Sie wandern ja so gerne. Aber nicht am Rennsteig durch das Land oder hinauf zum Staffelstein. Nein, die "Wandervöuchel" kennen nur ein Ziel: den Kreuzberg, den heiligen Berg der Franken. Mehrmals im Jahr machen sie sich auf den Weg von Premich hinauf zum Kloster, egal ob bei Regen, Hitze oder Frost. Doch es wird nicht einfach nur eine Strecke erwandert, sondern auch ordentlich Rast gemacht - in der Kelterei Söder oder in der Brennerei in Sandberg, später dann am Neustädter Haus oder in der Gemündener Hütte. Manchmal rasten sie auch einfach mal zwischendurch am Wegesrand.

Nun, wirklich besonders ist das auf den ersten Blick nicht. Denn wer gerne in Gemeinschaft wandert, braucht sich eigentlich nur dem traditionellen Rhönklub oder anderen Vereinigungen anzuschließen. Aber für die "Wandervöuchel" war das nie ein Thema. Schließlich sind sie schon seit vielen Jahren befreundet, wandern als selbstständige Truppe seit 2005 zum Kreuzberg. "Wir wollen unser Ding machen", erklärt Andreas May. Deshalb haben er und seine Freunde jetzt auch einen eigenen Verein gegründet, die "Wandervöuchel" e.V.


Seit April im Vereinsregister

Mitte April erfolgte der offizielle Eintrag ins Vereinsregister. Sieben Mann gehören ihm an - nicht nur Premicher, sondern auch Gefährten aus Sandberg, Waldfenster und Langenleiten. Den Vorsitz des Vereins, der einer der kleinsten im Markt Burkardroth ist, hat Tobias Nauth übernommen, der zugleich auch als Wanderführer fungiert. Sein Stellvertreter ist Andreas May, der sich um die Öffentlichkeitsarbeit und damit auch um die Pflege der Facebook-Seite kümmert. Die Vereinsspitze rundet "Weihnachtsbock" André Zehe ab, der die Positionen Kassier und Schriftführer in Personalunion bekleidet.


Gemeinsames Hobby pflegen

Doch welches Ziel verfolgen die Wandervöuchel? "Wir wollen die Gemeinschaft und unser gemeinsames Hobby Wandern pflegen", erklärt Vereinschef Tobias Nauth. "Und auch die Rhöner Trinkkultur", ergänzt Andreas May mit einem breiten Grinsen. Wie aufs Wort holen die drei ihre Bierkrüge hervor, ein wichtiges Accessoire, das bei keiner Tour fehlen darf. Unangefochtener Favorit, der daraus getrunken wird, ist das Kreuzbergbier. Doch auch andere Rhöner Biere dürfen hinein, zur Not auch mal Wasser. "Wir verbinden mit den Wanderungen ein ganz besonderes Lebensgefühl, es ist unser Ausstieg aus dem Alltag", so Nauth.

Der 28-Jährige arbeitet in einem metallverarbeitenden Betrieb in Nüdlingen, ist täglich Lärm und Stress ausgesetzt. "Da tut das Wandern dann echt gut", sagt er. Auch seine beiden anderen Mitstreiter - der eine Software-Entwickler, der andere Bäcker - haben ähnliche Beweggründe. "Außerdem hat man am Kreuzberg keinen Handyempfang. Somit muss man miteinander reden", nennt May einen weiteren Vorzug. Am liebsten sitzen er und seine Mitstreiter dort im Freien, wenn es kalt ist im Fürstenzimmer.

Zwei Wanderungen finden pro Jahr statt, eine im Sommer - die nächste ist für den 13. August geplant - und eine um die Weihnachtszeit herum. "Wir haben auch schon vier Touren im Jahr geschafft, eine zu jeder Jahreszeit", so Nauth. Zwischen zweieinhalb und fünf Stunden dauert so eine Wandervöuchel-Wanderung hinauf zum Berg, je nachdem wie oft und lange Rast gemacht wird und wie schnell die Truppe unterwegs ist.
Mitlaufen kann jeder, der Lust hat. "Und wenn die Wandergruppe zu weit auseinanderdriftet, die Vorderen zu schnell sind, kommt das Megafon zum Einsatz", erklärt Andreas May. Er benutzt es aber auch, um eine Rast anzukündigen. Manchmal hören die Wandervöuchel sogar Musik darüber, vom Handy. Ein wenig schräg ist das schon, dessen sind sich die Drei durchaus bewusst.


Ungewöhnliche Satzung

Ebenso sieht es mit der Satzung des Vereins aus. In dieser ist unter anderem die Aufnahme neuer Mitglieder geregelt. Die müssen volljährig sein und im Beisein von zwei Mitgliedern einen Liter Kreuzbergbier auf Ex trinken. "Denkbare Alternativen (...) bestehen über das Erbringen besonderer Leistungen, zum Beispiel mit Sommerschuhbekleidung im Winter den Kreuzberg ab Premich zu besteigen (...) sowie viermalig in Folge der Wanderung beizuwohnen." Wieder müssen die Drei grinsen.
"Aber wir machen auch ganz normale Sachen", erklärt Tobias Nauth mit dem nötigen Ernst. Beispielsweise beteiligen sich die Wandervöuchel am Ferienprogramm des Marktes Burkardroth. Das wird schon seit vielen Jahren von den Vereinen gestaltet. "Wir wollen mit den Kindern Geocaching machen", sagt Andreas May. Dabei handelt es sich um eine moderne, elektronische Art der Schatzsuche, bei der übers Internet die Koordinaten der Verstecke ausfindig gemacht und anschließend persönlich aufgesucht werden. Im Versteck ist dann ein kleiner Gegenstand, eine Art Schatz, hinterlegt, der ausgetauscht werden kann. "Rund um Premich gibt es etliche Verstecke. Die Kids müssen dafür nur ihr Smartphone mitbringen", fügt er hinzu.


Im Dorfleben präsent sein

Aber nicht nur beim Ferienprogramm, sondern auch vor Ort, im Dorfleben, wollen sich die Wandervöuchel künftig einbringen, sich beispielsweise an der Dorfmeisterschaft des Schützenvereins beteiligen. "Nur so werden wir wahrgenommen", sagt Andreas May. Dann haben er und seine Freunde keine Zeit mehr zum Schwatzen. Schließlich wandern sie so gerne. Aber nicht am Rennsteig durch das Land oder hinauf zum Staffelstein. Nein, sie haben nur ein Ziel: den Kreuzberg.