Florian Graeber reiht sich in die Schlange ein, die sich vor der Liste "Fahrdienste" gebildet hat. Als er an der Reihe ist, trägt er Name, Telefon, Handynummer und Mailadresse ein. Wie die Anderen vor ihm gibt er für die gute Sache seine persönlichen Daten preis. Der Familienvater ist bereit, einen Teil seiner Freizeit zu opfern, um Fahrdienste für die Flüchtlinge zu leisten: "Ich will Menschen helfen, denen es nicht so gut geht wie uns" sagt er.
Thomas Stadler, Kreisgeschäftsführer des Bayrischen Roten Kreuzes, organisiert noch Stühle aus Nebenzimmern. "Mit fast 150 Bürgerinnen und Bürgern konnte man nicht rechnen", meint er entschuldigend und dankt allen, die gekommen sind um sich zu informieren und zu helfen.


Ureigenste Aufgabe

Das Rote Kreuz hat die "Initiative zur Gründung eines Helferkreises" für die Notunterkunft Röntgenstraße in die Hand genommen, um den Träger der Einrichtung, das Landratsamt Bad Kissingen, zu unterstützen. "Es gehört zu unseren ureigensten Aufgaben, zu helfen, und wir können mit unserer Organisation und unserem Know-how die ehrenamtlichen Helfer wirkungsvoll unterstützen", beschrieb der BRK Chef die Situation.

Klaus Plescher vom Ordnungsamt des Landratsamtes ist angetan von der Hilfsbereitschaft: "Wir freuen uns sehr, dass Sie da sind. Ohne die überwältigende Hilfsbereitschaft der Bevölkerung, wären wir überfordert", sagt der verantwortliche Leiter der Flüchtlingseinrichtung. Die Unterkunft in der Röntgenstraße eigne sich hervorragend für die Erstaufnahme, bestätigt Plescher. Zimmer, Sanitär- und Sozialräume seien eingerichtet, die Heizung funktioniere. "Derzeit sind 219 Personen - fast alle aus Syrien - menschenwürdig untergebracht, ein geregeltes Sozialleben ist möglich."

Die ankommenden Flüchtlinge sollen nicht länger als sechs Wochen in der Notunterkunft bleiben, und es konnten schon einige Familie in dezentrale Heime eingegliedert werden. Es ist damit zu rechnen, dass die Unterkunft länger bestehen bleiben wird. "Wir werden auch einige als Sozialräume geplante Zimmer noch in Wohnraum umwandeln müssen, um die Kapazität auf 300 Personen erhöhen zu können" bedauerte Plescher.


Eigenverantwortliche Strukturen

Robert Weber beschrieb dann die möglichen Aufgaben des Helferkreises. "Es wäre schön, wenn wir eigenverantwortliche Strukturen aufbauen könnten", hofft der Leiter der Servicestelle Ehrenamt des BRK. Als ersten Schritt dazu hat er vier Stationen mit Listen aufgebaut, in die sich die Interessenten eintragen konnten. Für die Ausgabe von Baby- und Kinderbedarf hofft Weber auf zwei bis vier Personen, die im Wechsel täglich 90 Minuten Zeit für die 40 Kinder mitbringen können. Für die Medizinische Unterstützung haben sich bereits einige Ärzte zur Verfügung gestellt. "Diese Hilfe wird nach Abruf gebraucht. Mit ca. 2 Stunden pro Einsatz muss gerechnet werden", so Weber.

"Der Fahrdienst ist für Behördengänge und zum Einkaufen vorgesehen und nach Eintrag in die Ehrenamtsliste über das BRK auch versichert", erklärt Weber auf die Frage eines Helfers. "Sonstiges" beschreibt alles was darüber hinaus geleistet werden kann. Wäscheservice, Spielplatzbesuche, Bastelnachmittage, oder Angebote von Sportvereinen und Organisationen.


Separate Einladung

"Heute sammeln wir Namen. in den nächsten Tagen werden wir die einzelnen Kreise separat einladen, um das alles zu organisieren", fährt Weber fort. Und: "Wenn Sie uns spontan helfen wollen, kommen sie einfach zu uns." Im Kramladen am Steingraben lagern Unmengen von Kleidern und Spielsachen für die Flüchtlinge, die zu sortieren sind.

Ursula Löhner und Wally Kraus haben sich in die Liste für die Kinderbetreuung eingetragen und noch einige Bekannte darauf entdeckt. Sie freuen sich auf Begegnungen mit den Kindern aus anderen Kulturen. "Die Kleinen können ja nun gar nichts dazu" ist zu hören. Dass in sozialen Medien und an Stammtischen auch andere Töne zu hören sind, sei schade. "Von der Veranstaltung am Steingraben ging jedenfalls eine Woge der Hilfsbereitschaft aus", stellte Robert Weber zum Abschluss fest, und Florian Graeber fügt hinzu: "In ein paar Tagen wird man sich treffen um abzusprechen, wie man das am besten organisiert. Ich bin dabei."