Max Graf Coudenhove, geboren in Wien, am 17. Dezember 1865, gestorben in Bad Kissingen, am 3. Juli 1928, war Kaiserlicher Wirklicher Geheimer Rat und Kämmerer beim Verwaltungsgericht in Wien und hat nun, 87 Jahre nach seinem Tod, wieder eine saubere Grabfläche. Allein die Steine, die die Fläche säumen sind noch nach außen gewölbt vom Efeu, der dort Jahrzehnte lang wucherte.

Werner Eberth steht neben dem Grab, eine Schirm in der Hand, es nieselt. Zu siebt sind sie, einmal im Monat treffen sie sich und säubern die Gräber auf dem Kappellenfriedhof. Werner Eberth, ehemaliger Kreiskulturreferent der Stadt und Hobby-Historiker hat die Treffen initiiert.

Ein paar Meter weiter rechts von Max Graf Coudehoves steht der Patenbaum von Werner Eberth, der Baum säumt das Grab von Conrad Morandells. Es ist kein Zufall, dass Eberth sich dieses Grab ausgesucht hat, Morandell war Kreisbaumeister und vereint quasi in einer Person, was Eberth sein Leben lang begleitet hat: Geschichte, Kultur und Handwerk.

Geboren am 19. Dezember 1935 in Augsburg, Abitur und Jura-Studium in Würzburg, danach innere Verwaltung. Er war bei der Regierung in Unterfranken und als Regierungsrat im Landratsamt in Alzenau. 1970 kam er ans Landratsamt in Bad Kissingen, zwei Jahre später, war er als Staatsbeauftragter für die Zusammenführung der drei Landkreise Bad Kissingen, Hammelburg und Bad Brückenau verantwortlich.

Für die Freien Wähler war er von 1978 bis 1996 im Bad Kissinger Stadtrat, er war Stadtheimatpfleger und ehrenamtlicher Kreiskulturreferent.

Sein größter Flop, wie er es heute bezeichnet, liegt jedoch noch gar nicht all zu lange zurück. Ein Buch über die Geschichte des Kurtheaters in Kissingen. Gut 100 Exemplare hat er gedruckt, die Resonanz war enttäuschend. "Ich hätte nicht gedacht, dass das Kurtheater so wenige interessiert - dabei sind doch jedes Jahr so viele Besucher dort." Den zweiten Band wird er wohl nicht mehr herausbringen, obwohl er druckfertig auf seinem Rechner liegt. Ebenfalls fast druckfertig liegen dort 150 Seiten über den Krieg 1866 - das Vorwort fehlt noch, er schreibt im Auftrag des Landkreises, es wird eines seiner letzten Bücher sein. "Irgendwann muss man ja auch mal aufhören."

Am heutigen Samstag, 19. Dezember, feiert Eberth seinen 80. Geburtstag. Im kleinsten Rahmen, seine Frau hat eine Schulterverletzung. Aber, wie sagt man so schön, schließt sich eine Tür, öffnet sich eine andere, im Fall von Werner Eberth ist es die Tür eines Gasthofs. Pünktlich zu seinem Geburtstag wird in Arnshausen der ehemalige Gasthof Körner wieder eröffnen. Eberth hat einen Tisch reserviert.