Drei Tage vor Weihnachten spielte Finanzminister Markus Söder Christkind in Bad Kissingen: Bei einer kurzfristig einberaumten Pressekonferenz ging er auf die - zum Teil bereits laufenden - Investitionen des Freistaats von 70 Millionen Euro in der Stadt ein und kündigte an, dass das Kurhaushotel neu ausgeschrieben wird und ab Mitte 2016 Neumann-Flügel und Kurhausbad auf den Einzug des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) vorbereitete werden. Doch die Auslieferung der Weihnachtsgeschenke steht noch aus: Niemand legt sich fest, wann die neue Ausschreibung kommt, konkrete Infos zu den Bauarbeiten fließen aus München auch eher spärlich.


"Noch im Abstimmungsprozess"

"Die Ausschreibung für das Kurhaushotel befindet sich noch im Abstimmungsprozess, unter anderem mit der Stadt Bad Kissingen", antwortet ein Sprecher des Finanzminsteriums auf eine Anfrage der Redaktion. "Natürlich sind wir ungeduldig, aber eine gute Ausschreibung liegt im Interesse aller Beteiligten, wir, die Stadt, haben unsere Aufgaben erledigt", reagiert Thomas Hack von der Stadt Bad Kissingen auf diese Aussage. Herr des Verfahrens sei das Bayerische Finanzministerium. "Da umfangreiche rechtliche und technische Fragen zu klären sind, ist es klar, dass dies einige Zeit in Anspruch nimmt", sagt Hack. Die Stadt stehe in ständigem Austausch mit München.


Richtig und attraktiv statt schnell

"Natürlich wünsche ich mir, wie alle Kissinger und Kissingerinnen, eine baldige Ausschreibung, damit schnell ein Investor gefunden wird", sagt Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD). Es sei aber klar, dass die Schnelligkeit nicht zu Lasten der Richtigkeit einerseits und der möglichst attraktiven Darstellung andererseits gehen darf. "Beides ist in Betracht der sehr komplizierten Flächenberechnungen nicht einfach. Ich bin sicher, die Ausschreibung wird kurzfristig auf den Weg gebracht werden", erklärt der OB. Keinen Kommentar zum Verfahren gibt Kurdirektor Frank Oette ab, nur so viel: "Wir hoffen auf eine zügige Lösung, weil wir das Hotel und die Betten-Kapazität brauchen."


LGL kommt ohne Anbau aus

"Zu den Arbeiten für die Ansiedlung der LGL laufen aktuell die Planungen", heißt es zum anderen großen Projekt des Freistaates auf dem gleichen Grundstück. In den vergangenen Wochen gab es immer wieder Leben auf dem 10 000 Quadratmeter großen Gelände in der Stadtmitte: Mal stand ein Nivelliergerät zum Vermessen dort, mal legte ein Bagger Fundamente frei. "Zurzeit finden Untersuchungen der tragenden Bauteile, insbesondere der Fundamente, und Schadstoffuntersuchungen statt", heißt es auf mehrfache Nachfrage dazu aus München, und: "Denkmalpflegerisch bedeutsame Funde waren nicht zu verzeichnen." Immerhin ein konkretes Ergebnis gibt es: "Das LGL kann in Kurhausbad und Neumannflügel vollständig untergebracht werden. Ein Anbau ist nicht erforderlich." Veranschlagt ist die Sanierung auf 27 Millionen Euro.
Welche Fläche die LGL nutzen wird, ob genau 100 Mitarbeiter kommen oder sogar 100 Vollzeit-Stellen geplant sind, die auf mehr Angestellte verteilt werden könnten, das sind alles offene Fragen. Weder Finanzministerium, noch LGL legen sich hier fest. Auch Nachfragen zur Planung laufen ins Leere, weil nicht - wie beim benachbarten Luitpoldbad - das Staatliche Bauamt Schweinfurt, sondern ein privates Büro die Projektleitung für die staatliche Liegenschaft übernommen hat: Der Münchner Projektleiter darf nach eigenen Worten keine Presseauskünfte geben.
Keine Angaben macht das Finanzministerium trotz mehrfacher Nachfrage zu den Nutzflächen in Kurhausbad und Neumann-Flügel. Die sind jedoch auch für das benachbarte Hotel-Projekt wichtig: Der Freistaat kann laut neuer Kurgebietssatzung pro drei Quadratmeter eigener Nutzung einen Quadratmeter für privates Wohnen auf den vorderen Teil des Grundstückes übertragen. Alleine das Kurhausbad hat eine Nutzfläche von mindestens 4100 Quadratmetern, daraus ergäben sich 1360 Quadratmeter für Eigentumswohnungen. Je nach Größe des Neumann-Flügels und des künftigen Hotels dürften also 3000 bis 4000 Quadratmeter private Wohnfläche am Platz des früheren Steigenberger-Hotels und des Kurgastzentrums möglich sein.


Standort steht noch nicht fest

Noch keine Entscheidung gibt es auch zum Standort der LGL-"Vorhut": Zwei Institute - für Kurortmedizin und für gesunde Lebensmittel - sollen noch heuer mit 16 Arbeitsplätzen in Bad Kissingen entstehen. Auf das Anmietgesuch der Immobilien Freistaat Bayern (IMBY) seien mehrere Angebote eingegangen. Allerdings gebe es noch keinen Favoriten, weil die IMBY noch auf weitere Unterlagen warte. Deshalb verweist auch das LGL selbst darauf, dass "noch die letzten Modalitäten geklärt werden, bevor es spruchreif wird".