"Es gefällt mir sehr gut hier", schwärmt Alejandra Alas aus El Salvador,. "die Familie hat mich herzlich aufgenommen. Ich gehe zusammen mit meinen Gastschwestern in die Schule, und am Abend essen und spielen wir zusammen oder sehen uns auch mal eine DVD an. Ich bin begeistert."

Und sie ist nicht die Erste hier: Ein Mädchen aus Argentinien war für elf Monate da, eine aus Neuseeland für acht Monate und eine Schülerin aus Kolumbien für einen Monat. "Und jetzt haben wir Alejandra aus El Salvador für ein viertel Jahr." Das Familienoberhaupt, Oliver Hagen, ist bei der Bundespolizei in Oerlenbach beschäftigt und hat fünf eigene Töchter. Die Älteste, Pia, ist 19 Jahre und studiert Lehramt in Würzburg. Die Zwölf- und 13-Jährigen, Enya und Kira, besuchen das Gymnasium in Münnerstadt, die zehnjährige Maxima die Grundschule Oerlenbach, die fünfjährige Mara ist hier im Kindergarten. Ist es da nicht mehr als erstaunlich, noch ein weiteres Mädchen aufzunehmen? "Das ist für uns kein Problem", bekennen die Eheleute und hoffen, dass auch ihre Kinder einmal einen Schüleraustausch erleben können.

Nach den guten Erfahrungen mit den ersten drei Mädchen reagierten Sonja Messerschmitt und Oliver Hagen, als per Annonce Gastgeber für Schüler/innnen aus El Salvador gesucht wurden. 20 Mädchen und Jungen kamen am 13. September in Berlin an. Für Alejandra ging es drei Tage später - nach einer Einweisungsveranstaltung und Sightseeing - in Richtung Oerlenbach.


Rundum angetan

Die 16-Jährige aus dem kleinen Land in Mittelamerika - etwa so groß wie Hessen - strahlt übers ganze Gesicht, wenn sie ihre Eindrücke schildert. "Ich bin rundum angetan. Alle sind sehr nett zu mir. Wir waren schon shoppen und reiten. Fußball ist mein Hobby, ich spiele zu Hause in San Salvador in der Schulmannschaft. Ich war schon mit zum Training bei einer hiesigen Damenmannschaft, habe mich aber am Knöchel verletzt." Auch habe ihr Gastvater sie schon zum Zweitligaspiel Greuther Fürth gegen St. Pauli mitgenommen, erzählt sie.


Unterricht in Deutsch

Zu Hause wird der Unterricht - ausgenommen Englisch und Spanisch - gänzlich in Deutsch erteilt. So kommt sie in der 10. Klasse im Gymnasium Münnerstadt gut zurecht. "Mathematik ist ganz schön schwierig", gesteht sie, "Wirtschaft und Recht sind für mich ganz neu." Latein gebe es zu Hause gar nicht. Sie hat noch eine fünfjährige Schwester. Ihr Vater ist Eventmanager, ihre Mutter arbeitet bei einer Bank. Sie wohnt in einem Dorf, zehn Minuten von der Hauptstadt entfernt.

Heimweh habe sie schon ein bisschen, aber sie weiß heute schon, dass es auch nicht leicht werde, wenn sie am 11. Dezember wieder zurückfliegt. Dennoch: "Den nahen Strand am Pazifik und die Wärme vermisse ich schon", erklärt sie. Hier sei es doch kälter und unbeständiger, aber: "Das Essen ist lecker. Es gibt so viele Brotsorten und tolle Schokolade", hat sie schon festgestellt. Nationalgericht zu Hause seien "Tortillas", ein Maisgericht mit verschiedensten Füllungen.


Das "Original" Oktoberfest

Highlight bisher? "Das Oktoberfest in München." Eine Freundin, die in Lüneburg bei Gasteltern untergebracht ist, besuchte Alejandra. Per Zug fuhren die Beiden nach München. Dort hat es zwar den ganzen Tag geregnet, trotzdem waren so viele Besucher da, eine große Anzahl davon in typisch bayerischer Tracht. "Das hat uns begeistert", berichtet sie. In San Salvador, der Hauptstadt ihres Heimatlandes, gebe es auch ein Oktoberfest, aber in Miniformat, gar nicht zu vergleichen mit dem Original.

Ganz anders als bei uns: Sie hat schon den Autoführerschein. "Den kann man bei uns mit 15 Jahren erwerben. Allein und ohne erwachsene Begleitung fahren dürfen wir bis 22 Uhr." In die Disco dürfe sie zu Hause erst ab 18 Jahre. Hier begleitete sie ihre Gastmutter in eine Disco in Bad Kissingen. "Die Musik war mir nicht fremd, es war ganz schön", sagt Alejandra.

Auf die Zukunft hin angesprochen, meinte sie, zuerst das Abi mit dem Schwerpunkt Englisch und anschließend in Deutschland studieren. Was, das stehe noch in den Sternen.


Nur Schnee kennt sie nicht

Ihr Lächeln jedenfalls verrät, dass es ihr rundum gefällt, dass sie sich überall willkommen fühlt und dankbar für all das, was ihr geboten wird. Dazu zählen deutsche Kultur und Lebensart, die sie bei Ausflügen in die Umgebung bereits kennen gelernt hat bzw. noch kennen lernen wird. Schnee habe sie aber noch nie gesehen. Vielleicht hat sie ja Glück und sie kann ihn hier noch erleben. Zu wünschen wäre es ihr für Schneeballschlacht und Schlittenfahrt.