Eigentlich haben Vater und Sohn Wolfgang und Florian Dauner schon seit Flos Kindheit zusammen musiziert, der Jüngere hat auch schon bei der legendären Formation des Älteren, dem United Jazz and Rock Ensemble mitgespielt, doch ist er heute ein völlig eigenständiger Pop-Musiker mit Auftritten bei bedeutenden Festivals der Welt oder als Drummer bei der Hip-Hop-Band "Die Fantastischen Vier". Vorletztes Jahr, zwei Jahre vor dem 80. des Vaters, haben die Beiden, die sich künstlerisch in völlig unterschiedliche Richtungen bewegt haben, eine gemeinsame CD eingespielt, "Dauner & Dauner". Im Wesentlichen stellten sie sieben der dort aufgenommen zehn Titel bei ihrem Konzert im Rossini-Saal vor.

Das Kommen hatte sich gelohnt: Was der alte Dauner aus den Tasten zauberte, war vom Feinsten: irre Läufe, raffinierte Akkordfolgen, gewitztes Spiel im Wechsel zwischen Legato-Passagen und synkopischer Kleinarbeit. Und der junge Dauner lieferte dazu einen rhythmischen Unterbau, der fantasievoll spielte mit den Einfällen, die vom Piano kamen, Strukturen heraushob, den Drive forcierte, seinen Hip-Hop-Groove durchklingen ließ.

Aus verschiedenen Richtungen

Und so haben es diese beiden Musik-Generationen geschafft, aus ihren verschiedenen Ansätzen gemeinsam packende Musik zu machen und man realisierte bald nur noch angesichts der generationentypischen Kleidung, aus welch verschiedenen Ecken sie kommen.

Aber was die Beiden zusammen machten, war vom Feinsten. Schon die ersten Nummern, "2012+1" und "Raga Yagapriya" zeigten ihre Bandbreite. Während "2012+1", das seinen Titel von der langen Zeit hat, die es brauchte, die Tourneepläne der beiden Herren so zu koordinieren, dass 2013 dann die CD entstehen konnte, fast zum klassischen Swing tendierte, ist die "Raga" eine Hommage an heutige Weltmusik und eine Erinnerung an alte psychedelische Zeiten. Nur dass all die notwendigen elektronisch produzierten Effekte heutzutage von einem unscheinbaren Laptop kommen, den Wolfgang Dauner über der Tastatur bedient. In "Hypnos" und "Echos Stimme" spielen die beiden echten Musiker zu einem Background einer elektronischen Bläsermelodie, diese leise und feinfühlig mit kleinen Verzierungen auf Piano und Drum kommentierend, bevor sie gegen Ende dieser sehr meditativen und eindrücklichen Einspielung wieder das Heft in die Hand nehmen.

Wenn ein junger Hund losstürmt

Wenn man im Hause Dauner fragt, "Who let the dog out?", einer gemeinsamen Komposition von Vater und Sohn, dann versuchen die beiden mit ihren Instrumenten und Computer-Verstärkung auszudrücken, wie sich ein lebhafter Hund bewegt, wenn man ihn loslässt. Flirrende elektronische Klänge mischen sich unter die Trommelwirbel, sodass man das Klavier kaum noch hört. Und noch eins drauf in Sachen Hunde setzte Flo Dauners Komposition über "Mr. Minky", in der er die Kapriolen eben dieses Hundes in unfasslicher Geschwindigkeit rhythmisch witzig und mitreißend gestaltete.

Ruhiges, delikates Spiel

Nach der Pause konnten die Dauners im langsamen, meditativen "Wendekreis des Steinbocks" ihre Fähigkeiten im ruhigen, delikaten Tastenspiel und zarten Schlägen auf das Becken unter Beweis stellen. Ruppiger und lauter ging es in "Elf Notizen" zu; hier zeigte Vater Dauner, wie man sowohl rhythmisch als auch harmonisch absolut souverän die erstaunlichsten musikalischen Effekte aus einem Konzertflügel herausholen kann, auch ohne elektronische Schützenhilfe. Besonders deutlich wurde das beim einzigen Standard, Richard Rogers Ballade "My Funny Valentine", das Dauner Senior mit göttlich streichelndem Anschlag, ständigem Figurenwechsel duftig, raffiniert und spannend interpretierte. Und seine pianistischen Zauberkunststückchen zeigte er auch bei der Schlussnummer "Trans Tanz", als er mit Ravel begann und einfalls- und variantenreich Klangfärbungen auslotete und die eindringliche Basslinie unter all dem Gezaubere in der rechten Hand durchhielt. Am Schluss übergab er das Ganze an Flo, der bisher eher begleitet hatte, aber dann das Programm mit einem furiosen Solo-Finale beendete.