Immer mehr machen sich die gesellschaftlichen Prozesse auch in der Kirche bemerkbar. Es ist abzusehen, wie die abnehmenden personellen und finanziellen Ressourcen zu immer größeren Veränderungen führen. Diese Entwicklung wurde auch in der Diözese Würzburg von der Bistumsleitung erkannt, die deshalb das Projekt "Pastoral der Zukunft" ins Leben rief. Daran beteiligen sich alle kirchlichen Gruppierungen mit ihren Vorstellungen, Anforderungen und Wunschvorstellungen.

Das Thema "Pastoral der Zukunft" war auch das große Thema bei der Herbstvollversammlung des Dekanatsrates Bad Kissingen im katholischen Pfarrheim Poppenlauer. Zu diesem Konzept, das vom Geistlichen Rat mit Bischof Friedhelm Hofmann, Weihbischof Ulrich Booms und der Hauptabteilung im Ordinariat entwickelt wurde, stellte Generalvikar Thomas Keßler zwei Präsentationen vor, um sich anschließend den Fragen und Sorgen der Teilnehmer zu stellen. Die zentrale Frage war: "Wie sehen die künftigen Veränderungen in der Pfarreienlandschaft in unserem Raum aus?"

Dekanatsratsvorsitzender Erhard Ledermann begrüßte die Teilnehmer. Den geistlichen Impuls hatte der stellvertretende Dekan des Landkreises Bad Kissingen, Pater Sony Kochumalayil, übernommen. "Seit Monaten beschäftigen wir uns mit dem Thema: ,Wie geht es weiter, wer kann uns helfen, diese Tatsache zu verstehen?'", sagte Sony.

Generalvikar Thomas Keßler begann seine Ausführungen mit "Communio - Herausforderungen, Missio - Orientierungen und Creatio - Praktiken", den drei Grundorientierungen, die nicht voneinander zu trennen sind. Die Grunddimension "Communio" bedeutet in der Grundform "Orte der Nähe - Gemeinschaft erfahren". "Missio" ist Raum der Weite - Räume entdecken und "Creatio" Orte der Entwicklung - Projekte entwickeln.


Wachsende Mobilität

Keßler nannte die Mobilität der Menschen als eine große Herausforderung der heutigen Zeit. "Auch Jugendliche müssen mobil sein im Bezug auf ihren Arbeits- und Studienplatz." Zum Thema "Misssio" stellte der Generalvikar die Frage: "Wie lässt sich heute kirchliches Leben in unserem Bistum gestalten?". Er ging auf die gesellschaftlichen Herausforderungen und die personellen Veränderungen ein.

Erhard Ledermann (Poppenlauer) stellte fest: "Pastoralentwicklung der Zukunft braucht Ziele. Die Realität und meine Vorstellungen decken sich mit den Ausführungen des geistlichen Rates der Diözese". Auf die Frage: "Wo ist noch Kirche zu finden?", kam die Antwort: "Gemeinde muss im Dorf bleiben". Ein Delegierter betonte, dass sich besonders ältere Menschen mit den Neuerungen nicht identifizieren können.

Zur pastoralen Entwicklung des Bistums und des Dekanates wollten die Teilnehmer eine Antwort haben. Dazu diente als Grundlage das Votum des allgemeinen Geistlichen Rates. Es gibt vor, dass als Ziel eine nachhaltige Perspektive für die Entwicklung der Pastoral in der Diözese Würzburg angestrebt wird.

Ferner soll die Diözese langfristig in Pfarreien gegliedert werden, die sich an größeren pastoralen Räumen orientiert. Die bisherigen Pfarreien, Kuratien und Filialen sind Gemeinden, die sich innerhalb der neuen Pfarreien finden. Für die Zahl der neuen Pfarreien wird ein Richtwert gegeben. Für die Entwicklung der Pfarrei und ihrer Gemeinden wird Unterstützung gegeben, ebenso wie die Eigenverantwortung gefördert wird.


Jugendliche ansprechen

Großen Raum nahm in der Diskussion die Frage ein, wie man Jugendliche und Familien ansprechen und einbinden kann. Gerade bei diesen Gruppen wird klar, dass man neue Formen von Gemeinden und Zusammenarbeit finden muss. "Wir müssen die Sprache der Jugend sprechen und ihnen samt Familien andere Formen von Gottesdienst und andere Räume anbieten."

Das Fazit der Versammlung war, dass jeder getaufte Christ eigentlich Seelsorger und zur aktiven Mitarbeit eingeladen ist. Erhard Ledermann: "Wir müssen uns selber weiterentwickeln. Es ist eine große Chance für die Priester und die Pfarreien". Ein weiterer Teilnehmer stellt fest: "Junge Menschen möchten eine Heimat haben" und Markus Dietz (Weichtungen) wünscht sich, dass man darauf hinwirkt, dass der Sonntag auch ein Sonntag bleibt. Das Schlusswort: "Kirche bleibt im Dorf, was wir daraus machen, liegt an uns".