Eine Postkarte von der Windsburgkapelle gibt es bis heute im Stadtarchiv. Auch die alten Pläne zum Bau einer Kapelle auf der Windsburg sind noch erhalten. Nur die Kapelle selbst hat es nie gegeben. Zwölf Jahre versuchte der Kapellenbauverein in Münnerstadt, dieses Ziel zu verwirklichen. Doch letztendlich scheiterte das Projekt an den Finanzen und wohl auch an mangelndem Interesse.

Gründungsversammlung 1899

Am 26. November 1899 fand die Gründungsversammlung des Kapellenvereins statt. 1. Vorsitzender wurde der Pfarrer aus Burglauer, 2. Vorsitzender der Privatier Ludwig Henneberger aus Münnerstadt.
Bertram Becker (Burghausen) hat sich mit der Geschichte des Vereins intensiv befasst und hat auch die Unterlagen gesammelt, die damals in der Münnerstädter Zeitung veröffentlicht wurden.
"Der Verein war sehr rührig", hat Becker festgestellt. In alten Zeitungsausgaben ist davon zu erfahren. Sponsoring ist keine Erfindung der heutigen Zeit, kann man nachlesen. Auch damals stellten sich Bürger in den Dienst der Sache, damit Geld für den Kirchenbau zusammenkam. So erfährt man aus den alten Zeitungen, dass es ein Konzert mit Münnerstädter Akteuren gegeben hat. Der Erlös der Veranstaltung kam dem Kapellenbauverein zugute. 1901 hatte man 2100 Mark für den Kapellenbau gesammelt.

Zwei Standortwechsel

Beitragen zum Bau-Erfolg sollte auch eine Ansichtskarte. Darauf zu sehen ist eine kleine Kapelle auf der Windsburg. Die Münnerstädter Zeitung schrieb 1900 von einem "hübschen, wirkungsvollen Bild". Der Kapellenbauverein hatte die Karte malen lassen. Die ersten Exemplare wurden an potenzielle Sponsoren verschickt, mit der Hoffnung, dass das Bild ihre Spendenfreudigkeit wecken würde. Aber die Ansichtskarte soll auch in Münerstädter Geschäften verkauft worden sein.
Während seiner Recherche hat Bertram Becker festgestellt, dass der Kapellenbauverein zwei Mal den Standort für das Kirchlein wechselte. Anfangs war daran gedacht gewesen, den Bau an die Ruine am Michelsberg, "an der östlichen Turmwand", anzubauen. Dafür spricht auch, dass der Verein noch 1900 anlässlich der Jahrhundertwende das Schistl-Hochkreuz am Michelsberg anschaffen ließ. Auch die Zusammensetzung des Vorstands mit Mitgliedern aus Burghausen, Reichenbach und Burglauer spricht dafür, lag die Michelskirchruine damals auf Reichenbacher und Burghausener Grund. "Die Grenze ging mittendurch", weiß Bertram Becker. Und beide Orte gehörten kirchlich zu Burglauer.
Doch schon wenig später ist nachzulesen, dass der Kapellenbau auf einem städtischen Grundstück an der Windsburg verwirklicht werden soll. Für den Kirchenbau auf der Winds burg gab es eine große und eine kleine Bauvariante. 1903 war dazu in der Zeitung zu lesen: "Wenn man in der Zukunft bescheidene Ansprüche rücksichtlich der gegebenen und zu erhoffenden Mittel an die künftige Kapelle stellt, auf einen großen Bau verzichtet und sich mit einer bescheidenen weithin sichtbaren Kapelle begnügen lernt, so ist ein Kapellenbau an landschaftlich schöner Stätte auf Münnerstädter Gebiet und im Eigentum und Schutz der Stadtgemeinde kein unmögliches oder allzufernes Ziel."

Schwieriger Materialtransport

1905 lagen die Kostenschätzungen für eine kleine Kapelle im Renaissance-Stil bei 2500 bis 3000 Mark. 1910 betrug das Baukapital 3250 Mark. Gebaut wurde aber immer noch nicht. Es habe sich herausgestellt, dass der Materialtransport zur Winds burg sehr schwierig sei, meint Bertram Becker.
Deshalb entschlossen sich die Mitglieder im Januar 1910 für einen neuen Standort. Auf dem Säuberg sollte die Kapelle nun gebaut werden, weil es dort eine schöne Sicht über Stadt und Lauertal gibt und der Transport des Materials dorthin einfacher werde.
Doch verwirklicht wurde das Projekt nicht. 1911 wurde das Kapitel "Kapellenbau" geschlossen. Im November des Jahres löste sich der Verein auf.
Das Vermögen in Höhe von 3435 Mark wurde für die Stadtpfarrkirche verwendet zur Errichtung der elektrischen Beleuchtung, für einen Treppenaufgang zur oberen Sakristei und als Zuschuss zum Kauf einer neuen Kirchturmuhr.
Kleine Windsburg und Säuberg waren zur damaligen Zeit wegen ihrer Aussicht beliebte Spazierziele. Davon zeugt bis heute ein Orientierungsstein an der kleinen Windsburg, der 1924 vom Rhönklub-Zweigverein dort aufgestellt wurde.
Nur die Aussicht von damals findet der Wanderer heute dort nicht mehr. Längst wächst Wald an den Hängen und verdeckt an den meisten Stellen den freien Blick.
Noch älter ist die Steinbank am Säuberg. Auch sie stammt vom Rhönklub. In ihr Steinfundament ist das Jahr 1884 eingemeißelt. Hier ist zumindest die Aussicht auf die Stadt bis heute erhalten geblieben.