Der Elternbeirat des Frobenius-Gymnasiums Hammelburg hat diese Theaterproduktion mit aktuellem Thema an die Schule geholt und auch komplett finanziert.

Stellvertretender Elternbeiratsvorsitzender Michael Hannawacker hoffte in seiner Begrüßung der 7. und 8. Jahrgangsstufe auf fruchtbringende Anstöße für das Zusammenleben im Klassenverband. "Denn Mobbing geht uns alle an, ob als Täter, Opfer oder Zuschauer."


Hilfe statt Anklage



Eine einfache Lüge hat alles in Gang gebracht. Freundin Nadine ist neidisch auf den Erfolg Leas bei einer Casting-Agentur. Daher gibt sie bei Lea vor, die Bandprobe falle aus. Den anderen aus der Band erzählt Nadine, dass Lea aussteige. Ganz langsam steigern sich die Kommentare auf Homepage, facebook und Schüler-VZ.

"Am Anfang habe ich noch versucht, mit den Leuten zu reden, doch das hat sie noch mehr angestachelt. Das Niveau der Kommentare ging auch sehr schnell runter," kommentiert Lea das Geschehen. Als Antwort stellt Lea einen Rap über ihre anonymen Mobber ins Netz. Das regt die Beleidiger nur noch mehr an.

Das filmende Handy ist allgegenwärtig. So bekommen auch der alleinerziehende Vater und Lehrer etwas mit. Denn auch das Video von der sturzbetrunkenen Lea wird online verbreitet. Aber auch Versuche der Erwachsenen, das Mobben einzudämmen scheitern. Die gedemütigte, verzweifelte Lea sieht keinen Ausweg mehr.
Auch die immer stärkere Nutzung der virtuellen Medien im Alltag wird in dem Theaterstück deutlich: "Du next Topmodel, du", kritisiert der überforderte Vater seine Tochter, "hättest du beim multitasking lieber auch was zu Mittag gekocht statt mit Chatroom, Musik und TV beschäftigt zu sein."


Stille bis zum Schluss



Im Publikum herrscht konzentrierte Stille bis fast zum Schluss. Die vorgestellten Situationen scheinen zumindest in Ansätzen bekannt zu sein. So rechtfertigt sich Strippenzieherin Nadine schulterzuckend: "Ich kann nichts dafür, ich hab doch nur angefangen. Lea zu verarschen, ist dann halt Sport geworden. Es ist doch logisch, dass alles online gestellt wird. Das hätte sie doch wissen müssen."

Die Schauspieler Benjamin Hirt und Anika Lehmann überzeugten in ihren Rollen. Sowohl als geschäftegeiler Casting-Manager, cooler, eigensüchtiger Andy, stotternder Freund Jo und überforderter Vater oder als fiese Freundin Nadine, als agierende und reagierende Lea oder als Kommentatoren.

Es kommt auch zu Lachern im Publikum an unpassenden Stellen, die nicht lustig sind, eher beklemmend. Darauf ging Moderator Lehrer Werner Seitz nach dem Stück ein. "Wenn uns etwas peinlich ist, wir unsicher sind, dann lacht man halt einfach, um zu überbrücken," kommentiert eine Schülerin das Verhalten. Seitz appellierte daher an die Schüler: "Erst einmal nicht mitlachen, erst einmal nachdenken, worüber eigentlich gelacht wird."


Handeln statt wegschauen



Schwierig wird es bei der Frage, wo wer noch hätte eingreifen können, um die Eskalation zu verhindern. Darauf gibt es auch im Nachhinein keine klare Antwort. Aber alles ist besser als wegschauen und mitmachen. Denn eines ist klar: Ursachen für Cyber-Mobbing liegen in der realen Welt, dem Schulhof oder Klassenzimmer. Und dort müssen sie gelöst werden, je früher desto besser.

Mobbing als Hänseln und Ausgrenzen hat es schon immer gegeben, aber die modernen Medien verschärfen die Wirkung bis ins Uferlose und Gefährliche. "Wir Lehrer sind dankbar, wenn uns etwas gesagt wird," ermutigt Seitz die Schüler, "denn meist bekommen wir davon nichts mit." Es gibt einen Lehrer-Arbeitskreis am Gymnasium, der sich mit dem Thema Mobbing beschäftigt und sich über Auffälligkeiten austauscht.

Das Thema des Theaterstückes wird nun im kleineren Klassenverband fächerübergreifend aufgearbeitet. "Es gibt sicherlich auch Tendenzen zum Mobbing in manchen Klassen, aber doch nicht so extrem wie in dem Theaterstück gezeigt oder wie man es von größeren Städten hört", meinte eine Schülerin. Die Schauspieler gaben den Schülern bei der Abschlussrunde die Forderung: "Glaubt an euch, lasst euch nicht runtermachen! Seid selbstbewusst!" mit.