Das seit einigen Tagen bestehende Gerücht, dass der Edeka-Markt "nah & gut" in Poppenlauer Ende April schließt, wird Wirklichkeit. Am 29. April kann zum letzten Mal dort eingekauft werden, ab 16. April beginnt der Räumungsverkauf. In einem Gespräch mit Besitzer Arno Seufert erläuterte er seine Gründe. Bereits in der jüngsten nichtöffentlichen Sitzung des Marktgemeinderates Maßbach wurde über Grundstücksverhandlungen zum Verkauf an die Gemeinde beraten.

Arno Seufert (53) ist seit 1995 zusammen mit seiner Frau Carmen im diesem Geschäft an der Hauptstraße. Das Geschäft wurde bereits 1927 von Großvater Hoffmann gegründet und von der Oma und seiner Mutter weitergeführt. Zunächst im kleinen hinteren Teil als Dorfladen, im vorderen Teil als Eisdiele, war das Geschäft stets ein beliebter Anlaufpunkt mitten im Ort. Das Geschäft war von Anfang an mit dem Edeka-Konzern verbunden. Mit dazu gehört der nachbarliche Bestellshop.

Einen Zusammenhang der Geschäftsaufgabe mit der Diskussion um eine gemeinsame Kita im benachbarten evangelischen Kindergarten "Sonnenschein" mit den katholischen Kindern streitet Arno Seufert ab. "Es sind rein finanzielle Gründe", sagt Seufert. Gleichzeitig war der Umsatz rückläufig und auch der neue Edeka-Markt in Münnerstadt, sowie das Angebot in Maßbach selbst wirke sich auf das Einkaufsverhalten in der Bevölkerung (2000 Einwohner) aus. Ihnen selbst tue der unausweichliche Schritt leid, "insbesonders wegen der älteren Bevölkerung, die dann keinen Anlaufpunkt im Ort mehr hat".


Investitionen wären zu teuer



Für einen Weiterbetrieb im Geschäft wären Investitionen erforderlich, die er sich nicht leisten könne. So betrage allein die monatliche Stromrechnung um die 1400 Euro. Seufert bedauerte die fehlende Unterstützung von Banken und auch der Politik. Er machte aber auch Hoffnung: Es gebe bereits Interessenten mit einem ähnlichen Verkaufsangebot. Die Verkaufsbemühungen, das gemeindliche Interesse und die Diskussion um die Kita-Erweiterung seien zufällig zusammengefallen, sagt Seufert.

Ein erster Gedanke zum Aufhören kam Seufert vor etwa zwei Jahren. Mit dem städtebaulichen Entwicklungskonzept für Poppenlauer habe der Schritt aus seiner Sicht jedoch nichts zu tun, sagt Seufert. Er und seine Frau sind mit Poppenlauer eng verbunden, in zahlreichen Vereinen aktiv tätig und sie hätten auch schon Alternativen zum Geschäft getestet.

Eine Anfrage der Marktgemeinde zum Grundstückserwerb für die geplante Erweiterung des Kindergartens in der Nachbarschaft hat er unterschrieben. Es sei dabei keine Rede von einem Entwicklungskonzept im Ortskern gewesen.


Keine Sorge um berufliche Zukunft



Auf die Frage, wie denn ihre beruflichen Perspektiven aussähen, sahen die Seuferts kaum Probleme. Beide könnten anpacken und haben entsprechende Erfahrungen. Insgesamt sechs Mitarbeiter sind im Geschäft tätig.
Zweiter Bürgermeister Diethard Dittmar (SPD) bestätigte den Kauf vom Markt mit Abriss der insgesamt drei Gebäude, was in der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderats nichtöffentlich behandelt wurde. "Die Nachricht vom Schließen des Marktes traf uns wie ein Schlag bei den Bemühungen um eine Verbesserung des Ortskerns".

Es würden jedoch Überlegungen angestellt, ob ein Dorfladen eine Alternative für Poppenlauer wäre; ein Gespräch ist mit Erfahrungsträgern geplant. Das Thema soll bei der nächsten Gemeinderatssitzung auf der Tagesordnung stehen. Insgesamt stünden rund 3000 Quadratmeter für eine Erweiterung des Kindergartens zur Verfügung, zuzüglich eines weiteren Grundstücks. Vier Architektenbüros sollen bis 10. April ihre Plangutachten abgeben. Eine unabhängige Jury wird sich die Pläne am 16. April ansehen.