Die Ruinen von Pompeji wären von den Kissingern auch nicht öfter fotografiert worden als das ehemalige Luitpoldbad, dessen Baustelle am Samstag geöffnet war. Rund 150 bis 200 Besucher folgten der Einladung von Oberbürgermeister Kay Blankenburg zur Infoveranstaltung über den Fortschritt auf die Baustelle. Mit Erwin Full (Staatliches Bauamt) sowie den beiden Architekten Rainer Kriebel und Christian Teichmann, die zusammen mit Gerhard Grellmann das leitende Architektenbüro stellen, hatten die Besucher sehr kompetente Führer durch das angehende Behördenzentrum.
Schon beim Ursprungsbau wurde mit Hochwassergefahren gerechnet. Der Kriechkeller wurde regelmäßig überschwemmt und trocknete dann auch von selbst wieder, erfuhren die Teilnehmer. Bereits damals, zumindest in der zweiten Bauphase, wurden Sperren gegen aufsteigendes Wasser eingebracht. "Leider", sagt heute Architekt Teichmann. Denn damals brachte man Bitumenbahnen zwischen das Mauerwerk ein, das mit Eisenkeilen anstemmt wurde. Und eben diese Eisenkeile waren inzwischen so stark verrostet, dass sie Teile der Außenmauern um bis zu einem Zentimeter angehoben haben. Inzwischen halten Edelstahlplatten aufsteigende Nässe ab, die alten Keller sind größtenteils verfüllt, so dass nach Aussage der Architekten das zukünftige Behördenzentrum nicht nur einem hundertjährigen, sondern sogar einem tausendjährigen Hochwasser standhalten soll.

Bausubstanz nicht gefährdet

"Natürlich wird es bei solch einem Jahrtausendereignis Schaden vor allem am Putz nehmen, und es wird auch Wasser eindringen, die Bausubstanz ist aber dadurch nicht gefährdet", heißt es.
"Wird das gesamte Gebäude genutzt oder sind noch Räume frei?", lautete eine Frage. Räume seien keine mehr frei, nach bisherigen Planungen sei bereits alles belegt, da zudem einige Behörden auch umfangreiche Archivräume benötigen würden. Und was einige noch brennend interessierte: "Kommt da auch ein Café rein?" "Es gibt mit dem ,Le Jeton‘, also dem Spielbankcafé, doch schon so eine Einrichtung in dem Bau", sagte Teichmann. Es wird nur einen allgemein zugänglichen, höhergelegten und mit Sonnenschirmen und Bäumen bestückten Innenhof geben.

Trauungen im Eckpavillon

In einem der beiden Eckpavillons des Südflügels mit seinen großen bemalten Bleiglasfenstern sollen aber nach der Fertigstellung auch Trauungen möglich sein, ließ Blankenburg gleich zu Beginn der Besichtigung wissen, und Architekt Teichmann ergänzte, dass man das alte Heizungshaus, das gegenüber dem zukünftigen Haupteingang des Behördenzentrums mit seinen drei Kaminen steht, derzeit nur von außen saniert. "Hier wäre eventuell noch Platz für Sonderwünsche", sagte er und stellte aber gleichzeitig fest, dass dieses Gebäude nicht in der Ausschreibung enthalten sei.
Die Baukosten für das Behördenzentrum wurden auf 36,8 Millionen Euro taxiert. Derzeit seien rund 60 Prozent der Bauarbeiten ausgeschrieben, und man habe sogar noch rund eine Million Euro als Puffer.
Den Besichtigungszeitpunkt habe man so gewählt, dass man den einen Seitenflügel inzwischen fast im Rohbau sehen könne, während der andere noch ursprüngliche Züge trägt. Zwei sich gegenüberliegende Räume, im später allgemein zugänglichen Bereich, sollen dann auch wieder je ein Moor- und ein Solebad im ursprünglichen Stil beherbergen, um zu zeigen, mit was einst Stadt und Kur groß wurden.
Es sei "eine einmalige Chance für Bad Kissingen, diesen alten Baubestand zu renovieren und der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen", betonte Ex-Bürgermeister Alfred Wacker. "Es war schon sehr lehrreich zu sehen, wie da drinnen alles wiederaufbereitet wird", sagte Franz Harbauer. Als ehemaliger Briefträger führte ihn sein Zustellweg fast täglich auch in das Luitpoldbad, bis dieses Ende der neunziger Jahre dann geschlossen wurde. Aufgefallen ist ihm auch, dass dann das Gebäude rasch verfiel, "da ist doch schon der Efeu durch die schönen Bleiglasfenster gewachsen".
Aber es gab auch ein paar kritische Stimmen. So fragte sich Wolfgang Rompf, wo denn die ganzen Leute herkommen sollen, die im zukünftigen Behördenzentrum einen allerdings sehr schönen Arbeitsplatz vorfinden werden. Mit etwas Wehmut denkt er auch noch an das Bewegungsbad zurück, "das man hätte erhalten können, auch wenn einem dort das Wasser nur bis zum Bauchnabel reichte".