Sukhpal Singh ist eines von vielen Beispielen für gelungene Integration in Bad Kissingen: "Das hier ist meine Heimat", sagt der 40-Jährige über Bad Kissingen. Er kam 1995 nach Deutschland und 2002 nach Bad Kissingen. "Die Stadt und die Menschen hier gefallen mir", sagt er und spricht von einem guten Verhältnis zu Menschen und Behörden.

Selbst Arbeitsplätze geschaffen

Sukhpal Singh hat im vergangenen Jahr sogar für den Stadtrat kandidiert, will sich einbringen und hat Arbeitsplätze geschaffen: Nach seiner Zeit als Koch in Bad Neustadt und Meiningen eröffnete er eine Pizzeria in Reiterswiesen. Drei Vollzeit-Beschäftigte hat er, dazu kommen zehn Mini- oder Teilzeit-Jobs. Die Gäste haben die Wahl zwischen italienischen Gerichten und Speisen aus seiner Heimat Indien. Sukhpal Singh stammt aus Punjab im Norden Indiens, allerdings hat er bereits 2002 die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen und damit automatisch die indische verloren. Mit seiner Frau hat der 40-Jährige ein fünf Monate altes Baby und viele Pläne: Am liebsten würde er ein größeres Restaurant in der Innenstadt eröffnen.
Auch wenn Sukhpal Singh mit seinem deutschen Pass nicht als Ausländer in der Bevölkerungsstatistik auftaucht, steht er für einen Trend: Immer mehr ausländische Mitbürger kommen in die Stadt. 2005 hatten 987 Menschen ausschließlich eine nicht-deutsche Nationalität, was bei einer Bevölkerung von 24 437 einer Quote von 4,04 Prozent entsprach. Anfang 2014 waren 1142 der insgesamt 23 799 Einwohner (4,80 Prozent) Ausländer, aktuell sind es 1331 von insgesamt 23 897, also 5,57 Prozent. Das bedeutet in 2014 eine Steigerung um 189 Menschen.

Plus nach drei Mal Minus

Unterm Strich wuchs Bad Kissingen allerdings nur um 98 Bürger oder 0,4 Prozent. Zuvor gab es drei Minus-Jahre: von 23 913 Anfang 2012 auf 23 799 Anfang 2014. Bad Kissingen wächst wegen Zuwanderung: 1631 Menschen (760 Männer und 871 Frauen) meldeten sich 2014 neu bei der Stadt an, 1282 Menschen (580 Männer und 702 Frauen) kehrten der Kommune den Rücken. Das gleicht eine andere Bilanz mehr als aus: Das Standesamt registrierte nämlich nur 281 Geburten und 478 Sterbefälle.
"Den meisten Zuwachs haben die Ausländer ausgemacht, trotzdem haben wir einen geringen Ausländeranteil", fasst Sachgebietsleiter Ludwig Büchner die Statistik zusammen. "Wir leben immer noch in einer sehr deutschen Gesellschaft", kommentiert Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) die Ausländerquote von nur 5,57 Prozent. Der OB freut sich natürlich vor allem über das Plus: "Der Zuwachs der Bevölkerung vor allem im Bereich der Kernstadt spricht für eine hohe Attraktivität von Bad Kissingen für Zuzügler aus anderen Gegenden Deutschlands. Das ist ein positives Zeichen für die Lebensqualität in der Stadt." Gerade wegen des Zuzugs von Senioren bleibe die Geburtenrate auch in den kommenden Jahren niedrig.

Garitz legt um 50 Bürger zu

Die Kernstadt gewann 47 Bürger und hat jetzt 11 233 Einwohner, in Garitz stieg die Einwohnerzahl um 50 (darunter die 36 neuen Asylbewerber) auf 4562. Poppenroth hat aktuell 873 Einwohner (plus 33), Hausen 1646 (plus 21). Alle anderen Stadtteile verlieren: Reiterswiesen schrumpft um 29 auf 2069 Bürger, Winkels um elf auf 1316, Albertshausen um fünf auf 603, Arnshausen um vier auf 1229 und Kleinbrach ebenfalls um vier auf 366 Einwohner.

Alterspyramide Früher nahm die Zahl der Männer und Frauen statistisch in jedem Lebensjahr ab, die grafische Darstellung der Einwohnerzahlen nach Jahrgängen (rechts) heißt deshalb auch heute noch Alterspyramide. Der "Pillenknick" und stetig sinkende Geburtenzahlen haben aus der früheren Pyramide eher einen "Pilz" gemacht: So feiern ihren 1. Geburtstag heuer nur 161 Kinder in Bad Kissingen, der größte Jahrgang mit 186 Männern und 254 Frauen ist der Jahrgang 1940. Zwischen 1936 und 1969 liegen nur fünf Jahrgänge unter 300 Einwohnern.

Nationalitäten Neben der deutschen gibt es in Bad Kissingen aktuell 90 verschiedene Nationalitäten und neun Menschen, die als staatenlos in der Statistik aufgeführt sind: 1331 Bürger haben ausschließlich einen ausländischen Pass, 2179 haben mehrere Staatsbürgerschaften. Macht zusammen 3510 Bürger mit einer anderen als der deutschen Nationalität. Die größte Gruppe sind dabei 891 Personen mit russischem Pass, gefolgt von 654 Einwohnern, die (auch) die kasachische Staatsbürgerschaft haben, 319 Polen, 140 Amerikanern, 125 Rumänen, 112 Kirgisen, 105 Ukrainern und 103 Italienern. Nur mit je einem Einwohner sind zum Beispiel Japan, Neuseeland, Pakistan, Mexiko, Argentinien, Jamaika und Nepal vertreten.