Seit 1956 beobachtet Fritz Karle aus Roßbach das Wetter: 52 Jahre lang im Auftrag des Deutschen Wetterdienstes, seit acht Jahren noch privat. In der Nacht auf Sonntag gab es einen neuen Rekord in den 60 Jahren: 51,6 Liter pro Quadratmeter kamen da runter. "Das habe ich in Roßbach noch nie gemessen", sagt der 84-jährige ehemalige Förster. In der Nacht auf Montag kamen sogar noch weitere 15 Millimeter dazu. Zum Vergleich: Im Schnitt regnet es im gesamten Mai nur gut 60 Millimeter .


Acht Keller unter Wasser

Im benachbarten Rupboden war der Starkregen noch extremer: "In gerade mal einer Stunde kamen 70 Liter pro Quadratmeter runter", berichtet Feuerwehrkommandant Thomas Hüfner. Ein Nachbar habe den Regenmesser während des Gewitters zwei Mal ausleeren müssen, um die Menge erfassen zu können. Eigentlich hat Rupboden gar kein großes Wasser-Einzugsgebiet, deshalb traf der Starkregen die Einwohner auch völlig unvorbereitet: "Das meiste Wasser kam direkt von Feldern und ist in die Lichtschächte reingelaufen", berichtet Hüfner.
Samstagabend gegen 19 Uhr ging der erste Notruf ein. "Dann ging es Schlag auf Schlag." Acht Keller in Rupboden und drei in Trübenbrunn standen unter Wasser. "Bei den Häusern, die am Hang stehen, ist das Wasser wieder vorne zur Tür raus", sagt Hüfner, in anderen Fällen musste gesaugt oder gepumpt werden. Bis 22.30 Uhr waren zwölf Kameraden der Rupbodener Feuerwehr unterwegs, am Samstag morgen ging es dann mit dem Aufräumen weiter. Insgesamt waren 80 Feuerwehrleute der Wehren aus Zeitlofs, Weißenbach, Rupboden, Roßbach, Eckarts, Bad Brückenau und Altengronau im Einsatz.
"Der Landkreis Bad Kissingen war der Schwerpunkt in unserem Zuständigkeitsbereich", berichtet Thomas Schlereth, Leiter der Integrierten Leitstelle Schweinfurt. 20 Einsätze gab es in der Nacht auf Sonntag vor allem im Norden des Kreises. Bei Burghausen lag noch ein Baum auf der Straße. In der Nacht auf Montag standen ein Keller in Bad Bocklet und die Raiffeisenstraße in Aschach unter Wasser.
Wie unterschiedlich der Regen verteilt war, zeigt der Blick auf den Dreistelz: In Rupboden am Nord-West-Hang Starkregen, in Oberleichtersbach am süd-östlichen Fuß des Berges nur 15 Millimeter am Wochenende. "Bei uns gab es keine Schäden", berichtet der dortige Bürgermeister Dieter Muth. Im Gegenteil: "Für den Wald und die Landwirtschaft war das prima." Gerade die im April neu gepflanzten Bäume im Wald könnten den Regen gebrauchen, zudem werde der Wald durch den Niederschlag widerstandsfähiger gegen Borkenkäfer, weiß Forstwirt Dieter Muth.


Keine Hochwasser-Gefahr

"Der Regen war zum Glück nicht flächendeckend", sagt Frank Pilhofer, der beim Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen für die Gewässerkunde zuständig ist. "Deshalb wird es auch kein überörtliches Hochwasser geben, aber an kleineren Gewässern kann es natürlich schnell mal Überschwemmungen geben." Die Sinn sei am Sonntag knapp an der Meldegrenze gewesen, die Saale blieb weit darunter, war aber durch die Erosion tief braun. "Die Saale ist wegen der kleinkörnigen Böden relativ schnell trüb", gibt Pilhofer aber Entwarnung. Auf die Grundwasserstände wirke sich ein Gewitter übrigens kaum aus: "Starkregen laufen ab und landen in den Bächen, fürs Grundwasser braucht's lange Landregen." Allerdings habe sich das Grundwasser im Winter auch erholt: "Wir hatten ja zum Glück keinen ganz trockenen, sondern einen durchschnittlichen Winter."

"In Bad Kissingen waren es nur 13 Liter auf den Quadratmeter", fasst Peter Krammer die Regenmenge im Süden des Landkreises zusammen. Der hauptamtliche Wetterbeobachter leitet ehrenamtlich die Arbeitsgemeinschaft Regionalklima Rhön-Saale, in der rund 30 Hobby-Meteorologen ihre Daten austauschen. In Oberthulba liege das 30-jährige Mittel für den Monat Mai bei 58 Millimetern, in Bad Kissingen bei 62 Millimetern, verweist Krammer auf die Statistik. Die 70 Millimeter in einer Nacht in Rupboden seien also eine absolute Ausnahme.


Kinder blieben trocken

Während das Wetter beim Bad Brückenauer Stadtfest einen gehörigen Strich durch die Rechnung machte (wir berichteten), kamen auch die Veranstalter im Süden des Kreises besser weg: "Wir hatten wahnsinnig Glück, nur der Dienstag war verregnet", berichtet etwa David Rybak von der Stadt über die Zelttheater-Woche. Die Wiese sei zwar nass gewesen, aber es sei kein Stand weggeweht worden und kein Auto auf dem Parkplatz stecken geblieben. "Und vor allem wurde niemand verletzt."
Ständig auf die Unwetter-Warnungen schaute auch Thomas Schmitt von "Prolog" bei der "Abenteuer Allrad": Vor allem vor dem Gewitter am Samstag habe sein Team die Befestigung der Stände überprüft. Bis auf eine Stunde Regen am Freitag sei aber alles gut gelaufen: "Das waren vom Wetter her perfekte vier Tage", erklärt Thomas Schmitt.