Verena Schneider kann zaubern. Mit Eiern, Mehl, Schokolade und richtig viel Zucker. Sie kreiert Torten, mit und ohne Figuren, auch zwei- und dreistöckige Exemplare, einfach so, für Freunde oder Verwandte. Es ist ihr Hobby. Egal ob süße Kinderträume mit rosa Pferdchen, in Form eines Traktors oder stilvolle Hochzeits- und Motivtorten, sie scheut keine Herausforderung. Jetzt steht die junge Frau wieder in ihrer Küche und bereitet das nächste Kunstwerk vor. "Meine Schwägerin hat Geburtstag, da möchte ich sie mit einer Glückstorte überraschen", erzählt die 32-Jährige.


Glücksbad im Schokoschlamm

Als Motiv und Glücksbringer hat sie sich diesmal Schweinchen vorgenommen, die in einem Matschkübel, gefüllt mit glücklich machenden Schokoladen-Schlamm, baden. Nicht nur den Tortenkorpus aus Knusper-Riegeln und Blockschokolade, sondern auch jedes Tier hat Verena Schneider tags zuvor selbst angefertigt, den Biskuitboden am Morgen frisch gebacken. "Die Schweine habe ich aus Fondant gemacht, einer fertigen, formbaren Zuckermasse", erklärt sie. Aber damit allein ist es nicht getan.

Allerhand professionelle Hilfsmittel kommen beim Gestalten der Figuren zum Einsatz, wie beispielsweise Lebensmittelfarben, Bäckerstärke, Zuckerkleber und Stäbchen zum Verzieren. Schließlich gehören auch eine gehörige Portion Fingerfertigkeit und Muße dazu, die verschiedenen Körperteile und Details wie die kleinen Öhrchen oder das Ringelschwänzchen zu formen. "Ich kann dabei wunderbar entspannen", erzählt die dreifache Mutter, die sich häufig abends, wenn ihre kleinen Racker schlafen, Zeit für ihr Hobby nimmt. Wenn mal ein größeres Tortenprojekt ansteht, das deutlich umfangreicher ist und mehrere Tage dauert, dann übernehmen auch schon mal ihr Mann Sebastian oder die Großeltern die Kinderbetreuung.


Auf die Empfänger zugeschnitten

Ausgelöst hatte den Tortenzauber 2012 der erste Geburtstag von Tochter Pauline. "Damals habe ich einen Kuchen gebacken und diesen mit einer selbstgemachten Kuh und etwas Wiese verziert", erzählt sie. Schließlich betreibt die Familie Schneider einen Bauernhof in Wollbach. Inzwischen geht sie deutlich aufwendigere Projekte an, wie etwa die Heidi-Torte, die sie erst vor Kurzem für die gleichnamige Freundin zum 30. Geburtstag angefertigt hat. "Wenn so ein Ereignis im Freundes- oder Familienkreis ansteht, mache ich mir jedes Mal Gedanken darüber, was der betreffenden Person gefällt, was ihre Hobbys sind und wie ich das in Form einer Torte verarbeiten kann." Oft stöbert Verena Schneider dann im Internet oder in Malbüchern, um sich Anregungen zu holen.
Zudem blättert sie immer wieder die "Bibel der Tortenbäckerinnen" von Bettina Schliephake-Burchardt durch.

Sobald das Tortenvorhaben Form angenommen hat, beginnt sie zu planen: Welche Zutaten brauche ich, wo bekomme ich diese her, welche Reihenfolge muss ich bei der Zubereitung und Herstellung der einzelnen Komponenten beachten und wie viel Zeit nimmt das alles in Anspruch? Erst dann kann Verena Schneider loslegen. Das Backen und Anfertigen der verschiedenen Cremes und Füllungen bereitet ihr kaum noch Probleme. "Man hat da so seine Erfahrungen, Kniffe und Tricks, tauscht sich mit anderen Hobbybäcker
innen aus", sagt sie. Zum Beispiel, wie man einen richtig guten Biskuitboden hinbekommt. "Ich verwende dafür das Grundrezept Wiener Masse, bei dem ich je nach Torte einzelne Komponenten austauschen oder ergänzen kann".

Außerdem seien gute Zutaten wichtig, keine Billigprodukte, und auch ordentliche Hilfsmittel und Küchengeräte. Besonders stolz ist Verena Schneider deshalb auf ihre Küchenmaschine, ein richtig teures Gerät. "Dafür habe ich lange gespart. Darauf lasse ich nichts kommen", schwärmt sie. Damit ließen sich beispielsweise Sahne, Cremes und auch die Eier für den Biskuitteig hervorragend aufschlagen. "Er wird dadurch besonders fluffig."


Keine Frage des Geldes

Wie viel Zeit sie braucht, um eine Torte anzufertigen, kann die Hobbybäckerin pauschal nicht sagen. Je nach Aufwand gehen zwischen vier und 15 Stunden drauf. Entsprechend lasse sich der Wert des Kunstwerks auch nur schwer beziffern. Aber der ist ihr auch nicht wirklich wichtig. "Denn das Schönste an jeder Torte ist, das überraschte Gesicht des Beschenkten zu sehen", sagt sie.

Inzwischen wird Verena Schneider immer öfter darauf angesprochen, ob sie nicht auch Auftragstorten anfertigen könne, ihre Kunstwerke quasi verkauft. Reizen würde die junge Frau, die Förderlehrerin in Elternzeit ist, diese Nebenbeschäftigung schon. Allerdings sind die Auflagen besonders in hygienischer Hinsicht sehr hoch. Zudem ist fraglich, ob die Leute für eine solch aufwendig gestaltete Torte auch zwischen 50 und 100 Euro ausgeben würden. So viel müsste sie nämlich schon verlangen, nicht nur für die Zutaten, sondern auch für ihre Arbeitszeit. Doch Verena Schneider hat noch eine andere Idee: "Vielleicht gebe ich auch einfach nur Kurse rund ums Tortenbacken und wie man solche Kunstwerke aus Eiern, Mehl und Zucker zaubert."