Heute vor 70 Jahren, 13. April 1945. Der Zweite Weltkrieg ist vorüber. Zumindest im Landkreis Bad Kissingen. Hier waren Tage zuvor amerikanische Truppen einmarschiert. Das ging relativ ruhig von statten. Lediglich einen Fliegerangriff musste das Badestädtchen an der Fränkischen Saale erleben, das war am 5. April 1945.
Am 25. März vor 70 Jahren wurde auch in der Badestadt der Alarmzustand hergestellt. General Obstfelder, Oberbefehlshaber der deutschen 7. Armee, bestimmte in seinem Gefechtsstand in Sulzthal für die Lazarettstadt Bad Kissingen einen Kampfkommandanten. Dieser setzte sich gemeinsam mit Militärärzten und einigen Bürgern das Ziel, die Stadt vor Kampfhandlungen zu bewahren. Es waren zu diesem Zeitpunkt 3000 Verwundete und 4000 evakuierte Kinder in der Stadt.

Sprengung vorbereitet

In seiner "Geschichte der Stadt Bad Kissingen" nennt Walter Mahr einen (SS-)General namens Hahm, Chef des 82. Armeekorps der 7. Armee, der am 3. April Vorbereitungen zur Sprengung der Saale-Brücken in Bad Kissingen befahl. Obstfelder dagegen ordnete die Entfernung der Sprenglandungen an. Einen Tag nach der kampflosen Übergabe Kissingens wurde er seines Amtes enthoben und durch einen SS-General ersetzt. An der Ludwigsbrücke wurden wieder Sprengladungen angebracht und die Brücke dann auch wirklich noch gesprengt.
Am Schweizerhaussteg - auch er sollte gesprengt werden - stand zur der Zeit noch ein Soldat, der die für die Sprengung des Steges vorgesehene Bombe bewachte. Abends erhielt er den Befehl, die Bombe in die Saale zu rollen - dann setzte er sich ab. Die Wasserwacht barg die Sprengkörper im Übrigen nach Jahrzehnten beim Verlegen neuer Versorgungsleitungen.

Parlamentär unterwegs

Zwischen Seehof und Albertshausen traf der deutsche Parlamentär, ein Feldarzt, begleitet von einigen anderen Personen, auf die Amerikaner. Die fuhren mit zurück in die Stadt und überzeugten sich zunächst von der ordentlichen Unterbringung der alliierten Soldaten. Mit einem auf der anderen Seite der Saale bereit gestellten Pkw fuhren sie zum Übergabe-Ort, dem Sanatorium Rützen-Koziczkowsky in der Menzelstraße. Auch der Vorgesetzte der Amerikaner, Colonel Cheney, traf am Verhandlungsort ein. Die US-Einheiten wurden über die beabsichtigte kampflose Übergabe der Stadt informiert. Kissingen hatte Glück im Unglück: Für zwei Stunden später war ein Fliegerangriff geplant, da die Amerikaner von größeren Truppenkonzentrationen in der Stadt ausgegangen waren.

Am Schweizerhaussteg

Am 7. April um die Mittagszeit hieß es, die Amerikaner stünden am Schweizerhaussteg, der durch kleinere Sprengungen beschädigt war. Die Reparatur des Steges war die erste Aktion der Amerikaner in Bad Kissingen. Eine Opel-Limousine mit weißer Fahne und einem Parlamentär überquerte als erstes Fahrzeug den Steg. Am Haus Stang, Theresienstraße 6, heftete der Mann das erste Plakat mit Bekanntmachungen an. Fortan galten Ausgangssperren, Waffen und Munition sowie Fotoapparate mussten abgegeben werden.
Seit dem 8. April 1945 fiel in Kis singen kein Schuss mehr.

Noch nicht aufgegeben

Tatsächlich hatte die deutsche Seite den Kampf noch nicht ganz aufgegeben. Am 8. April (Weißer Sonntag 1945) stellte sich eine 150 Mann starke Einheit der 256. Volksgrenadierdivision in der Nähe von Rottershausen gegen die US-Soldaten und nahm eine neunköpfige Patrouille gefangen. Amerikanische Pan zer zerschlugen später dieses letzte Aufgebot. 40 Mann gingen in Gefangenschaft.
Um den 6. bis 8. April herum übernahmen die Amerikaner auch Münnerstadt, Oerlenbach und Rottershausen. Besonders die beiden letztgenannten Ortschaften waren zum Kriegsende hin häufig Ziel von Fliegerangriffen gewesen, hier gab es größere Treibstoff-Depots. In Oerlenbach wurden beim amerikanischen Einmarsch am 7. April die Scheunen von Johann Machmert, Ludwina Wein gärtner und Albin Kuhn in Brand geschossen. Rottershausen wurde einen Tag später, am 8. April 1945 eingenommen. Dort befand sich ein großes Minitionslager in der Waldsiedlung, das den Einheimischen Sorgen bereitete. Alles ging gut. Einige später später rückten die Amerikaner Richtung Schweinfurt ab.

Kriegsende im Landkreis

Die Stadt Hammelburg wurde am 6. April 1945 von den Amerikanern eingenommen, Bad Brückenau am 8. April, ebenso wie Münnerstadt am gleichenTag. Dort wurde am 21. April eines der Stadttore, das Untere Tor, gesprengt. Grund war der Umstand, dass ein amerikanischer Panzer nicht durchfahren konnte, außerdem war das Tor ein Sicherheitsrisiko, weil immer wieder Steine durch den vorausgegangenen Beschuss aus dem Gemäuer fielen. Maßbach und das restliche Lauertal wurden bis zum 9. April 1945 eingenommen. Nach diesem Zeitpunkt waren im Landkreis Bad Kissingen sämtliche Kriegshandlungen eingestellt.