Zwei Mal im Jahr sind die Bürgermeister unter sich: bei den Kreisverbandsversammlungen des Bayerischen gemeindetages. "Das ist unser Feiertag wie die Dies bei den Pfarrern", kommentierte denn auch Kreisvorsitzender Siegfried Erhard die Treffen. Der Oerlenbacher CSU-Bürgermeister hatte die Runde dieses Mal sogar am alle noch lebende Alt-Bürgermeister erweitert.
Launig ging es von Anfang an bei der Zusammenkunft in Oberleichtersbach zu. Viele Bürgermeister kamen zusammen mit ihren Vor- oder sogar Vor-Vorgängern. Da wurde manche Schote zum besten gegeben, so erzählte der ehemalige Steinacher und spätere Bockleter Bürgermeister Helmut Schuck, wie er sich ganz am Anfang seiner Bürgermeister-Zeit einmal eine ganze Lkw-Ladung Toiletten-Papier von einer hübschen Vertreterin aufschwatzen ließ. "1000 Mark hat das damals gekostet, damit musste ich sogar durch den Gemeinderat", habe er seinen Handlungsspielraum von 500 Mark damals überschritten. Aber: "Sechs Jahre später sind wir nach Bocklet eingemeindet worden und wir hatten immer noch Klopapier."
Kritisch, aber humorvoll hielt der Schönderlinger Kabarettist Gerhard Morber den amtierenden und ehemaligen Bürgermeistern den Spiegel vor. "Die Möglichkeit kriegt man auch nicht jeden Tag geboten", freute er sich vor seinem Auftritt, war aber auch aufgeregt: "Ich bin noch nie außerhalb des Schönderlinger Sportheims aufgetreten", war die Nockherberg-Atmosphäre vor den Kommunalpolitikern für ihn eine Premiere.
"Oft König, manchmal nur Grüßonkel" - so charakterisierte er die Bürgermeister. Schwierig sei nur die Entscheidung, "welche mehr Richtung Genie, welche mehr Richtung Wahnsinn tendieren". Aufs Korn nahm Morber unter anderem den Bau von Kreiseln, für den Oerlenbacher Kreisverkehr schlug er etwa den Namen Siegfreid Erhrad-Kreisel vor: "Das wär doch eine runde Sache." Anschließend gab er ein Rating für etliche der 26 Kommunen im Landkreis aus und machte Namensvorschläge für die überall entstehenden Kommunalen Allianzen.
"Wir Bürgermeister sind 24 Stunden am Tag im Dienst", sagte Kreisvorsitzender Erhard und spielte damit auf die geplatzte Abstimmung im Bundestag an. Den Gemeindetag und seine Referenten bezeichnete Erhard als "Coach der Bürgermeister". "Wir ziehen alle in gleicher Weise am gleichen Strang, wenn auch vielleicht manchmal in leicht verschiedene Richtungen", lobte er die Zusammenarbeit der 26 Bürgermeister im Kreis.
In seinem Rückblick stellte der Oerlenbacher Bürgermeister immer wieder fest, dass sich die Probleme wiederholen: "Die Ortskern-Revitalisierung war schon 1970 ein Thema, aber jetzt hat es sich eben verschärft", nannte er ein Beispiel. Weitere Themen waren die Finanzen und die Bevölkerungsentwicklung: "In Naila ist es schlimmer, aber das tröstet uns natürlich wenig."

Gründung Der Bayerische Gemeindetag entstand 1912 als "Verband der Landgemeinden des Königsreichs Bayern". 1934 wurde er aufgelöst und in die Landesdienststelle Bayern des Deutschen Gemeindetags übergeführt. Die Wiedergründung erfolgte 1947.

Funktion Der Bayerische Gemeindetag versteht sich als Sprecher der kreisangehörigen Kommunen und ist einer von vier kommunalen Spitzenverbänden. Ihm gehören 2024 Kommunen, 313 Verwaltungsgemeinschaften, 197 Zweckverbände und 58 andere juristische Personen an.

Freiwillig Alle 26 Kommunen des Landkreises Bad Kissingen sind freiwillig Mitglied im Kreisverband. Sie zahlen dafür einen nach Einwohnerzahl gestaffelten Beitrag. Kreisvorsitzender ist seit 1996 Oerlenbachs Bürgermeister Siegfried Erhard, sein Stellvertreter ist seit 2008 sein Oberthulbaer Kollege Gotthard Schlereth (CSU/ FWG).

Historie Der ehemalige Bad Kissinger Oberbürgermeister und Senatspräsident Hans Weiß (†) stand von 1972 bis 1984 dem Bayerischen Gemeindetag vor und wurde später Ehrenvorsitzender. Er holte die Landesversammlung 1977 nach Bad Kissingen, 1991 fand die Landesversammlung erneut im Landkreis statt, nämlich in Bad Brückenau.

Stimmen zum Jubiläum finden Sie in der Donnerstagsausgabe der Saale-Zeitung.