Für das Schöffengericht Würzburg war die Sache klar: Es hat den früheren Unternehmer Franz Laudenbach (69) im August 2015 zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung plus einer Auflage von 8000 Euro für eine gemeinnützige Organisation verurteilt. Er soll seinem Bruder, dem früheren Kriminaldirektor und Bad Kissinger Stadtoberhaupt Karl Heinz Laudenbach (CSU/parteilos), Mitte 2008 geholfen haben, insgesamt rund 150 000 Euro Steuern zu hinterziehen. Schon damals hatte Franz Laudenbach beteuert, nichts Unrechtes getan zu haben. Jetzt sprach er von "Indizien ohne schlagkräftige" Beweise. Er legte über seinen Anwalt Jan Paulsen Berufung ein.


Lange Befragungen

Darüber verhandelte, nachdem ein erstes Verfahren vor einigen Wochen ausgesetzt worden war, am Dienstag die 7. Strafkammer des Landgerichts Würzburg. Dabei wurde deutlich, dass es Justizias rechtskundige, aber auch ihre ehrenamtlichen Mitarbeiter, die Schöffen, nicht immer leicht haben. Der Prozess dümpelte vor sich hin. Er war geprägt von langatmigen Befragungen und Erklärungen, vom Verlesen umfangreicher Protokolle und von Zeugen, die sich verschlossen zeigten.


Abgehoben und in bar übergeben

Dabei scheint auf dem ersten Blick alles klar: Franz Laudenbach hat - was er gar nicht bestreitet - von drei Konten einer Bank in Salzburg insgesamt 339 000 Euro abgehoben und an Bruder Karl Heinz in bar überreicht. Insgesamt hatte der Ex-OB 434 000 Euro Provision für einen unsauberen Immobilien-Deal kassiert. Er versuchte, was Franz angeblich nie für möglich gehalten hatte - das Geld am deutschen Fiskus vorbeizusteuern.

Das ging schief. Karl Heinz Laudenbach wurde erwischt, sofort in U-Haft genommen und - wegen Vorteilsnahme sowie Steuerhinterziehung - verurteilt. Das war 2014. Von zwei Jahren und acht Monaten musste er zwei Drittel absitzen. Seit Mitte Mai 2015 ist er auf Bewährung wieder auf freiem Fuß.


Zwei verweigerten die Aussage

Deshalb machte er jetzt auch wieder von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Das hatte ihm sein Anwalt so geraten. Denn es sei denkbar, dass er seine Bewährung gefährden und seinem Bruder möglicherweise schaden könnte.

Kooperativ zeigten sich der Kriminalbeamte a. D. Wolfgang H. und Steuerfahnder Markus K. Sie schilderten ausführlich die Ermittlungen und ihre Ergebnisse.
Zugeknöpft war hingegen Raymonds Libers. Der Russe war Karl Heinz Laudenbachs Kontaktmann zu den Investoren. Erst wollte er nicht aussagen, dann ein bisschen, dann wiederum überhaupt nicht. Begründung: Er ist in den "Fürstenhof"-Verkauf verwickelt, gilt hier immer noch als Beschuldigter.

Karl Heinz Laudenbach hatte immerhin eingewilligt, dass umfangreiche, ihn betreffende Vernehmungsprotokolle verlesen wurden. Diese Aufgabe fiel dem Vorsitzenden Richter Reinhold Emmert zu. Neue Erkenntnisse über Franz Laudenbachs Taten erbrachten sie nicht. Sie befassten sich vielmehr mit den Bemühungen des damaligen OB Laudenbach, die angeblich insolvente Stadt Bad Kissingen vor dem unmittelbar bevorstehenden Konkurs zu retten. Außerdem schilderte das Stadtoberhaupt a. D. detailliert seine Anstrengungen, Investoren zu finden. Sein jetzt angeklagter Bruder spielte dabei aber keine erkennbare Rolle.


Der Staat holte sich sein Geld

Der hat übrigens böse geblutet: Das Finanzamt hat ihn für seinen Bruder Karl Heinz in Haftung genommen und von seinem Konto 103 000 Euro ausstehende Einkommensteuer samt "Soli" gepfändet. Außerdem stotterte er in Raten weitere 54 000 Euro an Umsatzsteuer ab. Das Geld war eigentlich für seine Altersvorsorge gedacht gewesen. Die vom Finanzamt neu erlassenen Steuerbescheide sind längst bestandskräftig, Rechtsmittel gegen sie waren erfolglos geblieben.


Eine CD aus der Schweiz

Das Verfahren soll am Donnerstag, 13. Oktober, fortgesetzt werden. Verteidiger Paulsen hat die Ladung mehrerer Zeugen - unter anderem einen Steuerberater aus Bad Kissingen, einen Hotelmanager aus Hamburg und einen Investoren aus St. Petersburg - beantragt.

Aber auch damit könnte das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht worden sein. Wie Staatsanwalt Dr. Hubert Stühler, der einen ausgesprochen ruhigen Vormittag hatte, auf Anfrage von Paulsen sagte, liegt den Würzburger Ermittlungsbehörden seit einigen Tagen eine CD vor, "deren Inhalt ich nicht kenne". Sie wurde im Rahmen eines Rechtshilfeersuchens von der Schweizer Justiz übersandt und soll etwa 8000 Datensätze enthalten.


Unterschiedliche Sichtweisen

Während Richter Emmert bezweifelte, dass die dortigen Angaben mit den Vorwürfen gegen Franz Laudenbach etwas zu tun haben könnten, meinte dessen Verteidiger, er wolle sie sich bis zum nächsten Termin einmal anschauen. Eventuell könnte sich eine Basis für weitere Beweisanträge finden.



Der Hintergrund

Verkauf um fast jeden Preis
Jahre lang stand das frühere Sanatorium "Fürstenhof" samt Schweizerhaus leer. Die Eigentümerin, die unterfränkische Arbeiterwohlfahrt (AWO), wollte dieses Millionengrab um fast jeden Preis los werden. Karl Heinz Laudenbach fädelte als damaliger Bad Kissinger OB den Verkauf an eine schweizer Gesellschaft russischer Investoren ein. Das Objekt wechselte für 4,5 Millionen Euro den Eigentümer. Dann aber hielt Laudenbach die Hand auf: Er kassierte eine Provision in Höhe von 434.000 Euro. Damit machte er sich wegen Vorteilsnahme strafbar, als Stadtoberhaupt hätte er das Geld nicht kassieren dürfen.

Schleichwege Die Provision wurde über verschlungene Wege bezahlt. Das Geld floss von Würzburg über die Schweiz an eine Briefkastenfirma nach Belize und dann weiter nach Zypern. 95 000 Euro wurden an ein Bad Kissinger Geldhaus überwiesen. Weil der Ex-OB aber dem Bankgeheimnis in Bad Kissingen nicht traute, richteten er und sein Bruder drei Konten in Salzburg ein, auf denen insgesamt 339 000 Euro landeten. Durch einen Zufall kam die unsaubere Transaktion bei einer Betriebsprüfung, wenige Wochen bevor Verjährung eingetreten wäre, ans Licht.

Stillstand Das Sanatorium, das nach den Plänen der Fürstenhof S. A. In Piully in der Schweiz zu einem Luxushotel mit insgesamt 220 Betten werden sollte oder noch soll, ist in einen tiefen Dornröschen-Schlaf verfallen. Es tut sich nichts. Eigentlich war geplant gewesen, hier um die 80 Millionen Euro zu investieren. ed