Sie ist kugelrund. Auf ihr und in ihr brummt es. Alle ihrer elf Etagen sind belegt. Nichts mehr frei. In gerade einmal zwei Stunden sind sie eingezogen. Zu Tausenden waren sie angerückt. Imkerin Annette Seehaus-Arnold erinnert sich genau: Es war am Pfingstfreitag.

Von außen ahnt niemand etwas von dem Gewusel im Herzen des Holzwürfels. Der soll die Kugel im Inneren schützen. Annette Seehaus-Arnold aus Burglauer klappt die Abdeckung auf. Darunter pulsiert ein dunkler Teppich. Er besteht aus einem der wichtigsten Nutztiere. Die Bienen wimmeln wild durcheinander, aber sie sind entspannt. Entspannter als sonst. Die Imkerin hatte es nicht erwartet, aber sie ist sich sicher: Der Grund ist ihr neues Zuhause.


Bienen bauen wie in der Natur

"Bienenkugel" hat ihr Erfinder, Andreas Heidinger, das neuartige Beutensystem getauft. In der Kugel bauen die Bienen ihre Waben nicht wie gewöhnlich in eckigen Rähmchen. Hier geht es rund zu. Die elf Rahmen, aus denen die Kugel besteht, werden von außen nach innen dicker und haben in der Mitte einen Durchmesser von 40 Zentimetern. Das Bienenvolk richtet sich in einem Hohlraum mit einem Volumen von 33 Litern häuslich ein. Eine runde Sache aus Fichtenholz. Aber wieso überhaupt rund?

Die Biene als Waldtier lässt sich mit ihrem Schwarm vorzugsweise in Bäumenhöhlen nieder. Für den Bienenkugel-Entwickler war es nur konsequent, seine künstliche Nisthöhle dem nachzuempfinden, was die Insekten in der Natur nutzen.

Andreas Heidinger hat gemerkt, dass seine Bienen die Ecken der konventionellen Rahmen nur ausbauen, wenn es unbedingt sein muss. Die sind bei dem Erfinder der Binenkugel seither verpönt. Runde Rahmen für ein lauschiges Wohnklima? Die Idee von Andreas Heidinger: ohne Ecken keine Kältebrücken und kein Kondenswasser. Feuchtigkeit wird von Totholzbröckchen gebunden. Der Bienenstock ist besser isoliert, die Tiere sparen Energie und Honig zum Heizen. Vor vier Jahren entwickelte der Imker aus Dachau sein Modell bis zur Serienreife. Die Einzelteile der Bienenkugel lässt er von einer Handvoll deutscher Produzenten anfertigen, den Vertrieb stemmt er gemeinsam mit seiner Frau. Weltweit sind inzwischen 200 bis 300 Bienenkugeln im Einsatz, schätzt der Hobby-Imker, der hauptberuflich Maschinenteile für eine Gießerei entwickelt. Andreas Heidinger hat keinen Geschäftsplan. "Es geht ums Überleben der Honigbiene und des Menschen."

Imker in Schweden, Norwegen, Belgien und Österreich nutzen sie, 16 Schulen in Luxemburg lernen mit ihnen, bis nach Kalifornien und auf den Kilimandscharo haben es seine Kugeln geschafft. Nun auch ins Kloster Maria Bildhausen.

Annette Seehaus-Arnold beugt sich über die Kugel, spürt ihren Puls, riecht an den Waben, verbogen unter dem Pelz aus Bienen. Wie entwickeln sie sich in dem historischen Obstgarten hinter den Klostermauern? Wie viel Futter brauchen sie? Gibt es Auswirkungen auf den Feind, die Varroamilbe? Der Test hat gut gestartet, meint die Imkerin. Jetzt heißt es: beobachten. Besucher können das am Sonntag, 3. Juli, beim Sommerfest des Klosters.

Vorführung Imkerin Annette Seehaus-Arnold präsentiert zusammen mit Kollegen die Bienenkugel beim Sommerfest in Maria-Bildhausen. Am Sonntag, 3. Juli, wird es um 13 und 16 Uhr eine Vorstellung geben.

Info Wer mehr über die Bienenkugel erfahren möchte, kann sich auf der Website des Erfinders unter www.bienenkugel.de informieren.