Bruno Heynen (Staatsbad GmbH) strahlt mit der Sonne um die Wette: Summertime 2013 war ein voller Erfolg. Jeweils mehr als 800 Besucher zählte man bei den beiden Konzerten. Alles sei spitze gelaufen, zumal das Wetter fast optimal gewesen sei. Man müsse mit dem Programm allen Generationen Rechnung tragen. Das sei ein Spagat, "aber den kriegen wir hin", sagt Bruno Heynen. Und: "Die Bad Kissinger brauchen etwas, um in Stimmung zu kommen, aber nach 30 Minuten war die Tanzfläche voll."

Am Sonntag war beim Familientag für alle Altersklassen etwas da. Das Alkoholverbot in den Anlagen war außer Kraft gesetzt. Die Älteren hatten etwas vom Weißwurstfrühstück und vom Konzert des Kurorchesters. Auch bei den Kleinen kam keine Langeweile auf. "Schön, dass viel für die Kinder geboten wird, am liebsten würden sie alles gleichzeitig machen", sagt Bianca Schipper, während Timo (vier) sich von Xenia Simon schminken lässt. Nebenan balanciert Olivia auf einem dünnen Stahlseil, ihre Mutter leistet anfänglich Hilfestellung.

Hüpfburg und Riesenrutsche sind belegt, beim Glücksrad sind Kleinigkeiten zu gewinnen. Nur Musik gibt es nicht: Von 13 bis 15 Uhr ist Ruhepause. Am Freitag- und Samstagabend ging es lautstärker zur Sache.

"Die Kubaner kommen"

Hunderte von Kerzen brannten am Freitag, Bratwürste lagen auf dem Holzofen-Grill, die Hugos waren vorbereitet, und auch das Wetter spielte mit - Summertime im Kurgarten begann. Die Staatsbad GmbH hatte mit "Soneros de Verdad" und "Voodoo Lounge" zwei unterschiedliche Bands engagiert, die für tolle Stimmung sorgten.
"Die Kubaner kommen", hieß es auf der Drehbühne. Wo sonst getragene Melodien des Kurorchesters erklingen, sorgten "Soneros de Verdad" (Die Sänger der Wahrheit) mit Luis Frank Arias für karibische Rhythmen. Der "Son Cubano" entwickelte sich aus der Verschmelzung kubanischer Trommelrhythmen und der Gitarrenmusik spanischer Einwanderer. Bekannt - wiederentdeckt - wurde der Musikstil durch Wim Wenders Film "Buena Vista Social Club" von 1999 und gewann dadurch weltweit viele Fans.

Routiniert und ohne Pause

Auch in Bad Kissingen ist "Son Cubano" angekommen, jedenfalls bei den Besuchern der "Summertime-Konzertreihe". Die heißen Rhythmen passten zu den Temperaturen und gingen nicht nur ins Ohr, sondern direkt ins Blut und in die Beine. Schon nach dem ersten Stück bevölkerte sich die Tanzfläche vor der Bühne. Mambo, Rumba, Cha-Cha-Cha, Salsa oder Merenque - eine Mischung der verschiedensten "lateinamerikanischen" Tanzstile sah man. Und die hatten eins gemeinsam:Von den Hüften abwärts sehr beweglich und sehr körperbetont - mal ganz allein für sich, mal als anschmiegsames Paar.

Immer mehr konnten den mitreißenden Melodien nicht mehr widerstehen, so dass die Biertisch-Garnituren und Sitzbänke immer leerer wurden und die Tanzfläche immer voller. Zum Stil passten die sieben Spitzenmusiker aus dem Lande Castros: Trotz sommerlichen Temperaturen und mehreren Tausend Watt Bühnenlicht traten sie mit Jackett und teils mit Hut auf - und starteten pünktlich um 20 Uhr mit ihrer zweistündigen Bühnenshow, die sie routiniert und ohne Pause abspulten.

Die Band um Luis Frank Arias, den Leader und Sänger der Gruppe, die sich selbst als "die zweite Generation des Buena Vista Social Clubs" bezeichnet, begeisterte. Mit ihrem Reichtum an musikalischer Erfahrung und der geballten Fingerfertigkeit seiner Musiker gelang es "Soneros de Verdad" spielend, das Publikum mitzureißen.
Schmerzlich war für die meisten der Schlussakkord, der schon gegen 22 Uhr erfolgte und man die kubanischen Profis nur noch für eine Zugabe auf die Bühne locken konnte - ein wenig "Business als usual", trotz der mehrfachen Betonung, dass es ein großartiger Abend in Bad Kissingen sei. Ein kleiner Ausgleich war die "Autogramm-Stunde", bei der sich vor allem die weiblichen Fans hervortaten.

Einen anderen Musikstil präsentierte "Voodoo Lounge" am Samstagabend an gleicher Stelle, der aber nicht weniger Gäste anzog und ebenso tanzbar gespielt wurde: Über 800 Besucher erlebten eine Rolling-Stones-Show mit Bobby Ballasch als gelungener Mick-Jagger-Adaption. Es fehlten nur die Falten im Gesicht, aber ansonsten könnte man den Frontmann von "Voodoo Lounge" als Original feiern.

Fast wie der "echte"Jagger

Mit ihrem Band-Namen beziehen sich die sechs Musiker auf das 20. Studio-Album der Rock-Veteranen aus dem Jahre 1993 - und das zu Recht. Denn mit dem Sound - dem anfangs zu viel Bass beigemischt war - und der Bühnenshow kommt man nahe an die Stones heran. Den Rest erledigt Bobby Ballasch im Alleingang: das typische Outfit - anfangs rotes Satinhemdchen, offen, die leicht kreischende Tonlage, das ausladende Gestikulieren, die artistischen Verdrehungen des schlanken Körpers und vor allem die Mimik rund um den Schmollmund hat er vom großen Mick Jagger abgeguckt und perfektioniert.

Mit ihrem Repertoire macht die Band eine Zeitreise durch fünf Jahrzehnte, die von Jagger, Keith Richards, Ron Wood und Charlie Watts geprägt worden sind. "Jumpin´ Jack Flash" (1968) gehörte ebenso dazu wie die Mitsing-Hymne "Angie" (1973) oder "Start me up", "Brown Sugar", "You Can´t Always Get What You Want", "Miss You” und "Satisfaction".

Das generationenübergreifende Publikum - mit Schwerpunkt jenseits der 40 - dankte es der Band mit unermüdlichem Einsatz auf der Tanzfläche und Applaus. Auch hier war um 22 Uhr Schluss, doch bis dahin spielte "Voodoo Lounge" pausenlos - nur unterbrochen von kurzen Ankündigungen des nächsten Songs, und einem langen "Dankeschöööööööön" für den Applaus zum vorangegangenen Hit der top besetzten Coverband aus Niedersachsen.

Resümee: "Es war ein tolles Konzert", so der Kommentar eines Pärchens aus Bad Kissingen, das sich öfters solche Veranstaltungen im Umfeld der historischen Bausubstanz wünschte.

Dem kann man für beide Abende zustimmen und muss die Staatsbad GmbH für die Auswahl der unterschiedlichen Bands loben. Überlegenswert wäre, dass nicht um 22 Uhr der Schlusspunkt ist, sondern mit einer kleinen Pause noch eine halbe Stunde (oder mehr) angehängt werden kann. Auch die Abgrenzung durch einen Bauzaun quer durch den Kurgarten, die nötig ist, ist nicht so prickelnd wie das Feuerwerk als Abschluss des Konzerts.

Auch 2014 wird es wieder eine Summertime geben: vom 8. bis 10. August. Katrin Glaser (Staatsbad GmbH) hat mit den Vorbereitungen bereits begonnen. Das Programm wird im Prinzip ganz ähnlich wie in diesem Jahr sein. Am Freitag wird vermutlich die kubanische Combo Passion de Buena Vista unterhalten, am Samstag die Coverband Dire Strats. Am Sonntag ist wieder ein Familientag vorgesehen. ed/kws