Zum ersten Mal gastiert der Bayerische Landkreistag aktuell mit seiner großen Landkreisversammlung in Bad Kissingen. Rund 260 Tagungsgäste reisten am Dienstag an, für den Abend waren rund 350 Gäste zum Empfang mit der Wirtschaftsministerin und stellvertretenden Ministerpräsidentin Ilse Aigner (CSU) geladen. Aigner spricht am Mittwoch noch über das Hauptthema der Tagung: Herausforderungen für die regionale Wirtschaftspolitik.


Kleines Treffen schon zu Gast

Der Bayerische Landkreistag hat zwei große Veranstaltungen im Jahr: Im Oktober setzen sich die 71 Landräte zusammen, dieses Treffen fand bereits zwei Mal in Bad Kissingen statt: 1988 und 2007. Im Frühjahr kommen dann neben den Landräten auch Kreisräte, Vertreter der Landespolitik, Verbände und Wirtschaft in großer Runde zusammen. Einen festen Wechsel bei den Veranstaltungsorten gibt es dabei nicht, weil längst nicht jede Kreisstadt eine Tagung mit rund 300 Teilnehmern stemmen kann. "In Bad Kissingen finden sich dazu hervorragende Gelegenheiten", betonte gestern eine Sprecherin der Geschäftsstelle des Bayerischen Landkreistages.
Die letzte Landkreisversammlung in Unterfranken ist lange her: 1997 in Würzburg. Deshalb war es auch für Regierungspräsident Paul Beinhofer selbstverständlich, zu der Tagung in Bad Kissingen zu kommen: "Ich freue mich, dass wir hier auch den Landräten aus dem Süden zeigen können, wie schön Bad Kissingen ist." Aber auch sonst sind die Tagungen des Landkreistages für Beinhofer Pflichttermine: "Das Netzwerken hier ist wichtig, ich will ja wissen, wo den Kreisen der Schuh drückt."
Neben den Regierungspräsidenten kommen zur großen Frühjahrstagung des Landkreistages auch Mitglieder des Landtages, Präsidenten der Verwaltungsgerichte sowie Vertreter der Minister und der Wirtschaft. Ranghöchste Vertreterin ist heuer Ilse Aigner, die gestern zum Empfang anreiste und in Bad Kissingen übernachtete.


Von Wirtschaft bis Integration

Im Mittelpunkt der Versammlung stehen laut dem Präsidenten des Bayerischen Landkreistags, Landrat Christian Bernreiter, Wirtschaftsperspektiven und die Sicherung der Lebensqualität im ländlichen Raum sowie die Integration von Asylsuchenden und Flüchtlingen mit Bleiberecht. "Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die Flüchtlinge häufig handwerklich geschickt sind, deren berufliche Erfahrungen aber nicht unseren Standards entsprechen", sagt Bernreiter. Staat, Wirtschaft und Kommunen müssten gemeinsam durch Sprach- und Berufsbildungsmaßnahmen die Qualifizierung dieser Gruppe voranbringen, um sie schnellstmöglich in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
Auch der gastgebende Landrat Thomas Bold erhofft sich neue Impulse von der Tagung: "Die Entwicklung des ländlichen Raumes ist natürlich auch unser großes Thema." Zudem sieht auch Bold die Versammlung als große Chance für den Landkreis, sich umfassend zu präsentieren. Deshalb habe er auch schon seit längerem mit dem Gedanken gespielt, eine Landkreisversammlung nach Bad Kissingen zu holen. "Ich hatte eher an 2017 oder 2018 gedacht", berichtet Bold. Zum Jahreswechsel sei aber die kurzfristige Anfrage gekommen, ob der Landkreis die Organisation auch kurzfristig heuer übernehmen kann. "Wir haben hier hervorragende Kapazitäten, als klar war, dass der Regentenbau frei ist und genügend Hotel-Betten zur Verfügung stehen, haben wir sofort zugesagt."
"Von den unterfränkischen Kreisstädten ist Bad Kissingen sicherlich mit am besten geeignet", betont auch Regierungspräsident Beinhofer. Neben den vielen Hotel-Betten seien die Teilnehmer vor allem vom Tagungsraum beeindruckt: "Schließlich ist der Max-Littmann-Saal auch gleichzeitig der schönste Konzertsaal in ganz Bayern", sagt Beinhofer stolz.