Bad Kissingen/ Würzburg — Auch eine Indiz für Globalisierung? Das angebliche Schmiergeld, das Ex-OB Karl Heinz Laudenbach (CSU/ parteilos) als nicht erlaubte Provisionszahlung im Zusammenhang mit dem Verkauf von "Fürstenhof" und "Schweizerhaus" erhalten haben soll, hat nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Würzburg einen langen und recht komplizierten Weg zurück gelegt.
Eigentlich waren nur vier Verhandlungstage geplant gewesen. Am Freitag ist die 6. Strafkammer des Landgerichts in Sachen Laudenbach aber schon zum neunten Mal zusammen getreten. Diesmal war wieder ein beisitzender Richter gefordert. Der Berichterstatter musste zahllose E-Mails und andere Dokumente im Sauseschritt, aber dennoch gut verständlich verlesen. Damit diese als Beweise verwertet werden dürfen, müssen sie vorgetragen werden. So verlangt es das Gesetz.
Und so ackerte sich der Jurist durch Unmengen von Zahlen, Kontobewegungen und Schreiben samt deren Fußnoten.

Zuwendung verschleiert?

Nachvollzogen wurde eine nicht ganz normale Transaktion: Als Unterfrankens Arbeiterwohlfahrt (AWO) nach jahrelangen, vergeblichen Bemühungen endlich ihre Bad Kissinger Immobilien an russische Investoren veräußert hatte, zahlte sie verabredungsgemäß die ungewöhnlich hohe Provision von 800 000 Euro. Nach Ansicht der Ankläger gingen davon "mindestens 434 000 Euro" an Laudenbach. Der bestreitet das nach wie vor.
Der Weg des Geldes von Würzburg nach Bad Kissingen war lang und nicht alltäglich. Empfängerin war die Firma BQS Group S. A. im Karibikstaat Belize. Sie ließ am 24. April 2008 die als Provision deklarierte Zahlung aus Unterfranken auf ihr Konto 0155-40 in der zypriotischen Hauptstadt Nikosia überweisen. Dort wurde sie am 5. Mai 2008 gutgeschrieben. Allein zeichnungsberechtigt ist dafür der "anderweitig Verfolgte" Michael Shlemov. Für die AWO war damit der Fall erledigt.

Auf Konten transferiert

Die Staatanwaltschaft meint hingegen, das alles sei geschehen, um die illegale Zuwendung zu verschleiern. Denn das Geld blieb zum Teil nur ein paar Tage auf der sonnigen Mittelmeerinsel. Dann wurde es in vier Tranchen auf Konten in Deutschland und Österreich transferiert.
Die letzte Überweisung ging dort am 28. Juli 2008 ein. Begünstigte: Laudenbach und sein Bruder Franz. Noch im selben Jahr soll, so die Anklage, Franz Laudenbach die Summe "vollständig in bar" an den Ex-OB übergeben haben. Franz Laudenbach hat von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. Auch gegen ihn wird ermittelt. Karl Heinz Laudenbachs Anwalt Norman Jacob sagte, diese Vorgänge würden "nicht bestritten, es geht nur um die Interpretation der Fakten und Zahlen".
Nach Darstellung der beiden Verteidiger Michael Schulze und Jacob handelt es sich nicht um Schmiergeld, sondern im Wesentlichen um eine Vorauszahlung für Laudenbachs Engagement im und für das Hotel "Kaiserhof Victoria". Das einstige Stadtoberhaupt war hier nicht nur als Geschäftsführer tätig, sondern auch zusammen mit dem "anderweitig Verfolgten" Raymonds Libers als Gesellschafter der Betreiber-GmbH.

In Russland oder Montenegro

Heute ist das Ehepaar Anna und Viktor Stolyarchuk Geschäftsführer dieser Gesellschaft. Stolyarchuk sollte eigentlich am Freitag in Würzburg gefragt werden. Er war allerdings nicht gekommen, was niemanden wirklich wunderte.
Unklar ist, wo sich der 53-jährige Ex-Oberst der russischen Armee aufhält. Er lebt normalerweise in St. Petersburg und ist dort gegenüber einer Delegation aus Bad Kissingen als Investor aufgetreten. Als Geschäftsmann kann man es im Postkommunismus mit der Hände Arbeit offenbar weit bringen. Immerhin verfügt Stolyarchuk auch über ein Feriendomizil in Montenegro. Ob es je gelingt, ihn vorzuladen, scheint durchaus fraglich. Das Gericht hat die entsprechenden Schritte eingeleitet. Das Verfahren könne sich aber bis zu einem Jahr hinziehen, hatte Vorsitzender Richter Hans Brückner bereits in einer früheren Verhandlung erklärt.

Aufenthaltsort unbekannt

Überhaupt gestaltet sich die Zeugenladung nicht immer einfach. So wollte die Verteidigung einen deutsch-russischen Immobilien-Makler aus Senden bei Ulm befragen. Bislang ist es allerdings nicht gelungen, dessen aktuelle Anschrift zu ermitteln.
Es sieht so aus, als würde sich das Verfahren in die Länge ziehen. Laudenbach sitzt seit fast einem Jahr in Schweinfurt in Untersuchungshaft, weil immer noch Fluchtgefahr bestehe. Das hat den 57-Jährigen gesundheitlich angeschlagen und sichtlich mitgenommen. Allerdings wirkt er nicht mehr ganz so angespannt wie zum Auftakt des Prozesses. Er wird am Donnerstag fortgesetzt.