Sich zurücklehnen und amüsieren, das genossen die Besucher der beiden Vorstellungen der Theatergruppe "Vorhang auf" in der jeweils voll besetzten Turnhalle. Mit dem Dreiakter "Wellness mit Nebenwirkungen" gelang den Akteuren unter der Regie von Holger Zwirlein ein Volltreffer, den die Gäste mit herzlichem und lang anhaltendem Applaus belohnten.
Zum dritten Mal im Zweijahresrhythmus präsentierte die Laienspielgruppe ein Lustspiel, dessen Erlös jeweils der Aktion Kindergarten zufließt. Die Einrichtung kann jede Unterstützung gebrauchen, wie Kindergartenleiterin Daniela Koch am Ende der Vorstellungen betonte. "Wir engagieren uns gerne für den guten Zweck", erwiderte Holger Zwirlein, selbst viele Jahre Vorsitzender des Trägervereins und auch diesmal nicht nur Mitspieler, sondern Regisseur.


Stolz auf die Truppe

"Seit April probten wir zunächst im Kindergarten. Nach dem Einlesen studierten wir einzelne Szenen und schließlich Akt für Akt ein. Schwierig war es, für Alle passende Termine zu finden. Nur sieben Mal waren wir vollzählig. Auf der Bühne in der Turnhalle konnten wir nur zweimal proben. Trotzdem klappte bestens. Ich bin stolz auf meine Truppe", so Zwirlein nach dem Auftaktabend.
Eine besondere Herausforderung war das Bühnenbild, wie Zwirlein anfügte. Statt eines üblichen Wohnzimmers musste ein modernes Hotel geschaffen werden. "Wir sind sehr dankbar, dass uns das Einrichtungshaus Angermüller die Möbel, Fensterbau Schuler eine Terrassentür und Holzdesign Plescher bei den Kulissen kostenlos unterstützten. Ebenso halfen uns die örtlichen Vereine in Sachen Ton- und Lichttechnik", sagte der Regisseur.
Die Komödie spielt in einem Wellnesshotel, in dem die befreundeten Ehepaare Eva und Hugo Haberstich (Ulrike Breuter und Holger Zwirlein) sowie Monika und Kurt Kleiner (Gudrun Schaller und Christian Daller) ein Wochenende verbringen. Die Frauen schwärmen vom jungen Masseur Pascal Stark (Sebastian Dees) "mit seinen magischen Händen, die neues Leben schenken". Die Männer suchen Abenteuer im nahen Nachtclub, wo sie die Tänzerinnen bewundern und gar einen BH ins Hotel mitbringen. Wo verstecken und wozu?


Knifflige Situationen

Einfallsreichtum ist gefragt. Ständig taucht das junge, attraktive Zimmermädchen Sonja (Nora Sebert) auf und nützt auf ihre Weise die knifflige Situation aus. Kräftige Rüffel aber erhält sie von der resoluten Hausdame Frau Schrubbmeier (Monika Rettke), die über Sauberkeit und Ordnung wacht, damit sich alle Gäste wohlfühlen können. Während die Frauen vom Abendessen schwärmen, sind die Männer total unzufrieden von "Portionen für den hohlen Zahn" und "Billigfleisch als Abzocke". So kann der Abend nicht enden.


Frustrierte Frauen

Die Frauen zieht es in die Hotelbar: Lieber einen Sekt zu viel als einen zu wenig. Die Männer gehen mit dem Masseur auf Kneipentour. Total betrunken kehren sie zurück und fallen in das Doppelbett, um ihren Rausch auszuschlafen. Zu allem Unglück taucht vom Nachtclub Türsteher Mike (Christian Burigk), Liebhaber des Zimmermädchens, auf, um das "Mitbringsel" sicher zu stellen. Bald kehren die Frauen zurück. Bei Monika nimmt mit "O, diese Männer" die Enttäuschung mehr und mehr zu, während Eva ergänzt: "Ernsthaft mit uns beschäftigen sich nur die Gynäkologen, und das gegen Geld."
Die Ereignisse überstürzen sich. Das "Corpus delicti" wird gefunden. Türsteher Mike wandelt sich in einen spanischen Torero, um den BH zu erkämpfen. Die beiden Ehemänner - langsam wieder nüchtern - schlüpfen in Frauenkostüme, um der Strafe ihrer Frauen zu entgehen. Das riesige Chaos mündet - wie sollte es auch anders sein - in ein Happy End, um all den Ärger zu verzeihen und die neue Bande zwischen Zimmermädchen und Masseur zu feiern.
Benedikt Kessler führte durch den Abend. Zusammen mit seinem Bruder Andreas sowie Tobias Kessler betreute er die Technik, die perfekt funktionierte. Als Souffleuse stand Maria Wahler bereit. "Alle beherrschten ihren Text perfekt. Das intensive Lernen und Proben hat sich gelohnt. Ich musste kaum helfen", fasste sie als "Lebensversicherung" zusammen.
Auf die Frage nach einem neuen Theaterstück in zwei Jahren hielt sich Holger Zwirlein zurück: "Da ist noch lange hin. Jedenfalls hat es diesmal wieder riesigen Spaß gemacht, mit der Gruppe zu üben und aufzutreten. Kommt Zeit, kommt Rat."