Saufen bis ins Krankenhaus. 2017 wurden laut DAK-Gesundheit 38 Jugendliche aus dem Landkreis mit einer Alkoholvergiftung in einer Klinik behandelt (siehe ) - deutlich weniger als noch 2016. Dem Landratsamt sind hingegen zuletzt zunehmend jüngere Jugendliche wegen ihres enthemmten Alkoholkonsums aufgefallen. Und: 2018 steigen die Zahlen insgesamt wieder an.

Seit 2009 gibt es am Landratsamt das Suchtpräventionsprojekt Alko Stop. Es wurde ins Leben gerufen, um sich an exzessiv trinkende Jugendliche und deren Eltern zu wenden. Den Betroffenen und ihren Familien bietet es Beratungen und Gespräche an. "Die Stärke von Alko Stop ist, dass wir die Jugendlichen mehrmals sehen, wenn sie auffallen. So können wir eine Entwicklung erkennen", erklärt Rainer Müller, Sozialpädagoge beim Gesundheitsamt Bad Kissingen. "Für uns liegt der Fokus darauf, suchtgefährdete Jugendliche erkennen zu können."

Rabea Daniel ist im Jugendamt Bad Kissingen für den ordnungsrechtlichen und erzieherischen Jugendschutz zuständig. "Wir sind damals auf die Idee von Alko Stop gekommen, weil es in Deutschland ein Bundesmodellprojekt gibt, das sich ,Halt - Hart am Limit' nennt. Wir sind nicht ganz konform mit den Inhalten dieses Projekts gegangen. So haben wir überlegt, dass wir auf Landkreisebene ein ähnliches Projekt entwickeln, das auf unseren Landkreis zugeschnitten ist", erklärt sie. Die Meldungen über auffällige Jugendliche bekommen die Projektmitarbeiter hauptsächlich durch die Polizei, vereinzelt über Krankenhäuser und selten über die Eltern.

Auffällig sei vor allem, dass bei zunehmend jüngeren Jugendlichen hohe Promillewerte gemessen werden. Oft werde der Saft, zum Mischen von Spirituosen, weggelassen. "Es geht nur noch um den Kick", hat Daniel beobachtet. Die Ursachen für den Konsum sind individuell. Oft stehen hoher Leistungsdruck oder familiäre Probleme dahinter. "Eine andere mögliche Erklärung ist das Erlebnisbedürfnis. Viele wollen dem Alltag entfliehen. Es geht darum, Neues auszuprobieren und an seine Grenzen zu gehen", erläutert Müller. Darum werde überlegt, wie die Freizeit ohne Alkohol sinnvoll gestaltet werden kann. "Unser Ziel ist somit, durch die Gespräche den verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol vorzustellen und nahezulegen", betont er.

Um an dieses Ziel zu gelangen, ist das Beratungsgespräch in drei Bausteine unterteilt: Alko-Vorsicht informiert über die rechtlichen und gesundheitlichen Gefahren. Alko-Sackgasse klärt auf über Gefahren, Auswirkungen und das hohe Suchtpotential von regelmäßigem Alkoholkonsum. Außerdem stellt es Alternativen vor. Alko-Teufelskreis erläutert, wie eine drohende Abwärtsspirale für Jugendliche verhindert werden kann, wenn sie unter Alkoholeinfluss Gewaltdelikte begangen haben.

Die Reaktionen der Eltern seien durchweg positiv: "Natürlich gibt es auch einen Teil, die unser Angebot ignorieren, aber die meisten sehen es als Unterstützung", berichtet Daniel. Die Jugendlichen verhalten sich bei den Gesprächen unterschiedlich: "Es ist alles dabei: Von sehr aufgeschlossen und redselig bis zur Ich-erzähle-dir-gar-nichts-Einstellung." Daniel wünsche sich, dass mehr Eltern auf sie zukommen. "Man sollte sich für sowas nicht schämen. Und es ist wichtig, darüber zu reden."

Aus der Statistik

2017 Alko Stop Bad Kissingen hat im vergangenen Jahr mit 38 Fällen in Zusammenhang mit alkoholisierten Kindern und Jugendlichen zu tun gehabt: Die Jüngsten waren zwölf Jahre. Am häufigsten wurden 16-Jährige auffällig. Fünf Betroffene wurden im Krankenhaus versorgt. Die Promillewerte lagen zwischen 0,6 und 2,2 Promille. Spitzenreiter waren ein 16-Jähriger mit 2,09 Promille und ein 17-Jähriger mit 2,2 Promille.

2018 Im Ersten Halbjahr 2018 zählten die Projektmitarbeiter bereits 29 Fälle. Die Jüngsten Betroffenen waren elf und zwölf Jahre alt, am häufigsten waren 15-Jährige betroffen. Neun Jugendliche landeten im Krankenhaus. Die Promillewerte lagen wiederum zwischen 0,6 und 2,2 Promille, Den höchsten Wert hatte ein Zwölfjähriger mit 2,2 Promille.