Was anfangs als Scherz gedacht war, endete in einer Prügelei mit Widerstand gegen die Staatsgewalt und einer gemeinschaftlich begangenen gefährlichen Körperverletzung an einem Polizeibeamten. "Das war ein etwas aus dem Ruder gelaufener Rakoczy-Abend", meinte der Vorsitzende Richter am Bad Kissinger Schöffengericht und verurteilte nach mehrstündiger Sitzung und Anhörung etlicher Zeugen den einen der beiden Angeklagten zu einem Jahr auf Bewährung und 3000 Euro Geldstrafe, seinen Bruder zu acht Monaten auf Bewährung und 900 Euro.
"Ich wollte eigentlich nur einen Scherz machen", erklärte der als Zeuge geladene 20-Jährige vor Gericht, der das erste Opfer einer Prügelei am Rakoczy-Samstag 2017 auf den Stufen zum Bad Kissinger Postamt wurde. Kurz vor Mitternacht wartete er nach dem Festbesuch mit einigen Gleichaltrigen vor dem Postamt auf den Bus zur Diskothek. Gleichzeitig hielten sich dort die beiden Angeklagten auf, zwei deutsch-russische Brüder im Alter von 36 und 37 Jahren. Während sich der Ältere am Bankomat etwas Geld für die Taxi-Heimfahrt holte, sprachen beide Russisch mit Blick auf die Jugendlichen. Dadurch animiert, rief ihnen der 20-Jährige aus Spaß das russische Wort für Kartoffel zu. "Es war das einzige Wort, das ich kannte." Während der ältere Bruder am Geldautomaten diesen Zuruf auch als Spaß verstanden hatte, fühlte sich der jüngere anscheinend beleidigt, wurde gegenüber dem 20-Jährigen handgreiflich, wobei ihn nun auch sein älterer Bruder unterstützte. Beide drückten den jungen Mann an die Hauswand und schlugen auf ihn ein. Im Laufe des einsetzenden Handgemenges warf der Ältere einen gläsernen Bierkrug auf den 20-Jährigen, verfehlte ihn aber. Der Krug zerbrach klirrend am Boden.


Auch Polizist verletzt

Durch den Lärm und das Glasklirren wurden einige Polizisten in der Nähe auf den Vorgang aufmerksam. Während des Versuchs zweier männlicher Polizisten, die beiden Angeklagten vom 20-Jährigen zu trennen, versprühte eine weibliche Kollegin unerwartet Pfefferspray, um die Gruppe aufzulösen, wobei auch einer der beiden Polizisten eine Portion abbekam.
In diesem Moment wurde er vom älteren Angeklagten "in den Schwitzkasten genommen, so dass ich kurz keine Luft mehr bekam". Beim nachfolgenden Zweikampf erlitt der Polizeibeamte Verletzungen an Kopf, Nacken und Kiefer, weshalb er eine Woche dienstunfähig war. Der ihm zivilrechtlich zugestandene Schaden war mit 890 Euro bewertet und bereits vom Angeklagten beglichen worden.


Vollauf geständig

Schon zu Beginn der Verhandlung zeigten sich beide Angeklagten in Begleitung ihrer Verteidiger vollauf geständig, wollten sich allerdings zu den Einzelheiten wegen ihrer Erinnerungslücken aufgrund hohen Alkoholkonsums nicht äußern. Der Blutalkoholgehalt war zwei Stunden nach der Tat mit 1,86 Promille beim Jüngeren und 1,73 Promille beim Älteren festgestellt worden. Während sich beide Angeklagten beim 20-jährigen Opfer entschuldigen durften, verweigerte der geschädigte Polizeibeamte eine Entschuldigung.
Nach Anhörung einiger jugendlicher Zeugen und der Polizeibeamten verurteilte das Schöffengericht beide Brüder wegen gemeinschaftlich begangener gefährlicher Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zu einem Jahr sowie zu acht Monaten auf Bewährung. Die Geldstrafe wurde entsprechend der jeweiligen Tatbeteiligung und der persönlichen Verhältnisse auf 3 000 Euro beim älteren und 900 Euro beim jüngeren Angeklagten festgesetzt. Beide haben sich unter Aufsicht ihres Bewährungshelfers einem Antiaggressionstraining zu unterziehen.
Strafmildernd wirkte sich aus, dass beide seit ihrer Einwanderung vor 25 Jahren niemals in Deutschland straffällig geworden waren und vor Gericht "tätige Reue gezeigt" hatten. Strafverschärfend wurde allerdings beim älteren Angeklagten der Wurf mit dem Bierkrug gewertet. Zwar habe dieser den Krug aus zwei Metern Entfernung wohl nicht gezielt auf das Opfer geworfen, doch sei ihm ein bedingter Vorsatz anzulasten, da er mögliche Verletzungen in Kauf genommen habe.