Nahtlos reihte sich das Trio mit Lydia Roscher, Franziska Schneider und Hans-Jürgen Silbermann in die Reihe derjenigen Künstler ein, die den Saal im Gasthaus Breitenbach seit Herbst 1998 einmal im Jahr zur großen Bühne machen. Erneut war es dem örtlichen Organisator Klaus Herdt gelungen, das Bad Brückenauer Kulturleben in Eigeninitiative mit einem Highlight, diesmal der "Leipziger Pfeffermühle", zu bereichern.
Einen Crashkurs unter dem Motto "Von der ehrlichen Haut zum Superschwindler" versprachen die Akteure und stellten fest, dass praktisch alle Zuschauer gute Voraussetzungen zur Teilnahme mitbringen würden: "Das kennen Sie ja alles von ihrer Steuererklärung."
Neben vielen anderen Vorteilen hätten Lügner auch den besseren Sex, "zumindest nach eigenen Aussagen". Die lautstarke Erheiterung war noch nicht abgeklungen, als dem Publikum das Lachen sprichwörtlich im Halse stecken blieb. Denn wie in den nächsten Szenen der Alltag im Discount-Altenheim "Haus Sonnenuntergang" geschildert wurde, zwang durchaus zu einem Moment des Innehaltens.
Ohnehin verstand es die "Leipziger Pfeffermühle" im Verlauf des Abends sehr geschickt, die Waagschale zwischen krachendem Lacher und stiller Nachdenklichkeit exakt einzupendeln. So erlebte man in Römershag Kabarett in seiner ursprünglichen Form, und zwar ganz fernab etlicher gängiger Comedy-Formate, bei denen sich nur Gag an Gag reiht.


Embryonen-Yoga

Breiten Raum widmete das Ensemble dem Neubau des Berliner Flughafens, der sich als das reinste Biotop präsentieren würde. Gesanglich brachten es die Künstler so auf den Punkt: "In dem Brandenburger Sand, sitzen wir ganz entspannt." Man dürfe bei aller Kritik aber nicht die augenfälligen Vorteile und Rekorde der Anlage verkennen. Schließlich handele es sich aktuell um den leisesten Flughafen der Welt.
Detailliert seziert wurde die Entwicklung im bekannten Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg, der sich vom Proletarier-Viertel zur Szene-Hochburg entwickelt habe. Und diese Wandlung treffe schon die Nichtgeborenen. So würde von den ganz fortschrittlichen Vordenkern bereits Embryonen-Yoga angeboten. Aber auch in anderen Lebensbereichen zeichneten sich unübersehbare Trends ab: "Die Ausbildungsbetriebe richten jetzt eigene Schulen ein, damit die Schulabgänger lesen und schreiben lernen." Eine Klasse für sich waren die Wortspiele des Trios. Ob die Bundeswehr nun die beiden Soldatinnen Pesch und Merga ausbildet oder gefragt wird, ob "Peggy da?" oder wieder bei einer Demonstration ist, das zeugte vom Gebrauch der Sprache in höchster Vollendung. In diese Kategorie fiel auch der angeblich ganz moderne und einprägsame Slogan für den Auslandseinsatz der Bundeswehr: "Panzer qualmen unter Palmen."


Frau von der Laienspielgruppe

Neben Worten und gezielt eingesetzten Requisiten trafen Mimik und Gestik der Kabarettisten voll ins Schwarze. Wenn beispielsweise Bundeskanzlerin Angela Merkel (Franziska Schneider) und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (Lydia Roscher) einen Dialog über aktuelle Politik führen, bleibt kein Auge trocken. Der Song "Ich bin die Frau von der Laien-, der Laienspielgruppe, die Regierung heißt", besitzt durchaus Hit-Potential. Was passiert, wenn der Redner im Bundestag sich an sein sinnloses und unverständliches Manuskript mit lauter Wortverdrehungen hält, zelebrierte Hans-Jürgen Silbermann in einem tollen Solo. Der Parforceritt der Kabarettisten durch nahezu alle Bereiche des privaten und öffentlichen Lebens verlangte dem Publikum einiges ab. Dass diese Berg- und Talfahrt zwischen heller Freude und tiefer Nachdenklichkeit den Nerv der Zuschauer getroffen hatte, zeigten der lang anhaltende Applaus und die lautstarke Forderung nach einer Zugabe. Einen Ratschlag gaben die Akteure der "Leipziger Pfeffermühle" ihren Gästen noch mit auf den Heimweg: "Die Wahrheit ist so hässlich, also lasst uns weiter lügen."