Zwölf Ideen stellte Wirtschaftsförderer Michael Wieden in der Sitzung des Wirtschaftsausschusses am Mittwochabend vor, um "Bad Kissingen an die Spitze einer Bewegung zu setzen, die die Sommerzeit europaweit abschaffen will". Nach einer gut einstündigen Diskussion lehnten die Mitglieder zwei Drittel der Vorschläge ab. "Immer dann, wenn's konkret wird, bin ich dagegen", fasste Sigismund von Dobschütz (Freie Wähler) die Meinung der Mehrheit zusammen.
Gegen Wiedens Pläne sind die meisten CSU-Stadträte. "Wir sind keine Universitätsstadt und wir haben nicht die Kapazitäten, ein so akademisches Thema zu besetzen", sagte Fraktionssprecher Michael Heppes. Fraktionskollege Steffen Hörtler ergänzte: "Ich habe meine Schwierigkeiten damit, dass sich bei den Problemen, die die Stadt hat, der Wirtschaftsförderer mit diesem Thema beschäftigt."


"Kernkompetenz Gesundheit"

"Wir haben die Kernkompetenz Gesundheit", verteidigte dagegen von Dobschütz die Überlegungen Wiedens. Ähnlich wie bei der Psychosomatik vor 20 Jahren sei der Blick in die Zukunft auch bei der Chrono-Biologie sinnvoll: "Warum soll die Diskussion nicht von Bad Kis singen ausgehen?" Konkrete Punkte, wie der Abdruck von Sommer- und Normalzeit in Programmen oder auf Eintrittskarten dagegen gingen dem früheren Kurdirektor zu weit.
"Ich habe durchaus auch noch andere Dinge, die ich tue", verteidigte sich Wirtschaftsförderer Michael Wieden (siehe Bericht unten). Er stellte auch klar, dass Bad Kissingen nicht alleine die Sommerzeit abschaffen könne und dass die Zeitumstellung frühestens in fünf Jahren und europaweit gekippt werden könnte. Bad Kissingen könne allerdings als "Motor der Umstellung" einen hohen Bekanntheitsgrad erreichen. Wieden geht fest davon aus, dass die Sommerzeit irgendwann eh' abgeschafft wird: "Kommen wird das sowieso, wir müssen nur entscheiden, ob wir Vorreiter, Mitschwimmer oder Schlusslicht sein wollen." Zudem könnten die meisten seiner Vorschläge kostenneutral umgesetzt werden, etwa weil private Sponsoren bereits ihre Zustimmung signalisiert hätten. "Wir können hier mit wenig Geld viel erreichen", sagte der Wirtschaftsförderer.


Thema bei den Gesundheitstagen

Mit 7:4 Stimmen lehnte das Gremium den Vorschlag von Karin Reinshagen (SPD) ab, das Thema zu vertagen. Danach gingen die Räte jeden Punkt einzeln durch: Der Wirtschaftsausschuss beschloss weitere Treffen des Aktionskreises "Beibehaltung der Normalzeit" in Bad Kissingen, das Aufgreifen des Themas bei den Gesundheitstagen 2016, die Sammlung von Geschichten zur Bedeutung "der einen Stunde" sowie die Einladung von Journalisten.
Einstimmig wurde Wiedens Vorschlag abgelehnt, dass einzelne Einrichtungen oder Unternehmen ihre Öffnungszeit während der Sommerzeit auf Normalzeit verschieben. Auch der Abdruck von Normal- und Sommerzeit in Programmen oder auf Tickets wurde mit 10:1 Stimmen gekippt. Alle anderen Entscheidungen fielen knapp aus: Ein Nein gab es zur Kooperation mit der Vereinigung "Citta Slow", dem Aufstellen von drei gesponserten Zwei-Zeitzonen-Uhren sowie dem Auslegen entsprechender Petitionen und dem Zeigen von Videos in Hotels auf Initiative der Stadt.


Schwerpunkt auf andere Themen

"Ein Fazit ist: Das Thema ist nicht die Kern-Kompetenz des Wirtschaftsförderers", fasste der amtierende Bürgermeister Toni Schick am Ende den Tenor der Abstimmungen zusammen. Wieden solle also nicht zu viel Zeit investieren.

"Ich bin mit Leib und Seele dabei, mich hier einzubringen und Bad Kissingen nach vorne zu bringen", betonte Wirtschaftsförderer Michael Wieden in der Sitzung des Wirtschaftsausschusses. Allerdings müsse er auch im Blick haben, wo seine Zeit am sinnvollsten eingesetzt ist. Mit den großen aktuellen Themen Steigenberger/Kurhaushotel und Fürstenhof befasse er sich deshalb kaum: "Da kann ich wenig tun" und "Da mischen so viele Leute drin herum, dass man wenig bewegen kann", nannte er zur Begründung.
Dafür gebe es viele andere Projekte, die Wieden zum Teil vorstellte, aber: "Ich darf in der öffentlichen Sitzung nicht über jeden Punkt reden." Als Beispiel nannte er Verhandlungen über ein 4000 Quadratmeter großes Grundstück in der ehemaligen Kaserne: Der mögliche Investor wolle vorerst nicht namentlich genannt werden.
Konkreter wurde Wieden bei anderen Projekten: So habe er zum Beispiel die Familie Schultheiss beim Projekt "Hahn im Korb" begleitet. Das Gasthaus soll im März eröffnen. Weigands Gaststätte sei sogar seit April wieder in Betrieb, das ehemalige Werner-Bräu wurde saniert, mit einem Laden zog wieder Leben in das Gebäude ein. Auch für den Gasthof Krone gebe es mehrere Interessenten, teilte Wieden mit. Für den geschlossenen Gasthof Körner in Arnshausen gebe es Überlegungen, einen Dorfladen einzurichten.


Dorfläden für Stadtteile

Über die Ansiedlung kleinerer Läden verhandelte Wieden mit dem Großhändler Igros auch für die Stadtteile Hausen und Reiterswiesen. Auf Nachfrage teilte der Wirtschaftsförderer mit, dass in Reiterswiesen nach wie vor der Verkauf des früheren Einzelhandel-Standortes nicht geklärt sei.
Auf den aktuellen Stand gebracht hat Wieden auch das Branchenregister auf der Homepage der Stadt. Seitdem hätten sich die Zugriffszahlen "vertausendfacht". Gemeinsam mit der Agentur Pulsismedia prüft der Wirtschaftsförderer zudem die Entwicklung eines Einzelhandels-Portals. Einwohner und Gäste sollen damit möglichst schnell abfragen können, wo es in Bad Kissingen welche Produkte und Marken gibt.


Vegane Karte im Golfrestaurant

Als Beispiel für konkrete Beratung nannte Wieden das Golf-Restaurant: Zum einen wurde mit dem Bad Kissinger Golf-Club über eine bessere Werbemöglichkeit beraten. Zum anderen soll es in dem Restaurant eine spezielle Karte für vegane Gerichte geben. Den Tag des offenen Denkmals nutzte Wieden, um Optionen für den ehemaligen Schlachthof vorzustellen: Rund 400 Besucher hätten sich dort umgesehen. In einer Masterarbeit wurde beleuchtet, welche Möglichkeiten es für das städtische Gebäude gibt.
In seiner Bilanz ging Michael Wieden zudem auf das große Medienecho für die Stadt ein: Vor allem das Thema Chrono-City habe viel Aufmerksamkeit für Bad Kissingen bedeutet. Wieden gab Interviews für in- und ausländische Zeitungen und Fernsehsender.

Weihnachtsmarkt Der Verein "Pro Bad Kissingen" hat auch für das laufende Jahr wieder beantragt, die Gestattungen an die Wirte beim Weihnachtsmarkt bis einschließlich 27. Dezember zu verlängern. Wirtschaftsförderer Michael Wieden teilte dem Wirtschaftsausschuss mit, dass dies bereits seit Jahren so gehandhabt wurde und auch heuer so geplant sei.

Badgasse Laut Wieden ist der Eingangsbereich der Badgasse wenig attraktiv. Deshalb hatte er den Anliegern dort vorgeschlagen, den Bereich durch Illusionsmalerei auf beiden Seiten aufzuwerten. Bei einem Treffen habe es dafür zunächst große Zustimmung gegeben. Schriftlich hätten jedoch bislang nur fünf Eigentümer ihr Einverständnis von damals bestätigt, obwohl dafür Förderung in Aussicht gestellt wurde. Die Maximalbelastung pro Eigentümer sollte damit auf 1000 Euro begrenzt werden. "Die Wirtschaftsförderung möchte nun Optionen prüfen, auf welchem Wege diese Malerei dennoch realisiert werden kann", sagte Wieden.

Fairer Handel SPD-Stadträtin Karin Reinshagen verwies in der Sitzung des Wirtschaftsausschusses auf einen Vortrag zum Thema Fairer Handel und Fair-Trade-Stadt. "Das geht uns alle an", verwies sie darauf, dass gerade angesichts der vielen Flüchtlinge ein gerechterer Handel mit Lebensmitteln sehr wichtig sei. Die Voraussetzungen für die Bezeichnung Fair-Trade-Stadt seien relativ einfach, so müsse etwa der Stadtrat bei seinen Sitzungen fair gehandelten Kaffee trinken. Die Verwaltung soll das Thema nun prüfen.

Salinenfest DBK-Stadtrat Florian Keßler verwies darauf, dass der Wirtschaftsausschuss auch für die Bereiche Tourismus und Kultur zuständig ist. Er vermisste bislang entsprechende Themen auf der Tagesordnung. Konkret fragte er nach, wie viele Besucher beim Salinenfest am Samstag gezählt wurden. "Wir hatten rund 2200 zahlende Erwachsene", berichtete Kulturreferent Peter Weidisch. Bürgermeister Toni Schick ergänzte, dass auch bei einem niedrigeren Eintritt nicht mehr reingepasst hätten.