"Nach 14 Jahren ist unser Vereinszweck erfüllt", so ein sichtlich stolzer Vorsitzender Karlheinz Schmitt bei der Mitgliederversammlung des Vereins der Orgelfreunde Bad Brückenau. Ein Verein, der sich kraft seiner Satzung also nunmehr bald selbst abwickeln muss. Da heuer keine Wahlen anstehen, konnte sich die Mitgliederversammlung ganz auf dieses zukünftige Schwerpunktthema konzentrieren: Vereinsauflösung oder eine bereits angedachte Änderung des Vereinszwecks.
Neben den üblichen Regularien war vor allem der Kassenbericht von Reinhold Hahn wesentlich. So verzeichnete der Verein im letzten Jahr 7300 Euro Überschuss. Dieser fließt stetig zur Tilgung der Verbindlichkeiten an die katholische Kirchenstiftung, so dass der Verein über kein eigenes Vermögen verfügt. Die Einnahmen setzen sich neben den normalen Mitgliedsbeiträgen vor allem aus außerordentlichen Spenden, die Wirtschaftseinnahmen von Mantelsonntag, Orgelnacht und regelmäßigem Verkauf von Orgelwein und Kerzen zusammen. Der kostenmäßige Eigenanteil der Pfarrgemeinde an der 2009 eingeweihten Orgel beläuft sich auf 225 000 Euro.


222 286 Euro erwirtschaftet

Per Stand der Mitgliederversammlung, also binnen 13 Jahren, konnten 222 286 Euro erwirtschaftet und somit getilgt werden. Rechnet man die Anfang 2017 eingehenden Mitgliedsbeiträge mit hinzu, ist also zur nächsten Mitgliederversammlung mit Neuwahlen im Jahre 2017 der Vollzug des Vereinszwecks zu vermelden. Bis dahin noch zu erwirtschaftete Einnahmen, auch sie fließen komplett an die Kirchenstiftung, bedeuten dann bereits einen kleinen Überschuss. Zahlen die den früher im Bankwesen tätigen und seit Vereinsgründung im Amt befindlichen Kassier Reinhold Hahn sichtlich stolz machten: "Die Arbeit hat mir immer Spaß gemacht."
Stolz zeigte sich auch Stadtpfarrer und Dekan Michael Krammer: "Die Kirchenmusik in Bad Brückenau steht auf sehr guten Füßen, einen Beitrag dazu leistet unsere hervorragende neue Orgel."
Vorausschauend wurde als eigener Tagesordnungspunkt "die Zukunft des Vereins" aufgenommen. Hier entwickelte sich unter den Anwesenden eine rege Diskussion über das Für und Wider der Weiterführung über das Jahr 2017 hinaus. Karlheinz Schmitt hierzu: "Wir haben keinen Zeitdruck, wollen aber die Diskussion zeitnah in Gang bringen." Reinhold Hahn ergänzte: "Ziel ist es nicht, uns sang- und klanglos aufzulösen, sondern Wege zu finden, dass es in anderer Form weitergeht, denn ein ganz neuer Verein wird sich sicherlich schwer tun."
Die im Besitz der katholischen Kirchenstiftung befindliche Orgel wird Kosten für regelmäßige Wartung und Unterhaltung verursachen, auch die Finanzierung der nach einstimmiger Meinung weiterzuführenden erfolgreichen Orgelnacht benötigt eine vereinsmäßige Basis. Fakt für die nächste Mitgliederversammlung wird jedoch die Tatsache sein, dass sich neben Karlheinz Schmitt auch zahlreiche weitere Vorstandsmitglieder nicht mehr zur Verfügung stellen werden. In erster Linie wird der Fortbestand des Vereins also eine Personalfrage werden.


Über 2017 hinaus pflegen

Dekan Krammer und Kantor Markus Wollmann appellierten an die Anwesenden, dass der Verein unbedingt weitergeführt werden müsse, da er wie bisher durch Orgelchor, Orgelnacht und Orgelwein die Pfarrei belebe und die Kirchenmusik präsent und erlebbar mache. Dies müsse über 2017 hinaus weiter gepflegt werden.
Kritische Mitglieder sehen dagegen den Vereinszweck nicht in der Finanzierung eventueller Konzertdefizite und den Orgelunterhalt. Nach Einschätzung Wollmanns sind etwa alle 20 Jahre rund 30 000 Euro für Grundreinigung und Neuintonierung der Orgel notwendig. Für die kommende Zeit wird also nicht nur im Verein der Orgelfreunde, sondern in allen Gremien der katholischen Pfarrgemeinde die Kirchenmusik und die dafür so wesentliche Seifert-Orgel für Diskussionsstoff sorgen.


Aus der Geschichte des Vereins


Die Gründungsversammlung des Vereins der Orgelfreunde Bad Brückenau fand am 13. Mai 2003 im Pfarrheim Bad Brückenau statt. Zum Vorsitzenden wurde damals Dr. Edmund Wilhelm gewählt, der maßgeblich die Vereinssatzung rechtlich formulierte.
Viele waren damals skeptisch, ob der Eigenanteil der Pfarrei an der neuen Orgel zu finanzieren sei. "Die Optimisten hatten sich damals nach reiflicher Überlegung nicht gescheut, dieses Risiko, das langfristig ausgelegt war, einzugehen und als Mitglieder den Verein mitzutragen und aktiv in der Vorstandschaft mitzuarbeiten", so Karlheinz Schmitt, der seit 2006 Vorsitzender des rührigen Vereins ist, der in Spitzenzeiten über 100 Mitglieder zählte.
Während der Jahreshauptversammlung am 20. Juni 2007 wurde in Anwesenheit des damaligen Stadtpfarrers Sven Johannsen nach Stellungnahmen des Regionalkantors Peter Rottmann und des Kantors Markus Wollmann durch die Vereinsmitglieder der Beschluss gefasst, übrigens ohne Gegenstimmen, das Vereinsvermögen für eine neue Orgel zur Verfügung zu stellen.
Der Auftrag, den aus rechtlichen Gründen die Kirchenverwaltung erteilen musste, ging an die Orgelbaufirma Roman Seifert in Kevelaer am Niederrhein.
Die Baukosten laut Angebot der Orgelbaufirma Seifert beliefen sich auf 450 000 Euro, wovon die Diözese Würzburg die Hälfte übernahm. Die andere Hälfte also musste von der Pfarrei St. Bartholomäus aufgebracht werden.
Am 8. Februar 2009 wurde die neue Orgel durch Weihbischof Helmut Bauer in einem feierlichen Pontifikalamt eingeweiht. Die neue Orgel erklang zum ersten Mal in einem Gottesdienst, gespielt von Regionalkantor Peter Rottmann. Seither bedankt sich die prächtige Orgel bei jedem Gottesdienst und jedem Konzert auf ihre wohlklingende Weise bei jedem Spender. Die Arbeit der Refinanzierung des Kostenanteils der Pfarrgemeinde kann seitdem jeder Interessierte in einem eindrucksvollen Diagramm im Eingangsbereich der Stadtpfarrkirche nachvollziehen.