Zehn Jahre haben die Verhandlungen gedauert, im November 2014 war es endlich soweit: Der bayerische Teil des Unesco-Biosphärenreservats Rhön wurde um rund 47 000 auf 129 585 Hektar erweitert. Damit nimmt der bayerische Teil mehr als die Hälfte der Gesamtfläche ein. Aktuell wird ein neues Rahmenkonzept erstellt, dabei ist seit Jahren eine der größten Fragen, wie und von wo aus das Erweiterungsgebiet betreut wird. "Dazu gibt es derzeit nur Wunschvorstellungen", fasst Regierungsdirektor Michael Geier, Leiter der Bayerischen Verwaltungsstelle, den aktuellen Stand zusammen.


Gefälle von Norden nach Süden

Einig scheinen sich alle Verantwortlichen zu sein, dass der neue Standort im Landkreis Bad Kissingen liegt. Schließlich gibt es in der bayerischen Rhön eine ganz erhebliche Unwucht: Der kleinere Landkreis Rhön-Grabfeld hat nicht nur das Management-Zentrum, sondern auch vier weitere Einrichtungen (siehe Info-Kasten). Mehr als drei Mal so viele Stellen als im Landkreis Bad Kissingen sind dafür über die Jahre entstanden. Laut Geier habe der Verein Naturpark und Biosphärenreservat Rhön (NBR) "mehrfach auf den Bedarf eines mit zusätzlichem Personal besetzten Stützpunktes im Bad Kissinger Erweiterungsbereich des Biosphärenreservats hingewiesen". Das unterstütze auch die Verwaltungsstelle, aber: "Über Standorte und Ausstattung gibt es bisher keine konkreten Festlegungen."
"Wir sind uns schon mal einig, dass eine neue Umweltbildungseinrichtung in den Süden des Erweiterungsgebietes und damit in den Landkreis Bad Kissingen kommt", sagt Jürgen Metz, Leiter der Stabsstelle im Landratsamt. Bisher sei aber die Frage dringlicher gewesen, wie eine Sanierung des Info-Zentrums Oberbach finanziert werden kann. "Aber wir werden versuchen, im Jahr 2016 eine Entscheidung herbeizuführen", kündigt Metz an.
Die neue Einrichtung hätten natürlich gleich mehrere Bürgermeister gerne in ihrer Kommune: "Ich habe gleich nach meinem Amtsantritt 2014 eine Bewerbung ins Umweltministerium geschickt", berichtet der Hammelburger Bürgermeister Armin Warmuth (CSU). Das sei aber negativ beschieden worden. Seitdem habe er leider nichts mehr davon gehört, das Interesse besteht aber weiter: "Natürlich könnten wir uns das gut hier vorstellen."

"Die Umweltbildung ist eine staatliche Aufgabe", verweist Jürgen Metz vom Landkreis Bad Kissingen auf die Zuständigkeiten. Deshalb seien Fördersätze bis zu 90 Prozent für eine neue Umweltbildungseinrichtung möglich. "Der Klaushof war schon mal im Gespräch", nennt er einen möglichen Standort. Allerdings sei auch ein Ausbau in Oberbach denkbar: "Man könnte von dort aus das Ganze auch mit einer mobilen Lösung bespielen."


Noch Platz im Museum

Wichtig sei auf alle Fälle, die Bürger in der Region mitzunehmen und für die Erweiterung des Biosphärenreservats zu begeistern. Eher unwahrscheinlich sei ein Neubau: "Da ist eine Förderung sehr schwierig", berichtet Jürgen Metz, und: "Ein Bestandsgebäude wäre ja auch im Hinblick auf die Innenentwicklung sinnvoll."
Ein solches Gebäude hat der Markt Euerdorf in den vergangenen Jahren hergerichtet: Das ehemalige Forsthaus wurde zum Museum Terra Triassica für Erdgeschichte umgebaut. Einige Räume dort seien noch frei, zudem habe die Gemeinde sowieso in diesem Bereich Pläne, berichtet Bürgermeisterin Patrizia Schießer (CSU). Bauhof und Feuerwehrhaus seien ganz in der Nähe, da könnte sich Schießer gut eine Umweltbildungsstätte vorstellen, aber: "Unsere Bemühungen laufen immer wieder ins Leere." Die ersten Projekte mit Schulklassen gebe es zwar, aber bislang gehe die Gemeinde in Vorleistung und bekomme keine Förderung dafür. "Es fühlt sich einfach keiner zuständig", bedauert sie, dass nichts passiere.
Vorstellen könnte sich Schießer auch eine gemeinsame Bewerbung mit anderen Kommunen. Ihr Oberthulbaer Amtskollege Gotthard Schlereth (FW) hätte auch Interesse: Mit dem Wald- und Holztag sowie als Sitz der Forstbetriebsgemeinschaft gebe es Anknüpfungspunkte. Einen Wettbewerb unter den Kommunen will aber auch er nicht: "Da ist uns die Nachbarschaft wichtiger."

In Oberbach im Landkreis Bad Kissingen steht das Infozentrum "Haus der Schwarzen Berge", das der Verein Naturpark und Biosphärenreservat Rhön (NBR) und die "Tourismus GmbH Bayerische Rhön" gemeinsam nutzen. Dort gibt es sieben Vollzeit-Stellen.

In Oberelsbach im Landkreis Rhön-Grabfeld gibt es drei Einrichtungen: In der Bayerischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön, einer Außenstelle der Regierung von Unterfranken, sind 7,7 Vollzeit-Stellen angesiedelt. Der NBR hat insgesamt im Landkreis Rhön-Grabfeld 20 Stellen, unter anderem im Infozentrum "Haus der Langen Rhön" in Oberelsbach. Zudem betreut der NBR fachlich die Umweltbildungsstätte.

Am Schwarzen Moor betreibt der NBR die Info-Stelle.

Auf dem Kreuzberg unterhält die Tourismus GmbH Bayerische Rhön ein Info-Zentrum im Bruder-Franz-Haus.