Die Generalversammlung der Vereinten Nationen tagte am Wochenende gemeinsam mit Sicherheitsrat und Menschenrechtsrat im Heiligenhof. Doch was Bad Kissingen auf einen Schlag hätte weltberühmt machen können, war leider nur eine Simulation. Bamberger Studenten waren in die Rolle von Botschaftern der UN-Mitgliedsländer geschlüpft und probten mit anderen drei Tage lang die hohe Kunst der Diplomatie.

"Es ist eine wertvolle zusätzliche Erfahrung", fasste Studentin Stefanie Faulstich (23) ihren Eindruck zur Halbzeit zusammen. Sie stammt aus Rottershausen, studiert in Bamberg im 7. Semester Englisch, Sozialkunde sowie Geschichte und will später Lehrerin am Gymnasium werden. Mit 20 Kommilitonen der Otto-Friedrich-Universität ist sie zur sechsten BaMUN-Simulationskonferenz (Bamberg Model United Nations) in die Bildungsstätte Heiligenhof gekommen. Dort traf sie mit ihrer Delegation auf Studenten der Universitäten Erlangen, Coburg und Erfurt.

Alle 65 Studenten zwischen 19 und 28 Jahren, aus unterschiedlichen Studiengängen und Semestern, übernahmen von Freitag bis Sonntag die Rolle jeweils eines UN-Botschafters. Schon seit Oktober hatte sich jeder auf seine Teilnahme in einem der drei Gremien vorbereiten und Wissen über das von ihm vertretene Land aneignen müssen.


Gedenkminute für Mandela

Stefanie Faulstich hatte die Interessen der Republik Südafrika in der UN-Generalversammlung zu vertreten. Seit Monaten war sie von ihrer Tutorin Friederike Kunkel, die selbst vor Jahren Delegationsmitglied war und die dafür notwendige Arbeit gut kannte, bei ihren Vorbereitungen unterstützt worden. Aus aktuellem Anlass beantragte Faulstich gleich zu Beginn der Sitzung eine Gedenkminute für Nelson Mandela. Ihrem Antrag wurde stattgegeben, die Gedenkminute abgehalten.

Überhaupt waren alle Themen, die den studentischen Botschaftern als Aufgabe vorgegeben waren, tagesaktuell. So war es nachvollziehbar, dass sich die Mitglieder des Menschenrechtsrates, dem Tobias Heid angehörte, mit dem Syrien-Konflikt befassten. Im dritten Bachelor-Semester Politikwissenschaft studierend, war Heids Interesse an dieser ausschließlich von Studenten organisierten UN-Simulationskonferenz verständlich. "Aber wir haben Teilnehmer aus allen Fakultäten", erklärte Heid, dem zusätzlich die Aufgabe des Delegationsleiters übertragen worden war.

"Ob Politikwissenschaftler, Volkswirt oder Psychologe - jeder soll sein spezielles Fachwissen in die Diskussion einbringen", erläuterte der für das Gesamtprojekt verantwortliche Betriebswirtschaftsstudent Philip Lehmann. "So gibt es bei den Diskussionen unterschiedliche Sichtweisen und Gesprächsansätze." Das mache das Ganze erst interessant. Aufgabe sei es dann, wie in den echten UN-Gremien in New York, nach intensiver Aussprache und abschließender Meinungsbildung eine gemeinsame Resolution aller Länder zu verabschieden.


Anstrengende Tage

"Wir müssen hart arbeiten", versicherte Stefanie Faulstich. "Ich hatte heute nur zehn Minuten, um als Südafrika-Botschafterin eine kurze Rede vorzubereiten." Die Arbeitstage waren anstrengend, besonders lang war der Samstag mit vier fast dreistündigen Sitzungen bis 22 Uhr. Zum Ausruhen oder Vergnügen blieb keine Zeit.
Selbst in der Nacht war die Entspannung nicht allzu groß, mussten doch die Mittzwanziger wie Schüler in den Mehrbettzimmern der Heiligenhof-Jugendherberge schlafen. "Aber das schweißt die Delegationsteilnehmer zusammen", sah Projektleiter Lehmann nur den Vorteil und lobte spontan die Kissinger Bildungsstätte: "Man ist hier sehr zuvorkommend. Alle Sonderwünsche von Vegetariern oder Veganern hat man erfüllt."


In Anzug und Kostüm

Nur bei der Kleidung waren keine Sonderwünsche erlaubt. Wie es sich für echte Diplomaten gehört, waren dunkler Anzug oder Kostüm selbstverständlich. Doch alle Mühen der Vorbereitungswochen und den Stress des Wochenendes nahmen die Bamberger Studenten gern in Kauf. Denn zum Jahresanfang sind alle in die US-Botschaft und ins Auswärtige Amt in Berlin eingeladen. Im April fliegen sie sogar nach New York zu den Vereinten Nationen und nehmen dort noch einmal an einer Simulationskonferenz teil. Stefanie Faulstich: "Dann sind es aber 5000 Studenten, die wirklich aus allen Ländern der Welt kommen." Deshalb war auch in Bad Kissingen Englisch als Tagungssprache Pflicht.

Selbst in Privatgesprächen auf dem Flur wurde das Englische beibehalten. "Wir haben unsere Rolle verinnerlicht", gesteht die Lehramtsstudentin aus Rottershausen. Dieses freiwillige Studienprojekt sei eine praktische Erfahrung fürs Leben. Wann kommt man schon mal zur UN nach New York? "Vielleicht kann ich sogar meinen Schülern später davon erzählen."