Aber: "Wer sind die versteckten Engel eigentlich?", brachte es die neunjährige Helena auf den Punkt. Die 20 Nüdlinger Kinder, die am 12. April 2015 erstmals zum Tisch des Herrn gingen, brachten den stattlichen Betrag von 250 Euro zusammen. Das Geld überreichten sie jetzt persönlich an die 2. Vorsitzende der Kissinger Tafel, Angela Kahle. Die Kissingerin, die sich bereits seit Gründung der Tafel 2004 hier ehrenamtlich engagiert, informierte die Kinder und ihre Eltern ausführlich über die Arbeit der Tafel, die jede Woche mittwochs und samstags insgesamt rund 170 Haushalte aus dem Landkreis unterstützt. Dabei handele es sich meist um Familien, denen die Arbeitslosenhilfe nicht ausreicht, oder Rentner, erläuterte Kahle.

Der Bedarf der Einrichtung ist gestiegen, nicht nur durch die Flüchtlinge, die seit Oktober ebenfalls die Tafel besuchen. Kühlräume, Fahrzeug und Lager sind größer geworden. "Insgesamt 50 freiwillige Helfer arbeiten hier im Wechsel, fahren fast täglich Lebensmittelmärkte und Bäcker in der Umgebung an, holen Ware ab und sortieren sie aus", beschreibt Angela Kahle die Arbeit der Tafel, die bereits "einem kleinen Unternehmen gleicht."

Dem eigenen Urteil trauen

Dass die Tafeln untereinander eng zusammen arbeiten zeigt das Lager, in dem die Kinder über zahlreiche Päckchen Cornflakes und andere haltbare Lebensmittel staunen. Von der Schweinfurter Tafel aus wird das Netz aus Tafeln koordiniert. "Manchmal bekommen wir palettenweise Joghurt, nur weil bei der Endkontrolle des Joghurts eventuell der Fettgehalt, der drauf steht, nicht genau eingehalten wurde", sagt Kahle. Und auch wenn das Datum abgelaufen sei, seien die meisten Sachen noch essbar. "Einfach aufmachen und probieren", empfiehlt sie den Kindern und Eltern, sich wieder mehr auf ihr eigenes Urteilsvermögen zu verlassen.

Und die versteckten Engel? Das ist ein Projekt der Kissinger Tafel, das unkompliziert Bedürftigen hilft. "Wenn im September Kinder in die Schule kommen, deren Eltern sich keine Büchertasche, Mäppchen und Turnbeutel leisten können, dann bekommen sie die von uns," erläutert Angela Kahle. Oder wenn mal ein Mäppchen zerfetzt sei oder ein Baby Spezialnahrung brauche und der Antrag zwei Monate dauert, bis er genehmigt wird, "dann springen wir ganz unbürokratisch ein und zahlen einen Anteil". Um zu wissen, wo Hilfe nötig ist, arbeiten die Versteckten Engel eng mit Lehrern zusammen. Bezahlt wird bei größeren Sachen nie alles, einen Teil müssen die Eltern selbst bezahlen, und es würden auch immer erst alle anderen Möglichkeiten wie Ämterzuschuss oder Elternbeirat bzw. Fördervereine genutzt, bevor die Versteckten Engel einspringen. Das fanden die Nüdlinger Kinder toll und so gaben sie ihre Spende von 250 Euro gerne für die unbürokratische Hilfe her.