Namen wie Patrick Lindner oder Geschwister Hofmann ziehen das Publikum magnetisch an. Gemeinsam mit dem Jugendmusikkorps und anderen Stars begeisterten die Musikanten und Sänger im Littmannsaal des Regentenbaus. Alles war nach seinem Geschmack: der Musikmix, Armin Stöckl, der Sänger und Moderator des "Startreffs", Hits der Schlagerstars im Wechsel mit volkstümlicher Musik und Ohrwürmern der 70er und 80er Jahre. Das ist ein Rezept für hohe Einschaltquoten. 16 Sender übernehmen die Aufzeichnung der Show aus dem Regentenbau, die Anfang November ausgestrahlt wird.
Bruno Heynen, Organisator der von der Staatsbad GmbH präsentierten Veranstaltung, stellte fest: "Das ist nach Operettenzauber und Orchestertreffen 60+ die dritte Veranstaltung des Genres 'leichte Musik' in diesem Monat. Und jede hatte fast tausend Besucher. Die Gäste wollen das sehen". Dass die TV-Übertragungen Werbung für die Stadt ist, versteht sich von selbst.

Spektakulärer Start

Die Show begann spektakulär. Durch den dunklen Saal huschten bunte Lichter, tanzten über Wände und Decken, formierten sich zu flimmernden Figuren, zu Musikinstrumenten und der Botschaft "Startreff in Bad Kissingen". Untermalt von immer laute werdender Musik wurde der holzgetäfelte Saal zu einer Disco mit tanzender Lasershow.
Moderator Armin Stöckl nahm das Publikum mit Charme und Ausstrahlung sofort gefangen. "Ich bin begeistert, in so einem herrlichen Saal auftreten zu dürfen", rief er und brachte so vor allem das einheimische Publikum auf seine Seite. Bereits mit seinem ersten Lied riss der Musicalsänger das Publikum zu ersten Beifallstürmen hin.
Das gehört zum "Warm up" , wurden die Zuschauer aufgeklärt. Sodann waren alle Kameras auf die Stars gerichtet, die alle aufwendig angekündigt wurden. Das Jugendmusikkorps eröffnete den Reigen - sicher ein Zeichen dafür, welchen Ruf sich die jungen Repräsentanten der Kurstadt unter Leitung von Musikdirektor Bernd Hammer inzwischen erworben haben. Und ihr schmissige r Auftritt heizte dem Publikum weiter an.
Gaby Baginsky, Showgröße der 80er, eröffnete den Reigen der Stars, bevor der junge Marquardt Petersen seiner Trompete strahlende Töne entlockte. Die Akustik des Littmannsaales war idealer Resonanzboden für die Jungen Tenöre, die seit Jahren die Szene bereichern und auch hier ihre Lieder bis hinauf zur Königsloge schmetterten. Dann kam Oktoberfeststimmung auf. Marilena wirbelte im Dirndl mit ihrem Lied "A Lausbua muass er sei" von der Bühne ins Publikum. Mit ihrem Lied "Weil i di mog" hatten die Musiker von Relax einen Riesenhit und galten in den 80ern als bayrische Kultband. Hier hallte der Refrain, hundertfach von den Zuschauern verstärkt, von den Rosenholz wänden des Saales.

Publikum wird einbezogen

Ein Grund für den Erfolg dieses Showkonzepts ist offenbar, das Publikum mit einzubeziehen. Und so plauderte der Moderator ganz zwanglos mit den Gästen. Mit Oberbürgermeister Kay Blankenburg und Gattin Michaela hatte er kongeniale Partner. Das Stadtoberhaupt machte geschickt Werbung für Bad Kissingen und zeigte sich schlagfertig, als er dem Moderator beim fiktiven Kurs "Fränkisch für Anfänger" gleich "En Schobbe Wein und Broatwürscht mit Kraudd" empfahl. Ein E-Gitarren Solo im Stil eines Ricky Neson der 60er Jahre legte Hans Edler auf Parkett, bevor es nostalgisch wurde.

Raddampfer und Tränchen

Bunte Laser zeichneten einen Raddampfer auf die Bühne, dazu sang Toni Willé, Leadsängerin von Pussycat und noch immer mit markanter Zahnlücke und unverwechselbarer Sandpapierstimme ihren Welthit "Mississippi", und der ganze Saal summte mit. In Handtäschchen wurde nach Taschentüchern gesucht, um die Tränchen zu trocknen. Bei Schlagerstar Josef Holzmann, ständiger Gast bei verschiedenen Musikshows, wurde fleißig mitgeklatscht.
Zu den Großen des Schlager-Genres gehören Anita und Alexandra Hofmann. Die Geschwister mischen die Szene seit fast 25 Jahren auf und begeisterten auch in Bad Kissingen mit Liedern, Ausstrahlung und perfekt choreografierten Showeinlagen. Schlag auf Schlag ging's weiter. Armin Stöckls Tenor überzeugte erneut mit "Du bleibst bei mir" und - mit dem Publikum als Chor - beim Loblied auf den Chiantiwein.
Keine Zeit zum Durchatmen blieb den Zuschauern. Bei Gerd Voigts Kerzenbalance auf der Florettspitze hielt alles den Atem an, bevor Mom Bees Soulstimme einen Hauch vom New Orleans verbreitete.

Knapp bemessene Zeit

Gerne hätte man der Peter Weisheit Band mit Medleys im Glen Miller Stil länger gelauscht, aber der zeitliche Rahmen einer Fernsehshow diktierte die Abläufe. Zeit, dass Patrick Lindner seine Ausnahmestellung in der Schlagerszene inszenierte, und auch in Bad Kissingen schwoll die Lautstärke, kaum dass er die Bühne betrat. Locker plauderte er mit dem Moderator, vergaß nicht ein paar Komplimente für das tolle Kissinger Publikum und die schöne Stadt und riss mit seinem "Ole-Ola" die Besucher zu Beifallstürmen hin.
Zum großen Finale versammelten sich dann, umrahmt vom Jugendmusikkorps, alle Künstler auf der Bühne und erhielten langen Abschiedsapplaus. Das Publikum war sichtlich angetan von der temporeichen Inszenierung des Abends. Dass die eine oder andere Ansage, dem Fernsehen geschuldet, wiederholt wurde, fiel da ebenso wenig ins Gewicht wie die Tatsache, dass vieles nicht live gesungen und gespielt wurde. Das sind die Kompromisse für eine perfekte Fernsehshow, meinten viele. OB Blankenburg drückte es so aus: "Man sieht nur glückliche Gesichter. Den Zuschauern hat's Spaß gemacht."