Dass es Frauenpower gibt, ist heute eine Selbstverständlichkeit. Die Gründung einer Frauen-Union vor 40 Jahren in Hammelburg gehörte damals eher zu den Besonderheiten. Jetzt feierten diese immer noch aktiven Frauen ihr Jubiläum Hotel Kaiser. Die Akkordeongruppe von Andrea Schaub-Reinisch setzte den musikalischen Rahmen.

"Mein Mann ermunterte mich vor 40 Jahren, Mitglied der Frauen-Union zu werden", erzählt die Mitgründerin und jetzige stellvertretende Vorsitzende Erna Sell. Georg Sell war damals Stadtrat und habe die Frauen-Union sehr begrüßt. "Ich war damals eine junge berufstätige Frau und wollte mich auch politisch einbringen", erzählt Erna Sell weiter. Ähnlich war es der heutigen Vorsitzenden Annemarie Binder ergangen, die auf Bitte ihres Ehemanns Norbert (damals Stadtrat) die Frauen-Union mitgründete.

Keinen eigenen Ortsverband hatten die Frauen aus der Marktgemeinde Oberthulba auf die Beine gestellt. So waren auch Maria Neder, Ehefrau von Altlandrat Herbert Neder, Inge Adam, Ehefrau von Altbürgermeister Gerhard Adam, sowie Rita Schmitt den Hammelburgern beigetreten. "Zita Zeier hatte mich bei einem Gespräch im Vorfeld von der guten Sache der Frauen-Union überzeugt", erinnert sich Maria Neder. Seit vier Wochen ist als Vertreterin der jüngeren Generation die Hammelburgerin Kerstin Körber Mitglied in der Frauen-Union. "Annemarie Binder hat mich so nett gefragt, da bin eingetreten", sagt sie. "Ein bisschen junges Blut kann nicht schaden."

Zita Zeier war treibende Kraft

Treibende Kraft war im Gründungsjahr 1973 die damalige Stadträtin Zita Zeier. Bevor es den Ortsverein Hammelburg gab, war Zeier seit 1965 auf Bezirksebene bei der Frauen-Union tätig. Genau kann sie sich an ein erstes Zusammentreffen von Frauen der Stadträte am 17. März 1973 erinnern. Im folgte nur wenige Wochen danach die Gründungsversammlung am 4. April. Ein Dutzend der damals 20 Gründungsfrauen war jetzt zur Jubiläumsfeier erschienen: neben Zeier und Binder waren es Inge Adam, Elfriede Böhm, Marianne Ehling, Berta Hepp, Maria Neder, Maria Otte, Mathilde Schäfer, Rita Schmitt, Erna Sell und Blanka Traumann.

"Unsere Frauen-Union war von Anfang an kein Kaffeeklatsch sondern mischte sich in die Politik ein", wies Zeier in ihrem Rückblick hin. "Das fing schon kurz nach der Gründung an, als sich die Frauen in der "Jetzt red' I"-Sendung des Bayerischen Rundfunks am 10.April 1973 für den St-Marien-Kindergarten einsetzten", erzählte Zeier. Stets seien soziale Anliegen, wie das Jugendzentrum, Altenheimbesuche, Kinderdörfer, die Caritas-Sozialstation oder Behinderteneinrichtungen für die Frauen-Union im Vordergrund gestanden. Das nötige Spendengeld für die sozialen Projekte sei auf den Hammelburger Märkten im Frühjahr und Herbst oder bei der Tombola erarbeitet worden, so Zeier.

Dritte Bürgermeisterin Elisabeth Wende (CSU), selbst aktives Mitglied der Frauen-Union, dankte Zeier und Binder für deren Jahrzehnte langes Engagement. Wende überreichte ihnen einen bunten Blumenstrauß der Erinnerungen an die vielen Aktivitäten. "Sorge bereitet mir die demographische Entwicklung bei uns auf dem Lande", hob sie hervor. "Zita Zeier bedeutet uns in Hammelburg so viel wie den Würzburgern die Barbara Stamm", lobte CSU-Ortsvorsitzender Detlef Heim.

"Wir Frauen fühlen uns hier wie in einer Großfamilie und eine Politik ohne uns Frauen ist nicht mehr denkbar", erinnerte Karin Renner (CSU), Vizepräsidentin des unterfränkischen Bezirkstages, an das Vorbild Dr. Maria Probst. "Diese Frauenpower brauchen wir", wies Landrat Thomas Bold auf den Zeitwandel im Sinne der Geschlechtergleichheit hin.

Dass es vor 40 Jahren schon aktive Frauen in der Politik gab, machte MdB Dorothee Bär (CSU) in ihrer Festrede am Beispiel der ehemaligen Bundestagspräsidentin Annemarie Renger deutlich. Bär erinnerte an die vielen Ziele, die sich die Frauen in den 70er und 80er Jahren erkämpften: so zum Beispiel in den Bereichen Rente, Krankenkasse, Familien- und Arbeitsrecht bis hin zur Offiziers-Laufbahn des Sanitätsdienstes für Frauen bei der Bundeswehr. "Gerade die Frauen-Union und die CSU müssen sich auch heute noch dafür einsetzen, dass alle Lebensentwürfe der Frauen und der Familien unterstützt werden", blickte Bär in Richtung Mutterschaft und Kleinkinder. Eine berufstätige Mutter sei keine Rabenmutter.