Der FC Bad Brückenau hütet sie wie einen Schatz: Die Fackel, mit der 1972 das olympische Feuer durch Bad Brückenau getragen wurde. Heuer - 40 Jahre später - holt sie Heribert Jakobsche, zweiter Vorsitzender beim FC, aus der Pokalvitrine im FC-Sportheim heraus und übergibt sie vorsichtig an Theo Kammerer aus Wernarz. Der hält die Fackel nicht zum ersten Mal in seinen Händen. 1972 zählte der Fußballer zu den Auserwählten, die das olympische Feuer durch Bad Brückenau trugen. Das Schicksal hatte es so gewollt ...

Los entscheidet


"Nach dem Training wurde ausgelost, wer von der ersten und zweiten Mannschaft die Ehre bekommen sollte", erinnert sich Kammerer. Freiwillig gemeldet hatte sich nämlich niemand. Das Los fiel auf den damals 20-Jährigen und seine beiden Begleitläufer Elmar Betz und Wolfgang Povolny. "Das war einmalig. So etwas ist immer einmalig", sagt Kammerer über seinen großen Tag. Mit schwarzem Kulli hatte er seine Begleiter auf der Urkunde unterschreiben lassen. Die Namen sind noch heute dort zu lesen, auch wenn die Schrift mittlerweile verblichen ist.

Innerhalb von 48 Stunden legte die Flamme 913 Kilometer von München, dem Austragungsort der XX. olympischen Spiele, bis nach Kiel zurück, wo das Feuer bei der Segelregatta brannte. "Die Flamme soll keine Sensation, oder gar Schauobjekt, sein, sondern ein bleibendes Feuer in unserer Jugend entfachen, damit sie sich vermehrt dem Sport zuwendet", sagte Bürgermeister Georg Robert Ratsch bei der Feierstunde auf dem Rathausplatz am 26. August 1972. Damals ahnte noch niemand, dass die Spiele von dem grausamen Attentat gegen israelischen Athleten überschattet werden würde.

Attentat trübt Erinnerung


Beim Gedanken an das Attentat entfährt Kammerer ein tiefer Seufzer. "Das war sehr schlimm für Deutschland", sagt er und fügt hinzu, dass die Bevölkerung ja nichts dafür konnte. "Ich war damals dafür, dass die Spiele weitergehen, und so ist es dann ja auch gekommen." Trotz allem bleibt der olympische Fackellauf für Kammerer der "berühmte Samstag". Bis heute ist die ganze Familie sportlich geblieben. Der Sohn spielte auch beim FC Fußball, die Tochter ist bei der DJK Breitenbach. Die Enkelkinder allerdings wissen noch nichts von der olympischen Erfahrung des Opas. Der Auftakt der Olympischen Spiele in London wäre da ja mal ein Anlass ...