Bad Kissingen — Der Ansturm war riesig und es herrschte Ausnahmezustand im ganzen Betrieb. Bäckermeister Johannes Schmitt schätzte, dass es über 500 Kinder waren, die sich eine Backschürze umgebunden, ein Bäckerkäppi aufgezogen hatten und Schlange standen, um sich Teig und Zutaten abzuholen, die sie dann ausrollten, ausstachen, und mit viel Fantasie verzierten. "Schon seit 16 Jahren machen wir das", meint der Chef des mittelständischen Familienunternehmens und freut sich über seine engagierten Azubis, die den Tag organisieren dürfen und auch über die vielen freiwilligen Helfer aus der Familie und dem Freundeskreis, die den Bäckern und Konditoren am traditionellen Kinderbacktag zur Seite stehen.

Weite Anreise

Nadine Pragmann aus Frankenbrunn hatte einen Ausflug mit ihren Nichten und Neffen Jule, Thalisa, Elija und Silas zum Adventbacktag in der Großbäckerei Schmitt nach Reiterswiesen organisiert. Dort wurden sie eingekleidet, holten eine kleine Teigplatte ab und das Backvergnügen konnte losgehen. Schokostreusel, Rosinen, Mandeln und Nüsse standen bereit, aber Smarties und bunte Perlen als Verzierung waren die Renner bei den Kindern. Schon Dreijährige rollten das Nudelholz hin und her, bis die Wangen glühten. Da und dort mussten Mama oder Papa beim Kneten und Ausrollen eingreifen, aber das Verzieren ließen sich die Adventsbäcker nicht nehmen. So wie die kleine Mathilda Back aus Lauter. "Heute bin ich der Chef" stand auf ihrer Schürze und so bestimmte sie forsch, dass alle ihre Plätzchen nur mit Smarties verziert werden. Derweil wartete Marie Mahlmeister geduldig beim Konditor Reinhold Salmen darauf, dass er ihren Teig knetet und dünn ausrollt, damit sie dann schöne Herzen ausstechen kann. Die will die die sechsjährige aus Bad Bocklet mit Perlen verzieren und nach dem Backen an Ort und Stelle verzehren. "Wenn's noch warm ist, schmeckt's am Besten", meint sie. Udo Mauer hat den weiten Weg aus Kleineibstadt nicht gescheut. Sohn David - er ist neun - berichtet, dass er schon zum 3. Mal nach Reiterswiesen gekommen ist. "Ich will mal Bäcker werden", verkündet er stolz und macht sich daran seine Sterne, Nikolausstiefel und Tannenbäume zu verzieren.
Nicht Bäcker, sondern Konditor ist das Berufsziel von Azubi Kevin Vogel aus Schweinfurt. Er ist bald fertig mit seiner Lehre und ist sich ganz sicher, den richtigen Beruf gewählt zu haben: "Das ist echtes Handwerk, da ist man stolz, was man gemacht hat" und drückt im Sekundentakt Teig aus dem Spritzbeutel auf das Blech. "Genau wie die Hausfrau, nur schneller", lacht er.

Das meiste ist Handarbeit

Das bestätigt auch Produktionsleiter Michael Assel. "70 Prozent dessen, was wir verkaufen, ist in Handarbeit hergestellt. Auch den Teig für die allermeisten Backwaren machen wir selbst. Ein Balling- oder Rakoczybrot, lässt sich nicht mit der Maschine herstellen". Geschäftsführer Johannes Schmitt ergänzt, dass die geplante Erweiterung des Betriebs im nächsten Jahr nur zum Teil dem Wachstum geschuldet ist: "Wir investieren hauptsächlich, um die Qualität zu sichern". Der Kinderbacktag ist eine gute Gelegenheit, "dass uns die Eltern über die Schulter schauen können, um sich zu überzeugen, dass wir ein echter Handwerksbetrieb sind. Bei uns wird der Kunde noch persönlich bedient, da geht keine Klappe auf und ein Brötchen fällt heraus", meint er.
Die Adventbäckerei unterstützt auch die Suche nach Auszubildenden: "Wir hätten gerne mehr als die 17, die wir derzeit im Betrieb und in den insgesamt 37 Filialen ausbilden und versuchen zu vermitteln, dass der Bäckerberuf Spaß macht".
Der Erlös der Adventbäckerei wird auch in diesem Jahr für einen guten Zweck gespendet. In diesem Jahr darf sich die Würzburger Kinderklinik am Mönchberg über einen Scheck von 5000 Euro freuen.