Direkt nach dem Ortseingangschild weisen zwei große Hinweisschilder auf spielende Kinder hin. Direkt nach der Einfahrt zum Feuerwehrhaus und Sportheim ist Tempo 30 angesagt. Der Eingang zum Kindergarten folgt unmittelbar. Doch viele Verkehrsteilnehmer nehmen diese Hinweisschilder und Geschwindigkeitsreduzierung offenbar nicht wahr. "Es wird in Schmalwasser gerast. Ein Wunder, dass bisher noch nichts Schlimmes passiert ist", ärgert sich Denise Weiß über rücksichtsloses und unverantwortliches Verhalten. Sie ist im April diesen Jahres mit ihrem Mann nach Schmalwasser gezogen und wundert sich seitdem über die Situation am Ortseingang. "Ich habe beschlossen, für die Kinder und die Bevölkerung hier in Schmalwasser zu kämpfen", wandte sie sich an diese Redaktion. Eindrucksvoll schildert sie die Situation in Schmalwasser. Der an der Hauptverkehrsstraße liegende Kindergarten sei einer ständigen Gefahr ausgesetzt. "Vor etwa einem Jahr hat man es nach langem Hängen und Würgen geschafft eine 30iger-Zone einzurichten",  habe sie in Erfahrung gebracht. Eine Geschwindigkeitsmessung habe eindeutige Beweise ergeben, dass in diesem Bereich zu schnell gefahren werde.  "Nun haben wir die 30iger-Zone, jedoch hält sich kaum jemand an diese Geschwindigkeit." Ein Unfall am Kindergarteneingang, die Mauer wurde umgefahren, habe sie veranlasst an die Öffentlichkeit zu gehen. Enttäuscht sei sie von der Reaktion der Polizei in Schweinfurt. "Sie sagen: Die Raserei ist bekannt , da kann man nichts machen." Auch von Seiten des Straßenbauamtes sei die Auskunft gekommen. "Da kann man nichts machen." Denise Weiß ist überzeugt: "Die Bevölkerung hier ist deprimiert. Sie haben resigniert und nehmen es hin." Dabei liege Schmalwasser doch im Biosphärenreservat, es sei unverständlich, warum im Sommer Kolonnen von Motorrädern durch den Ort rasen können. "Was ist mit dem Emissionsschutzgesetz?", fragt sie. "Die Bürger werden im Stich gelassen und ich finde, dass dies vor der Wahl angesprochen werden sollte." Welche konkreten Maßnahmen schlägt Denise Weiß nun vor?  Sie zählt auf: Das Ortsschild versetzen, einen Zebrastreifen vor dem Kindergarten und regelmäßiges blitzen. Doch sie habe schon gehört, dass dies alles offenbar nicht möglich sei. Nun habe sie erfahren, dass die Sanierung der Straße zwischen Sandberg und Schmalwasser angedacht sei und schlägt vor, im Zuge dieser Maßnahme eine Entlastung für die Ortseinfahrt Schmalwasser zu erzielen. "Denkbar wäre eine Verkehrsinsel." Ihr geht es um eine bauliche Veränderung, die die Situation entschärfe und die Verkehrsteilnehmer quasi zwinge den Fuß vom Gaspedal zu nehmen. Um dem Tross der Motorradfahrer, vor allem an sonnigen Sonntagen Herr zu werden, schlägt sie eine Sperrung der Straße für Zweiräder vor. Dies sei im Altmühltal auch möglich, verwies sie ein dortiges Beispiel. Letztlich gehe es ihr nämlich nicht alleine um den Kindergarten, sondern auch um den Schutz und die Sicherheit der Kirch- und Friedhofsgänger, der Besucher des Jugendclubs, der direkt gegenüber dem Kindergarten liegt und der Besucher des Sportplatzes und Spielplatzes. Sebastian Roth von der Straßenverkehrsbehörde des  Landratsamts ist die Problematik bestens bekannt. Seit September 2018 ist er im Amt. "Der Vorgang hat seitdem meinen Tisch nicht mehr verlassen", beschrieb er in einem Pressegespräch die Dringlichkeit und Intensität, mit der die Situation bearbeitet werde. "Ich stehe in einem engen Kontakt mit Polizei und Straßenbauamt." Allen Beteiligten sei seit langem bewusst, dass die Lage in Schmalwasser mit dem Kindergarten unmittelbar an der Hauptstraße äußerst sensibel sei. Die Hinweisschilder "Achtung Kinder" seien in Übergröße und die Ortstafel beidseitig aufgestellt worden. Diese Maßnahmen seien ergriffen worden, bevor sich Denise Weiß oder ein anderer Bürger meldete. Dass sich Verkehrsteilnehmer dennoch nicht an die Vorschriften halten, das könne der Straßenverkehrsbehörde nicht angelastet werden. Auch sei die bauliche Situation in Schmalwasser eine örtliche Gegebenheit, die nicht verändert werden könne. "Wir verbringen dennoch Stunden damit die Verhältnisse zu verbessern", betonte Roth und sprach von weiteren Ideen, deren rechtlich Umsetzbarkeit derzeit überprüft werde. Um welche konkreten Möglichkeiten es sich handele wollte er zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Er wies nur darauf hin, dass an einer Staatsstraße gewisse rechtliche Vorgaben zu beachten seien. Der Gedanke die Straße für Motorradfahrer an Sonntagen zu sperren sei bisher nicht an ihn heran getragen worden. "Natürlich gibt es Möglichkeiten Straßenabschnitte für Verkehrsteilnehmer zu beschränken." Roth verwies auf die dafür nötigen hohen Anforderungen in Sachen Lärmschutz und Gefährdung. "Es muss eine Gefahrenlage gegeben sein, die über das normal übliche Maß erheblich hinaus geht."

Ute Rustler ist seit über 40 Jahren im Kindergarten Schmalwasser tätig. "Der Verkehr hat extrem zugenommen. Die Geschwindigkeiten, die gefahren werden, sind zum Teil enorm. Gebremst wird erst im Ort, unterhalb des Kindergartens in der Kurve", beschreibt sie die Situation. Der Kindergarten ist das erste Gebäude nach dem Ortseingang und werde oft nicht als Kindergarten wahrgenommen, trotz der Hinweisschilder. Für den Alltag im Kindergarten bedeute dies, dass die Kinder im abgeschlossenen Bereich des Spielhofs mit Laufrädern und Bobbycar zwar fahren können, aber niemals in der Nähe des Tors an der Straße. Ein extra Sicherheitsriegel sichere das Tor. Der Spielplatz des Kindergartens liegt hinter dem Feuerwehrhaus. Um dorthin zu gelangen, müssen die Erzieherinnen mit den Kindern ein Stück an der Straße entlang gehen. Das sei jedes Mal gefährlich, wenn Transporter oder Lastwagen in hoher Geschwindigkeit und zum Teil rücksichtslos vorbei fahren. Aber auch unbegleitete Kinder nutzen den Weg, um zum öffentlichen Spielplatz zu kommen. Und nicht zuletzt auch ältere Menschen auf dem Weg zum Friedhof. Die Eltern, die ihre Kinder im Kindergarten abholen und mit dem Pkw kommen, parken gegenüber. Auch hier sieht Rustler Gefährdungspotential. Schulkinder, die nachmittags im Kindergarten betreut werden und alleine nach Hause gehen könnten, werden vom Kindergartenpersonal über die Straße begleitet. "Es ist einfach viel zu gefährlich. Wir haben jetzt war Tempo 30, aber kaum jemand hält sich daran." Sie wünscht sich mehr Rücksichtnahme durch die Verkehrsteilnehmer. Bei allem Verständnis für Termindruck und Hetze, hier gehe es um Kinder und deren Sicherheit.

Bürgermeisterin Sonja Reubelt ist die Problematik seit Jahren bekannt. Nicht nur, weil sie aus Schmalwasser stammt sondern sich als Gemeinderätin und Bürgermeisterin für ihren Heimatort einsetze. Ende 2017 hat sie bei der Straßenverkehrsbehörde die Einrichtung von Tempo 30-Zonen im unmittelbaren Bereich von Schulen und Kindergärten der Gemeinde Sandberg beantragt. Da ging es um die Schule in Sandberg wie auch den Kindergarten in Schmalwasser. Es fand eine Verkehrsschau statt und die 30er Zone wurde genehmigt.  Eine gesetzliche Neuregelung machte diese möglich. "Die Gemeinde hat die 30er Zone durchgesetzt. Der Antrag kam von uns", betonte sie. Im Zuge des geplanten Ausbaus der Straße zwischen Schmalwasser und Sandberg sei bereits ein bauliche Veränderung des Ortseingangs vorgesehen. Ein Gehweg werde vom Ort bis zur Einmündung in den Weg zum Feldberg gebaut. Die Bürgermeisterin geht davon aus, dass ein Gehweg automatisch zu einer besser Wahrnehmbarkeit des Ortseingangs führe. Gerne sei sie aber auch bereit, weitere konkrete Ideen zu diskutieren.

Wie bewertet Manfred Rott vom Straßenbau Schweinfurt die Situation in Schmalwasser und welche Möglichkeiten sieht er? "Wir bauen keine Inseln als Bremse ein", stellte er klar. Verkehrsinseln seien nur möglich, wenn sie als Querungshilfe für Fußgänger notwendig seien.  Die örtliche Situation zeige aber auch, dass die Gegebenheiten recht eng seien, mit dem steilen Hang zur Feuerwehr. Eine solche Querungshilfe müsse am richtigen Platz sein, denn Umwege werde niemand gehen, daher scheide der Ortseingangsbereich vermutlich aus. Die Überprüfung inwieweit in Schmalwasser überhaupt Bedarf für eine Querungshilfe im Bereich Kindergarten gegeben sei, stehe noch aus. Wann der Ausbau der Straße zwischen Schmalwasser und Sandberg realisiert werden soll, konnte Rott nicht sagen. Klar sei, dass zunächst die Straße zwischen Sandberg und Waldberg umgesetzt werde, doch für 2020 gebe es hierfür keine Haushaltsmittel.