Leuchtturm, Prestigeobjekt, Hoffnungsträger: Die Nutzung des ehemaligen "Steigenberger"-Hotels und der ehemaligen Kurverwaltung im Herzen der Stadt lässt niemanden kalt - am allerwenigsten die Stadträte. In erster Linie ging es in der jüngsten Sitzung um die Schließung des Kurhausbades. Die ist beschlossene Sache: Zum 30. September bleiben die Moorwannen und Massageliegen dort leer.
"Was muss ersetzt werden, weil es identitätsstiftend ist?" Das war eine der Fragen, die Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) zu Beginn der Beratung aufwarf. Antwort: Moor-Vollwannenbäder. Die gibt es derzeit in Bad Kissingen nur noch im Kurhausbad. Stadtwerke-Geschäftsführer Manfred Zimmer bestätigte gestern auf Nachfrage, dass ab Anfang Oktober in der KissSalis-Therme Moor-Vollbäder und -Packungen angeboten werden.
Dies diene der "kontinuierlichen Weiterentwicklung unserer Therme als zentralen Ort des Wohlfühlens, bei dem Körper, Seele und Geist sich im Einklang befinden". Die Moor-Wannen müssten noch eingebaut werden, eine bauliche Erweiterung sei damit aber nicht verbunden. Zudem werde geprüft, weitere "Wellness- und Wohlfühlleistungen" zu übernehmen.

4100 Quadratmeter Nutzfläche

Auf Nachfrage sagte OB Blankenburg, dass das Personal des Kurhausbades "entweder umgesetzt wird, oder es laufen Befristungen aus". Der Stadtrat hatte sich in der vergangenen Woche das Gebäude angesehen: 4100 Quadratmeter Nutzfläche stehen dort ab Oktober leer. Nach einer Sanierung soll das Zentrum für Telemedizin 2000 Quadratmeter belegen. Für die restliche Fläche und zusätzlich den 3100 Quadratmeter großen Neumann-Flügel forderte nun der Freistaat als Eigentümer die Stadt auf, Vorschläge zur weiteren Nutzung zu machen.
"Für mich haben sich mehr Fragen als Lösungen aufgeworfen", fasste Bürgermeister Toni Schick (DBK) seine Eindrücke vom denkmalgeschützten Kurhausbad zusammen. Vor allem wegen der "Klein-Zelligkeit" müsse zunächst mit dem Landesamt für Denkmalpflege verhandelt werden. Die konkretesten Vorstellungen brachte SPD-Stadtrat Bernd Czelustek ein: ein balneologisches Institut, das die therapeutische Anwendung von Heilquellen untersucht, könne er sich vorstellen oder eine Gesundheits-Galerie mit Fachgeschäften. Ins Spiel gebracht wurde auch ein Umzug des Stadt-Archivs plus Verkauf des jetzigen Archiv-Gebäudes in der Promenadestraße.
OB Blankenburg meinte, dass im bisherigen Kurhausbad entweder qualifizierte Arbeitsplätze oder eine Attraktion für die Stadt entstehen solle. Einig waren sich die Stadträte am Ende nur, dass die vom Freistaat vorgegebene Frist bis Mitte September nicht reicht, um Vorschläge zu machen. Und: Die Mehrheit geht davon aus, dass es schwierig genug werden dürfte, die restlichen 2000 Quadratmeter Kurhausbad zu beleben, der Neumann-Flügel sollte unbedingt in das Hotel-Konzept integriert werden.

Fünf-Sterne-Hotel hat Vorrang

Die Frage ist nur: Wie? Schick könnte sich zwar vorstellen "die Braut aufzuhübschen und mit zu übergeben", also Hotelzimmer zu schaffen. Aber: Das Gebäude sei "elend verbaut und schwierig". Deshalb bevorzuge er einen Abriss. "Das einzige, was am Neumann-Flügel Neumann ist, ist der Name", wies auch Czelustek darauf hin, dass das Gebäude aus seiner Sicht nicht besonders schützenswert ist.
Besonders vehement setzte sich der frühere Kurdirektor Sigismund von Dobschütz (Freie Wähler) für den Abriss ein: "Der Neumann-Flügel macht alles kaputt", kommentierte er die Lage zwischen Kurhaushotel und Kurhausbad. Deshalb solle der Freistaat das Gebäude abreißen und anschließend eine große freie Fläche neu ausschreiben, alles andere sei eine Fußangel für mögliche Investoren.
Der Stadtrat war sich am Ende einig, dass der Bau eines Fünf-Sterne-Hotels und die Suche nach einem Investor Vorrang vor allen anderen Plänen für das Areal haben soll.

Jede Menge Details rund um den Abriss des Kurhaushotels behandelte der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung. Das zuständige Architektur-Büro rechnet sowohl für das ehemalige "Steigenberger", als auch das Kurgastzentrum mit jeweils 40 bis 50 Containern an Abfällen wie Holz, Teppiche oder Glas sowie jeweils rund 220 Lastzügen mit mineralischen Abfällen. Macht weit über 500 Lkw, die nach dem Beschluss des Stadtrates über Theaterplatz und Kapellenstraße an- und abfahren.
Die Ingenieure waren sich sicher, dass der Abriss bis Ende März abgeschlossen sein wird. "Das Abbruchgeschehen ist eigentlich nicht von der Witterung betroffen." Das Kurhaushotel soll im November und Dezember komplett zurückgebaut werden, beim Kurgastzentrum sollen zumindest die Dacharbeiten noch heuer über die Bühne gehen.

Auflagen für Bauarbeiter

Die Ruhezonensatzung werde eingehalten, also etwa kein Lärm und kein Lkw-Verkehr vor 7.30 Uhr und unter Mittag. Zahlreiche Auflagen beziehen sich laut der Experten auch auf die Lage des Max-Brunnens unter den Gebäuden. Deshalb dürften nur biologisch abbaubare Hydraulik-Öle verwendet werden, Fundamente würden abschnittsweise ausgebaut. Die zweigeschossige Tief-Garage wird während des Abrisses gesperrt und gesichert. Sie soll erhalten werden. Die Baustelle wird mit einem Holz-Sichtschutz-Zaun und einem Staubschutz-Gerüst umgeben. Ob der Bauzaun nach Ende März bleibt und wie die Fläche angelegt wird, sei noch offen.