Marilyn Monroe als Siebdruck von Andy Worhol, Roy Lichtensteins Abstraktionen im Comicstil, 3-D Bilder von James Rizzi, aber auch spannende Arbeiten von Newcomern der Pop-Art-Szene sind bis zum 15. Oktober im Clubhaus des Golfclub Bad Kissingen zu sehen. Galeristin Elisabeth Hirnickel hat eine sehenswerte Schau der Pop Art zusammengestellt.
"Ist Pop Art Kunst?" fragt Elisabeth Hirnickel bei der Vernissage im Clubhaus in die durchaus beachtliche Runde interessierter Kunstfreunde, um die Antwort gleich selbst zu geben: "Ja, weil Kunst auch immer ein Spiegel der Zeit ist". 30 000 v. Chr. haben unsere Vorfahren Jagdszenen in Höhlenwände geritzt, ägyptische Kunst hat Alltagsleben, wie eine Weinlese, auf Papyrus gemalt, in Pompeji stellte man Musizierende dar und in der Renaissance durfte Körperlichkeit gezeigt werden. "Der Mensch hat immer das in Kunst verwandelt, was ihm gerade am wichtigsten war."


Ein Franke als Urvater

Fast unbekannt ist, dass der in Nürnberg lebende Richard Lindner, der 1941 nach Amerika fliehen musste die neue Epoche des Pop Art einläutete. Von der dortigen Werbebranche fasziniert, experimentierte er mit der Darstellung anonymen Großstadtlebens, dem "Zirkus des Absurden" wie er es nannte.
Den moralischen Bankrott des 20. Jahrhunderts, den Lindner in seinen satirischen Bildern zeigte, nahm auch ein junger Tscheche namens Ondrej Warhola auf. Der Werbegraphiker war wie hypnotisiert von der knallbunten Konsumwelt und deren Ästhetik. Als Andy Warhol malte er dann sein Lieblingsessen. Die nebeneinander gereihten rot-weißen Suppendosen von Campbell gingen als "serielle Kunst" um die Welt und Warhol begann, sich einen Platz in der Kunstgeschichte zu erobern.
Elisabeth Hirnickel zeigt aber nicht nur museale originalgraphische signierte Werke mit Bildern die jeder kennt, wie etwa Warhols Kussmundserie, die als Logo zum Besuch der Ausstellung, einlädt oder die Verfremdung von Tischbeins "Goethe in Italien" sondern auch echte Raritäten, Bilder mit regionalem Bezug und Arbeiten noch lebender Künstler. So sind späte Werke von Mara, der 2010 verstorbenen Künstlerin, die das Logo der 1200-Jahrfeier Bad Kissingens entwarf, zu sehen, aber auch farbenfroh witzige Phantasien junger Künstler, die (noch?) preiswert zu haben sind.


Entdeckung der Galeristin

Deutlich tiefer in die Tasche greifen muss der Kunstliebhaber für Alex Moses, Jahrgang 1955.
Die Galeristin hat ihn entdeckt und schon früh gefördert, als der Kunstlehrer des Gymnasiums Bad Neustadt in Niederlauer noch kleine Bilder malte. "Du hast das Zeug zu einem großen Maler", motivierte sie ihn in den 1980-er Jahren, "und wirst eines Tages auch größere Bilder verkaufen können". Heute hängen der zersplitterte Supermann oder der High-Tech Dandy in Privatsammlungen und seine plakativen Spielkartenbilder in großen Casinos in Las Vegas und Sy<dney.
Auch wenn für seine Werke fünfstellige Summen gezahlt werden, für seine Mentorin hat er "sehr, sehr günstige Preise gemacht", verrät Frau Hirnickel und schiebt die Geschichte mit der ersten Ausstellung Warhols in Hamburg nach, bei der er kein einziges Bild verkaufen konnte. Kunstmäzen Gunter Sachs hatte Mitleid mit dem jungen Künstler, kaufte alle Ausstellungsbilder, um damit das beste Geschäft seines Lebens zu machen, wie 2014 in der großen Ausstellung der Gunter Sachs Sammlung in der Schweinfurter Kunsthalle ausführlich dargestellt.


Pop Art auf der Weinflasche

Golfclub Präsident Franz-Josef Schäfer dankte der Galeristin, die schon zum dritten Mal eine qualitätvolle Ausstellung in den Räumen des Clubs organisiert hat und Oberbürgermeister Kay Blankenburg freute sich über die so lebhafte Kunstszene der Kurstadt. Mit einem Glas Frankenwein - das Etikett des guten Tropfens zeigt das Kussmund-Logo der Ausstellung - wurde auf den Erfolg der Ausstellung angestoßen.
Beim Rundgang durch die Räume macht die Galeristen auf ein lustig-farbiges Bild aufmerksam. Es ist von James Rizzi, dem einzigen Golfspieler unter den Künstlern, und zeigt -wie könnte es anders sein - eine phantasievolle Golfpartie in waldmeistergrün, ananasgelb und erdbeerrot.
Die Ausstellung ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Alle Bilder sind verkäuflich. Der Eintritt ist frei.