Eine wahrhaft große Messe stand im Zentrum des Kissinger-Sommer-Gottesdienstes in der Herz-Jesu-Stadtpfarrkirche, Joseph Haydns "Missa St. Bernardi de Offida", seine "Heilig-Messe" für Soli, Chor, Orchester und Orgel. Diese wurde nicht als Block musiziert, sondern als Teil der Liturgie, wie es seit dem Beginn der Kirchenmusik in der katholischen Kirche üblich ist. Stadtkantor Burkhard Ascherl gestaltete als Organist auch den Beginn und das Ende der Messe mit Felix Mendelssohn-Bartholdys Allegro aus dessen IV. Orgelsonate und Camillo Schumanns "Toccata" aus dessen 6. Sonate für Orgel.
Zelebrant Kaplan Paul Reder nahm in seiner Predigt die beiden Lesungen dieses Sonntages aus dem Buch Amos und der Aussendung der Apostel im Markusevangelium zum Anlass, nicht nur seine Gläubigen daran zu erinnern, dass jeder einzelne unter ihnen die Pflicht hat, seinen Glauben zu verbreiten. Doch gebietet ihnen Markus in seinem Evangelium nicht zu vergessen, dass dies gewaltfrei geschehen muss und der so missionarisch Tätige von Gott verpflichtet wird, es in Armut und Bescheidenheit, ohne Arroganz und Besserwisserei zu tun. Mit dem Hinweis darauf, dass "christliche Kultur und Kunst Verkündigung der Schönheit Gottes sei", machte er klar, wie sehr auch die im Gottesdienst zur Aufführung gebrachte Haydn-Messe zum Auftrag der Verbreitung des Glaubens gehört.

Konsequente Vorbereitung

Burkard Ascherl hatte die Sänger seiner Kantorei sehr gut auf ihre Aufgabe vorbereitet. Vom klaren, sehr deutlichen, dynamisch und rhythmisch überaus differenzierten Singen, das die unterschiedlichen, zum Teil sehr komplex gestalteten Teile der Messe erfordern, bis zum verständlichen Artikulieren der uralten lateinischen Messtexte bewies der Chor, dass er seiner Aufgabe glänzend gewachsen war. Vom wuchtigen Beginn des "Kyrie" bis zum innigen "Agnus Dei" zeigten sich die Chorsänger sehr präsent, reagierten sehr geschmeidig und immer mit dem Hauptaugenmerk auf den Inhalt des liturgischen Textes.
Wie es schon bewährte Tradition in der Kirchenmusik der Herz-Jesu-Kirche ist, spielte das Residenzorchester Meiningen mit seinen Streichern und Bläsern als absolut sicheres und einfühlsames Begleitensemble den Orchesterpart. Immer hatten Chor und Solisten genügend Raum zur Entfaltung, an keiner Stelle wurden sie von der Macht der Instrumente in den Hintergrund gedrängt.
Und Ascherl hatte auch wieder "seine" ganz ausgezeichnet interpretierenden Solisten verpflichtet: Brigitte Ascherl mit ihrem strahlenden und dennoch weichen Sopran, Katrin Edelmann mit ihrem runden, durchsetzungsfähigen Alt, Gerhard Göbel mit seinem leicht geführten Tenor und Simon Tischler mit seinem immer wieder auch in den Tiefen erstaunlich wendig geführten Bass arbeiten schon lange mit der Kantorei zusammen. Sie sangen ganz ausgezeichnet miteinander und mit dem Chor.

Stimmiger Gesamteindruck

So konnte unter dem umsichtigen Dirigat Burkhard Ascherls ein absolut harmonischer Zusammenklang der einzelnen Stimmen entstehen, ganz entsprechend der Ermahnung in der Predigt, dass die christliche Wahrheit "symphonisch", also nicht von Individuen verbreitet werden soll. Symphonisch und stimmig war denn auch der Gesamteindruck dieser langen und sehr differenziert ausgestalteten Messe in einer überfüllten Kirche. Entsprechend den Predigtworten: "Sinfonische" Verkündigung pur.