Mit einem kleinen Zettel fing alles an. Den heftete Johannes Full 2009 an die Tür der Oberen Mühle, die auch als Neugebauers Kunstmühle bekannt ist. Auf dem Papier standen seine Telefonnummer und der Hinweis: Sollte der Eigentümer Interesse haben, das Anwesen zu verkaufen, könne er sich bei ihm melden. "Dabei war ich ursprünglich an der Borstmühle dran", erklärt der 59-jährige Allgemeinmediziner.

Dieses Anwesen befindet sich etwas weiter oben im Aschachtal, an der Abzweigung nach Frauenroth. Aber die Verhandlungen scheiterten. Seinen Traum, selbst Mühlenbesitzer zu sein, wollte der Arzt, der in Werneck praktiziert, deshalb nicht aufgeben. "Ich wusste, dass es hier in der Gegend etliche Mühlen gibt", sagt er. Irgendwann wird sich schon etwas Passendes finden, war er überzeugt.


Anruf nach fast vier Jahren

Doch lange Zeit tat sich nichts. Bis sich schließlich 2013 der Eigentümer der Oberen Mühle bei ihm meldete. Wenige Monate nach dem Anruf unterzeichnete Full den Kaufvertrag und startete 2014 mit dem Umbau. Mittlerweile sind drei Jahre vergangen. Die alte Aschacher Kunstmühle hat sich während dieser Zeit in ein echtes Schmuckstück verwandelt, nicht nur äußerlich.

Im Erdgeschoss richtete sich Full eine kleine Wohnung ein, in der er an seinen praxisfreien Tagen, von Mittwoch bis Freitag, lebt. Bei der Sanierung mixte er die vorhandene, historische Baustruktur mit neuen, modernen Elementen, setzte ganz bewusst Akzente. So legte er beispielsweise im Wohnzimmer einen Teil des alten Mauerwerks des ehemaligen Mühlenspeichers frei. "Hier sieht man noch die eingebaute Wassersperre", erklärt er. An anderer Stelle ziehen freigelegte Balken, alte Türrahmen und allerhand kleine Details die Blicke auf sich. Ebenso die Fenster. Insgesamt 66 gibt es in dem Haus. Jedes hat eigene Maße und wurde somit einzeln angefertigt.


Noch etwa sechs Jahre Bauzeit

Doch auch gewisse Extras gönnte sich Full beim Umbau. So ließ er beispielsweise als Fußboden Muschelkalk-Steine einbauen. "Viele haben gesagt, ich bin verrückt", erzählt er. Doch für ihn sind die arbeitsintensiven Tage an und in der Mühle ein willkommener Ausgleich zu seinem Alltag als Allgemeinarzt.

"Ich habe in der Vergangenheit viel gearbeitet und Geld verdient, das ich nun hier in der Mühle anlege", sagt er. Alles in allem rechnet Full damit, dass er noch etwa sechs Jahre zu tun hat, bis das Anwesen komplett saniert ist. "Rund 40 Prozent aller Arbeiten erbringe ich in Eigenleistung", fügt er hinzu. Das geht aber nur, weil er handwerklich begabt und voller kreativer Ideen ist. Da werden alte Dachziegel zu Lampen oder Firstziegel zu Ecken.

Mehr als nur einen sechsstelligen Betrag wird er schätzungsweise in die Sanierung des Anwesens investieren. Eine stattliche Summe, die nicht nur in das Wohnhaus fließt. Denn zu der Mühle, die 1244 errichtet wurde, gehört noch ein riesiges Grundstück. Durch dieses verlaufen der Bach Aschach und der Mühlgraben, der früher das Mühlrad bewegte.

"1926 wurde eine Turbine eingebaut. Bis in die 1980er-Jahre wurde die Mühle betrieben", weiß der Mühlenfan. Sein Interesse für diese außergewöhnlichen Bauwerke entdeckte er bei einer Reise in den Vinschgau, eine Region Südtirols. Seither hat ihn das Thema nicht mehr losgelassen. "Ich habe viel gelesen und mich informiert", erklärt er.


Zwei Wehre und einen Fischpass

Dieses Wissen konnte er nun bei der Sanierung des Mühlengeländes anwenden und auch erweitern. Dennoch holte sich der Arzt die fachkundige Unterstützung eines Wasserbau-Ingenieurs. Damit seine neue Wehranlage nicht nur genehmigt wird, sondern auch in Betrieb gehen kann.

Zwei Wehre hat Full errichtet: ein Stauwehr für den Mühlgraben und eine Grundablassschleuse. "Rund 400 Tonnen Beton und Steine haben wir hier verbaut", berichtet er nicht ohne Stolz. Vom Radwanderweg, der von der Borstmühle nach Aschach führt, ist diese Anlage gut sichtbar, ebenso die Fischtreppe.


Blickfang

"Damit die ökologische Durchgängigkeit der Aschach gewährleistet ist", zitiert er aus den Auflagen, die mit der Baugenehmigung verbunden waren. Nicht nur die imposanten Bauwerke ziehen die Blicke der vorbeikommenden Wanderer auf sich, auch die Kunstwerke und Installationen im Grünen. Demnächst kommt noch ein neues Mühlrad hinzu.