auf der Messe in Dubai vertreten war. Aus München kommen auch etliche Tipps: So bereiten die Bäder derzeit eigens Werbematerial vor. "Im arabischen Raum können wir in Prospekten keine Damen im Wasser abbilden", nennt Schallenkammer als Beispiel. Auch die Bildersprache sei eine andere: "Dort werden Bilder von rechts nach links angeschaut."

Nur in elektronischer Form

Auch bei der Verteilung gebe es Unterschiede: "Die Messebesucher der Arab Health wollen kein Papier, wir bereiten das alles auf USB-Sticks vor." Trotzdem müsse jede Menge Material nach Dubai verschifft werden: "Es ist gar nicht so einfach, bis der letzte Blumentopf am Messestand steht", sagt Schallenkammer zu den Vorbereitungen.

Die Bad Brückenauer Kurdirektorin wurde von den vier Kollegen der anderen Staatsbäder beauftragt, sich um Dubai zu kümmern. Im arabischen Raum allerdings ticken die Uhren anders: "Im persönlichen Umgang sind eher die männlichen Begleiter gefragt, da muss ich mich etwas zurücknehmen", weiß sie aus einem Benimm-Kurs. Ihr Stellvertreter Titus Tesar wird also in der ersten Reihe stehen. Das nimmt Schallenkammer aber gelassen, wichtiger sei, dass sich die Kurbäder langfristig neue Standbeine schaffen: "Wir Deutschen werden einfach immer weniger, deshalb müssen wir uns neue Märkte aufbauen - natürlich ohne unsere Stammgäste hier in die Ecke zu drängen."

Zur Info:

Messe Die Arab Health findet vom 27. bis 30. Januar in Dubai statt. Vertreten sind nach Angaben der Veranstalter 3900 Aussteller aus 153 Ländern. Erwartet werden auf dem 66 000 Quadratmeter großem Messe-Gelände 85 000 Besucher. Parallel finden 19 Konferenzen mit 500 internationalen Referenten und 9000 Delegierten statt.

Zahlen Die Stadt Bad Kissingen verzeichnete im vergangenen Jahr 232 681 Gästeankünfte und 1,56 Millionen Übernachtungen. 221 520 Gäste, also 95,2 Prozent kamen aus Deutschland, sie steuerten bei einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 6,24 Tagen 1,41 Millionen Übernachtungen zur Statistik bei. Das sind 90,5 Prozent. Allerdings liegen für 1,75 Prozent der Gäste und 8,1 Prozent der Übernachtungen keine Angaben zur Herkunft vor. Der Anteil ausländischer Gäste dürfte bei zwei bis drei Prozent liegen.

Nationalitäten In der Gästestatistik 2012 sind knapp 50 Nationalitäten aufgelistet. Die meisten ausländischen Gäste kamen 2012 aus der Schweiz: 1040 Schweizer buchten 1972 Übernachtungen. Bei den Übernachtungen gibt es allerdings einen anderen Spitzenreiter: 479 Russen buchten 3932 Übernachtungen. Die längste durchschnittliche Aufenthaltsdauer hatten schließlich drei Inder, die zusammen immerhin 33 Nächte blieben. Statistisch schon eher relevant sind 186 Gäste aus Luxemburg, die 1706 Übernachtungen buchten. Viele Gäste kommen zudem aus Schweden (1038 Gäste, 1304 Übernachtungen).