Wenn Eva Kübert ein Buch lesen will, durchstöbert sie nicht die Regale einer Bibliothek. Ihre Bücherei kann sie bequem 24 Stunden, jeden Tag zu Hause erreichen. Mit einem Mausklick öffnet die begeisterte Leserin und Auszubildende der Stadtbibliothek Hammelburg die Seite des Online Portals "E-Medien Unterfranken", kurz "emu". Hier ist es Lesern möglich, sogenannte E-Books, also digitale Bücher, kostenlos auszuleihen. Durch eine gefilterte Suche kann sie unter 7214 E-Books auswählen. "Man muss sich nur zu Hause registrieren und wird dann durchgelenkt, bis man sein Buch gefunden hat. Dann muss man nur noch auf ,download' klicken - und fertig. Das ist also total einfach", erklärt Kübert. Das gewünschte Buch kann sie -sofern es niemand vor ihr ausgeliehen hat- sofort herunterladen.

Diese Medien, die durch einen besonderen Kopierschutz nicht vervielfältigt werden können, lassen sich am Laptop, Tablet, Handy oder E-Reader, einem speziellen Lesegerät für E-Books, lesen. Nach der selbst bestimmten Ausleihdauer von zwei, sieben, 14 oder 21 Tagen wird das Medium automatisch von diesem Gerät gelöscht. So muss sich niemand über verpasste Ausleihfristen ärgern.

Die einzige Voraussetzung dieser Online-Ausleihe ist die Mitgliedschaft in einer der 9 teilnehmenden Büchereien des Verbunds.


Die Online-Portale der Verbünde

Seit Juli 2013 ist die Stadtbibliothek Hammelburg Mitglied bei E-Medien Unterfranken. "Eigentlich wurde die Forderung nach E-Books von den Lesern an uns herangetragen", erklärt Bibliotheksleiterin Karin Wengerter. In Franken gibt es neben "emu" noch weitere Portale zur Online-Ausleihe von E-Books. So vereint "Onleihe Franken" 21 weitere Bibliotheken, "E-Ausleihe Franken" neun und "E-Medien Franken" 25. Diese bieten zusätzlich Zeitschriften und Magazine als E-Paper an. Auch E-Audios, also Hörspiele- und bücher, sowie E-Videos und E-Music können ausgeliehen werden.

Die Stadtbücherei Bad Kissingen ist seit Oktober 2013 eines der 25 Mitglieder des Verbunds "E-Medien Franken".

Die Stadtbücherei Münnerstadt möchte ab Herbst dem Verbund E-Medien Franken beitreten. Dies war bisher aus Kostengründen nicht möglich. Die Stadtbibliothek Hammelburg hat sich bewusst für einen kleinen Verbund wie "emu" entschieden. Wengerter spricht vor allem die technischen und organisatorischen Probleme der großen Verbünde an. Bücher sind beispielsweise schlechter verfügbar. Auch die Neubestellungen werden hier zentral bestimmt, "aber als kleine Bücherei hat man da wenig Einfluss", bedauert sie


Warum mit dem E-Reader lesen?

"Auch wenn ich schon lieber gedruckte Bücher lese, sind E-Books sehr praktisch. Vor allem weil ich oft mit dem Zug unterwegs bin", erklärt Eva Kübert. "Auch für Sehbehindert ist das natürlich eine super Sache", damit spricht die Bibliotheksleiterin Wengerter vor allem die Möglichkeit an bei E-Reader Schriftgröße und Helligkeit individuell anzupassen. Wer E-Books liest, kann sich viele Bücher ausleihen, ohne schwer zu schleppen. Das ist vor allem für den Urlaub praktisch. Diese Geräte sind mittlerweile ab 40 Euro zu kaufen und können in der Stadtbibliothek Hammelburg für zwei Wochen probeweise ausgeliehen werden.


Zukunft der analogen Bücherei

Einen Rückgang der Büchereibesucher stellt Wengerter aber nicht fest. "E-Book-Leser sind Vielleser," bemerkt die Bibliotheksleiterin. Viele, die das Portal nutzen, leihen deshalb auch zusätzlich Bücher aus. Andere kommen nur, um sich die Büchereikarte zu holen als Voraussetzung zur E-Book-Ausleihe. "Bücher wird es immer geben." So lautet das bisherige Fazit von Karin Wengerter. "Ich glaube aber, dass die Büchereien ihr Konzept ändern müssen", sagt sie weiter. Büchereien verstehen sich heute als Kulturzentren mit Veranstaltungen und Bildungsprojekten. "Das Leseverhalten ändert sich und da muss man einfach mitmachen, um als Bücherei attraktiv zu bleiben", fasst die Bibliotheksleiterin die Entwicklungen in der E-Medienbranche zusammen. Weiter resümiert sie: "Also ich habe das nicht bereut, dass wir das gemacht haben". So ist die Digitalisierung auch beim Bücherlesen und -ausleihen in unseren regionalen Bibliotheken angekommen.

Die Zahlen der ausgeliehenen Medien zeigen einen steigenden Trend der Online-Ausleihe. Während im Juli 2013 nur 969 Medien in den Bibliotheken des Portals emu ausgeliehen wurden, ist die Zahl im August 2016 auf 3990 Medien angestiegen. Onlinemedien werden zudem öfter ausgeliehen. Ein E-Book wird Durchschnitt 4,7 Mal im Jahr, ein Printmedium dreimal im Jahr ausgeliehen.
Der Trend muss unter Vorbehalt betrachtet werden. Es werden hauptsächlich Romane gelesen von Frauen zwischen 35 und 60 Jahren. Diese Lesergruppe ist auch bei Printmedien am stärksten vertreten, repräsentiert aber nicht alle Lesergruppen. Aufgrund der geringen Nachfrage werden zum Beispiel wenige Sachbücher angeboten. Kinderbücher "zum Downloaden" gibt es erst seit eineinhalb Jahren.


Auswirkung auf die Bibliotheken

"Die Bibliotheken gewinnen dadurch neue Zielgruppen. Das sind Leser, die zu den normalen Öffnungszeiten nicht kommen können", freut sich Karin Wengerter. Auch lange Anfahrtszeiten veranlassen immer mehr Menschen sich ihren Lesestoff online zu beschaffen. Am Beispiel Reiseführer zeigt sich ein weiterer Vorteil: "Reiseführer werden lieber als E-Book ausgeliehen, da man so Gepäck sparen kann", erklärt Wengerter. Die Bücherei muss diese nicht als Printmedium kaufen und kann aktuelle Exemplare anbieten.
Trotz allem ärgern sich die teilnehmenden Bibliotheken über die wenig fortschrittliche Einstellung der Verlage. Vor allem Bestseller werden an die Onlineportale oft nicht verkauft und können deshalb von den Lesern nicht ausgeliehen werden. Ein Grund hierfür ist die Angst davor, dass die digitalen Exemplare trotz Kopierschutz unendlich vervielfacht werden könnten. Außerdem werden E-Books öfter ausgeliehen als Printmedien. Deshalb können die Verlage ihre Bücher nicht so oft an die Büchereiverbunde und deren Online-Portale verkaufen.