Sophie Mettendorf und Maximilian Krell gehören zu den rund 130 Berufsschülern im Fachbereich Kfz der Staatlichen Berufsschule Bad Kissingen. Mettendorf stammt aus Bad Königshofen, Krell aus der Nähe von Oberhof in Thüringen. Die beiden 18-Jährigen machen ihre Ausbildung in Hammelburg bei der Bundeswehr, beide im zweiten Lehrjahr. Und der Block-Unterricht in Bad Kissingen macht seit Kurzem besonders viel Spaß: "Das ist schon cool, dass wir ein Hybrid-Fahrzeug haben, weil wir damit viel näher an der neuen Technik dran sind", sagt Maximilian Krell.


266, statt nur zwölf Volt

Die beiden angehenden Mechatroniker müssen sich bei dem neuen Audi Q5 2.0 TFSI hybrid quattro an etliche neue Handgriffe gewöhnen, denn: Durch das Fahrzeug verlaufen Leitungen, die mit 266 Volt unter Spannung stehen. Eine gewöhnliche Auto-Batterie hat gerade einmal zwölf Volt. "Das ist schon was anderes, wenn man weiß, dass da so viel Spannung drauf liegt", sagt Sophie Mettendorf, während sie Messgeräte anschließt.
Die herkömmliche Autoelektrik stelle keine große Gefahr dar, berichtet Lehrer Peter Dacho: "Wenn man nicht gerade die Batterie kurzschließt, kann da gar nichts passieren." Die Hybrid-Fahrzeuge, insbesondere bei Audi, hätten zwar auch jede Menge Sicherheitseinrichtungen. Trotzdem sollte jeder Mechatroniker wissen, wie Fahrzeuge stromfrei geschaltet werden und wie sich das testen lässt. Dafür hat die Berufsschule auch ihre Messtechnik nachgerüstet.


Eine der ersten Amtshandlungen

Gleich zu Beginn ihrer neuen Tätigkeit als Leiterin der Bad Kissinger Berufsschule habe der Fachbereich Kfz bei ihr wegen eines neuen Fahrzeugs angeklopft, berichtete Karin Maywald. "Eine Berufsschule könnte sich das gar nicht leisten", verweist sie jedoch auf den Listenpreis des Q5 von rund 65 000 Euro. Das wären fast die gesamten Investitionen für das laufende Jahr: 97 220 Euro sind für die Ausstattung der Berufsschule im Kreis-Haushalt 2016 eingestellt. Davon werden unter anderem Maschinen, Werkzeuge, sonstige Betriebs- und Geschäftsausstattung oder EDV-Lizenzen bezahlt. "Der Bereich Kfz ist unter unseren sechs Fachbereichen derjenige, der am rasantesten Schritt halten muss", betont Maywald.
Möglich war die Anschaffung nur durch Sponsoren, der größte davon war Audi selbst: Rund 5500 Euro hat der Q5 der Schule nur gekostet. Für die 2500 Euro teure Messtechnik sprang das Versorgungswerk der unterfränkischen Innungen ein: "Wir verteilen unsere Überschüsse auf sämtliche Berufsschulen im Bezirk", berichtet Gerd Schießer vom Versorgungswerk.


Seit Kurzem neu im Lehrplan

An dem neuen Q5 hat Peter Dacho bereits seine Lehrer-Kollegen geschult: Neun der 15 unterfränkischen Berufsschulen bilden Mechatroniker aus. Dacho war einer von zwei Lehrern aus ganz Bayern, die direkt bei Audi für die Hochvolt-Technik ausgebildet wurden und ihr Wissen jetzt weitergeben. "Die Hybrid-Technik steht neu im Lehrplan, das Thema ist also verpflichtend", berichtet Dacho. In einigen Schulen werde das Thema nur theoretisch behandelt, allerdings hätten sich die meisten in den vergangenen Jahren Fahrzeuge besorgt.
Fachbetreuer Achim Herkert stellte schmunzelnd fest, dass der Q5 gar nicht der erste Hybrid der Schule sei: Schüler haben schon vor Jahren ein Fahrrad aus dem Jahr 1935 zum E-Bike umgebaut. Herkert sieht den Hybrid-Antrieb als Übergangsstufe: "Die Elektromobilität wird kommen", ist er sich sicher. Der Fachbetreuer dankte insbesondere Thomas Mahlmeister vom Bad Kissinger Audi-Autohaus "Gelder und Sorg". Die ist zwar Stützpunkthändler Hybrid, aber: "Wir stehen mit der Technik noch ziemlich am Anfang", verweist Mahlmeister darauf, dass es noch relativ wenige Hydrid-Audis in der Region gibt. Das liege unter anderem am aktuell niedrigen Diesel-Preis, vermutet er. Zudem werde die Technik stärker in Ballungsräumen beworben.