Fünf Bildungsträger gibt es derzeit im Landkreis Bad Kissingen, bei denen Migraten Deutschkurse besuchen und offiziell anerkannte Sprachprüfungen ablegen können. Ab April sind es nur noch vier: Das bsi (Bildungs- und Schulungsinstitut Schweinfurt) führt die Kurse weiter, die das insolvente Arbeitsförderungszentrum (afz e.V.) bislang angeboten hat. Das bestätigte Insolvenzverwalter Robert Wartenberg auf Nachfrage.


Übergang bei Kursangebot

Insgesamt 30 Bildungskurse übernimmt das bsi vom afz, darunter neben den Angeboten für Migranten auch Fortbildungsmaßnahmen für Jugendliche ohne Ausbildung. "Wir haben alle am Markt beteiligten Bildungsträger angeschrieben. Einer hat sich angeboten, die Kurse weiterzuführen", berichtet Wartenberg. Seine Aufgabe sei es gewesen zu gewährleisten, dass die Schüler auch weiterhin ihren Unterricht besuchen können. "Damit es einen reibungslosen Übergang gibt, hat man im Hintergrund einen neuen Betreiber gesucht", sagt auch Kerstin Mack von der afz-Geschäftsleitung. Für die Kursteilnehmer ändere sich nichts an den Kursen, die finden nach Ostern eben nur in anderen Räumlichkeiten statt.


Keine Nachteile für Teilnehmer

Für den Großteil der Kursteilnehmer scheint diese Lösung in Ordnung, für rund 25 Personen aus einem Sprachkurs allerdings nicht. Das Problem: Ihre Lehrerin ist zwischenzeitlich bei einem dritten Bildungsträger, dem Beruflichen Fortbildungszentrum der bayerischen Wirtschaft (bfz), angestellt. Deshalb setzte sich der Kurs in den vergangenen Tagen bei den zuständigen Stellen vehement dafür ein, zum bfz wechseln zu dürfen.

Stefan Seufert, Asylkoordinator am Landratsamt und Leiter des Bildungsbüros, wurde von ihnen ebenfalls mit hinzugezogen. "Wir können da nur vermittelnd eingreifen", stellt er klar. Aus Sicht des Landkreises sei wichtig, dass die Kurse fortbestehen und dass den Teilnehmern keine Nachteile entstehen.

Das bfz engagiert sich in Bad Kissingen ebenfalls im Bereich Sprach- und Integrationskurse. Koordinator Peter-Wolfgang Großmann zeigt sich offen, den einen zusätzlichen Kurs zu übernehmen, wenn das entsprechende Okay vom Kostenträger kommt, in dem Fall vom Bundesamt für Migration- und Flüchtlinge (BAMF). Gleichzeitig will er dem Eindruck entgegentreten, das bfz würde einem Konkurrenten Kurse streitig machen. Er betont, dass das bfz sich nicht um die Sprachkurse des afz beworben hat. Es gebe eine gute Zusammenarbeit unter den Bildungsträgern. "Ich will keinen Streit untereinander bekommen wegen einem Sprachkurs", sagt Großmann.
Insolvenzverwalter Wartenberg hält den "Aufstand für übertrieben". Es stehe den Teilnehmern aber frei, zu einem anderen Anbieter zu wechseln, solange das BAMF dem zustimmt.


Investor für Campus in Aussicht

Das Geschäftsfeld Bildungskurse ist nur eines, mit dem das afz in Bad Kissingen tätig ist. Größer ist da der afz Campus, mit Hotel, Restaurant und Ausbildungsangeboten in der Gastronomie. Hier betreut das afz für den Landkreis außerdem minderjährige Flüchtlinge. Der Betrieb werde vom Anfang Dezember eröffneten Insolvenzverfahren nicht beeinträchtigt, sagt Kerstin Mack. Die Suche nach einem Investor für den Campus verlaufe positiv. Auch der Insolvenzverwalter zeigt sich zuversichtlich. "Da sind wir auf einem sehr guten Weg, dass das bis Juni auf einen neuen Träger übertragen werden könnte, der alle Mitarbeiter übernimmt", sagt Wartenberg.