Seit rund einem Jahr werden hier Aktive und Interessierte mit Vorträgen, Workshops und Expertengesprächen unterstützt. Stellvertretende Landrätin Magdalena Dünisch sieht, dass der demographische Wandel auch das Ehrenamt schwerer macht. Dennoch seien immer noch viele bereit, sich ehrenamtlich zu engagieren. Sie lebten "zufriedener und gesünder."

Back: Entlastung für Kommunen

Bad Bocklets Bürgermeister Wolfgang Back wies darauf hin, dass ehrenamtliches Engagement die Kommune entlaste. Im Markt Bad Bocklet gebe es 64 Vereine, die unter anderem in der Jugend- und Seniorenarbeit hervorragende Arbeit leisteten. "Wir lassen den Vereinen völlig freie Hand", was sehr wichtig sei, damit sie ihre Ideen umsetzen könnten, so Wolfgang Back.

Georg Schulz-Hertlein von der Fachstelle generationen freundlicher Landkreis, stellte das "Projekt Bürgerengagement" genauer vor. Auf vier Regionalforen in Hammelburg, Bad Kissingen, Bad Brückenau und Münnerstadt wirkten 250 Bürger/-innen mit. Die Erkenntnis daraus: Bürokratische Hürden und Rechtsvorschriften machten das Ehrenamt schwieriger. Der Gesetzgeber müsse Regeln ändern, forderte er.

Soziale Ansätze stärken

Auch müssten zuständige Stellen vermehrt Unterstützung bei rechtlichen Fragen geben. Besonders die sozialen Ansätze des Bürgerengagements gelte es zu verstärken, etwa wenn es um Nachbarschaftshilfe geht. Die Verwaltung sei gefordert, ehrenamtlichen Tätigkeiten mehr zu koordinieren und zu unterstützen. Auf Ortsebene müsse man in mehr gemeinsamen Projekten zusammenarbeiten.

Der Aufbau einer Ehrenamtsbörse soll Überblick verschaffen. Eine solche Servicestelle Bürgerengagement könne Nachbarschaftshilfen und Bürgerhilfen bis hin zu Generationenhilfen vermitteln. Ein Modellprojekt ab September 2013 werde das "Generationen Netz", eine Selbsthilfegemeinschaft für Alt und Jung. Vor Ort und im Landratsamt sollen ferner Anlaufstellen für Ehrenamtliche eingerichtet werden, denn: "Viel Bürgerpotential ist noch ungenutzt." Viele wollten sich nicht dauerhaft, sondern nur ab und an einbringen. "Die gilt es ausfindig zu machen und einzubinden", forderte Schulz-Hertlein.

Prof. Dr. Paul-Stefan Roß (Institut für angewandte Sozialwissenschaften am Zentrum für kooperative Forschung, DHBW Stuttgart) beschäftigte sich aus wissenschaftlicher Sicht mit Bürgerengagement und demografischen Herausforderungen in ländlichen Strukturen.Bürgerschaftliches Engagement sieht er nicht als Allheilmittel zur Bewältigung der Folgen des demographischen Wandels. Aber eine akzeptable Bewältigung der Folgen des demographischen Wandels werde ohne Bürgerengagement nicht möglich sein.

Mit Zuversicht erfüllen ihn seine Studien, wonach die Engagementquote bei Älteren steige, weil sie oft bis ins hohe Alter gesund und fit seien. Aufgrund einer wachsenden "Gesellschaft der Vielfalt" werde es viele "Engagement-Kulturen" geben. Für eine zukunftsfähige Gemeinde sei bürgerschaftliches Engagement Voraussetzung, orientiert am Leitbild der "Bürgerkommunen". Bürgerschaftliches Engagement müsse als Ausdruck bürgerschaftlichen Gestaltungswillens begriffen werden und nicht als "Störfaktor", denn: "Bürger sind bereit mitzumachen, aber sie wollen auch mitbestimmen."

Ehrenamtliche nicht allein lassen

Sie seien bereit, Verantwortung zu übernehmen, aber sie wollen damit nicht allein gelassen werden oder Lückenbüßer sein, sondern erwarten, dass (...) Kommunen, Unternehmen und Organisationen mit von der Partie sind, so Roß. Qualifizierungsangebote, eine Kultur der Anerkennung und die finanzielle Förderung seien unerlässlich.

Nach den Vorträgen konnten sich die Teilnehmer der Fachtagung in sechs Fachforen individuell informieren.