Doch eigentlich war es eher ein Adventskonzert. Der Leser wird sich nun fragen: Warum Adventskonzert, wenn doch Weihnachten ist? Die Lösung liegt dabei auf der Hand, gilt doch in der russisch-orthodoxen Kirche noch der julianische Kalender, der 13 Tage hinter dem in unseren Breitengraden üblichen gregorianischen Kalender liegt. Und so wird dort das Weihnachtsfest orthodoxen Kirchen auch erst am 7. Januar gefeiert. Ähnlich fremd kann die Kirchenmusik Ostkirchen in den westlichen Ohren klingen. Traditionen sowie Glaube sind der gleiche, Riten und Gesänge sind jedoch ganz andere.
Im Konzert war dieses Spannungsfeld eindrucksvoll zu hören, der St.-Daniels-Chor nahm die Besucher mit hinein in diese vertraut-fremde Welt. Doch nicht nur geistliches, auch weltliche Werke waren zu hören.
Nachdem der Leiter des Ensembles, Dr. Vladislav Belikov im Vorfeld ausgefallen war, bestritten die drei das Konzert alleine. Stimmgewaltig gelang es ihnen, diesen Ausfall zu ersetzen und mit viel Herzblut die Weisen vorzutragen. Durchs Programm führte dabei Sergey Tkachenko, der auch als 1. Tenor mitsang und so den Besuchern in Bad Bocklet den russisch-orthodoxen Ritus näher brachte.
Den Beginn machte man mit einem Gebet aus der weihnachtlichen Liturgie, sehr harmonisch und gefühlvoll gingen die drei Sänger vor.

Kirchliche und weltliche Lieder

Doch nicht nur russisch-orthodoxe Weisen waren zu hören, sondern auch Stücke, die in anderer orthodoxer Tradition standen. Meditativ und dennoch stimmgewaltig mit sanftem Unterton interpretierte man den Cherubim-Hymnus, der ganz in altgeorgischer Polyphonietradition gehalten war und sich hörbar vom übrigen Konzert absetzte.
Stimmgewaltig und doch harmonisch klang das "Lobe den Herrn meine Seele" nach dem Psalm 103 von Nikolai Nikolajewitsch Dranitsyn, welches das Publikum mit großem Applaus bedachte.
Traditionell wird mit diesem Lied die Feier der Vesper in den orthodoxen Kirchen eröffnet. Anklänge an gregorianische Gesänge waren bei einem Marienlied aus dem 17. Jahrhundert zu vernehmen. Mit dem Vater unser, dem "Otsche Nasch", zeigte das Ensemble, dass die christlichen Kirchen auf der ganzen Welt auf einen Gebetsschatz zurückgreifen können. Das "Ich bete an die Macht der Liebe" von Dmytro Bortnjanskyj, das in Russland ein Kirchenklassiker ist, sorgte für Bravo-Rufe im Publikum und führte über zu den weltlichen Weisen. "Es lebten zwölf Räuber" interpretierte der 2. Tenor Konstantin Stepanov stimmgewaltig und mit viel Gestus. Reizvoll auch das "Im dunklen Wald". Gut kam auch "Das einsame Glöcklein"an, bei dem Sergey Tkachenko sein ganzes Können zeigte.
Der russische Segenswunsch "Auf viele Jahre" deutete das Ende des Konzerts an. Als Zugabe gab es ein lustiges russisches Lied, bis der Auftritt mit einem "Doswidanja" (russisch: Auf Wiedersehen) endete. Das Publikum bedankte sich mit langem Applaus.