Die "Pins", die zum Eintritt berechtigen, sind fertig, die Organisatoren haben im Rahmen des Möglichen alles sorgsam bedacht, die Mitwirkenden kommen langsam auf Betriebstemperatur. Sogar das schöne Wetter - kaum Regen, bis zu 35 Grad - ist bestellt. Es könnte eigentlich fast losgehen.

Einmal im Jahr, am letzten Juli-Wochenende, steht das Heilbad Kopf. Nur am Sonntagmorgen geht es gemächlich zu. Dann, so Spötter, schläft die Stadt ihren Rausch aus. Fürst Franz II. Rákóczi, der nie hier weilte, aber Namensgeber der berühmtesten Bad Kissinger Quelle ist, gibt sich drei Tage die Ehre. Tausende aus nah und fern eilen herbei, ihm zu huldigen und es sich gut gehen zu lassen.


Königliches Doppeljubiläum

Zum zwölften Mal ist Timo Baier der Namensgeber des großen Festes. Nervös? "Nö". Den Friseurmeister kann offenbar nichts erschüttern. Er hat schon Regen getrotzt ("da ist die Uniform halt drei Tage nass") und Sommerhitze ("man gewöhnt sich daran"). Am Wochenende macht er drei Tage durch, muss sich mit insgesamt sechs bis acht Stunden Schlaf bescheiden. Aber "Montag habe ich mir frei genommen." Anstrengend sei die Aufgabe nicht, "man muss ja nichts arbeiten." Dazu ist er zufällig gekommen. Der langjährige Organisator Hubertus Wehner hat den hoch gewachsenen, schlanken Mann einst angesprochen, "wegen der Optik". Stimmt: Der Titel ist zwar falsch, die Haare sind aber echt.

Doppeljubiläum: Vor 100 Jahren wurde von König Ludwig III. der Bad Kissinger Regentenbau eingeweiht, seit 25 Jahren verkörpert Ludwig Büchner beim Fest die Majestät. Er spielt diese Rolle nicht, er geht in ihr auf. Highlight seiner Regentschaft war die Teilnahme an der Steuben-Parade 2000 in New York. Und: "Es ist schon schön, wenn man Bayerns Ministerpräsidenten - Stoiber, Beckstein und Seehofer - der Reihe nach sieht", sagt Büchner. Er ist zwar schon lange dabei, "aber ein gewisses Kribbeln ist immer noch da"; vor allem am Samstag bei der Vorstellung im Kurgarten.

Der Sonntag sei körperlich anstrengend. Der "Dienst" beginne um 8 Uhr mit dem Schminken und dauere bis 23 Uhr. Aber man bekomme unheimlich viel zurück. So habe ihm einmal eine 90-Jährige aus Landshut gesagt, sie hätte sich nie vorstellen können, dass sie einmal um ein Autogramm bitte. Bei Ludwig III. tat sie es doch.


"Logenplätze" am Regentenbau

Bruno Heynen und/oder Thomas Lutz ist schuld, wenn beim Riesenfest etwas nicht klappt. "Dafür sind wir da", sagt Mitorganisator Heynen. Bis vergangenen Samstag habe er das Tanzturnier mit in den Schlaf genommen und jetzt eben das Rakoczy-Fest. Die Vorarbeiten seien geleistet, "alles ist zu 90 bis 95 Prozent in trockenen Tüchern." Neu sei ein "kleiner Testballon": 100 Plätze mit bester Aussicht auf den Festzug stehen am Sonntag von 13.45 bis 14.45 Uhr auf der Terrasse am Regentenbau zur Verfügung. Mit fünf Euro (an der Tageskasse) ist man dabei. Die Einnahmen sollen das erwartete Defizit mindern, das sich Stadt und Staatsbad GmbH wie immer teilen. Die Nervosität steige, die Vorfreude auch, sagt Lutz. Es werde Zeit, dass es losgeht. Die Vorarbeiten hätten schon im November begonnen. Für 2014 gebe es schon die ersten Überlegungen. Eventuell wird es dann in den nächsten Jahren eine modifizierte Festzugsroute geben. Das sei "einlaufender Prozess".

Für Martin Christ ist das Rakoczy-Fest 2013 eine Premiere: Erstmals ist er als Chef der Kurgärtnerei involviert und deshalb etwas nervös. "Wir arbeiten auf Hochdruck", sagt Christ. Derzeit würden die Aufbauten auf die Festzug-Wägen montiert. Der TÜV nimmt sie ab, denn "die Sicherheit steht im Vordergrund". Eine große Rolle spielt stets der Blumenschmuck: Rund 6000 Blüten, darunter 3800 Gladiolen, kommen erst beim Festball im Regentenbau und dann beim Umzug zum Einsatz.


Zug muss eine Schleife machen

Für Rainer Warzecha ist die Verkehrsregelung am Rakoczy-Wochenende längst Routine. Der Chef des Ordnungsamts macht diesen Job seit 2003. Auch in diesem Jahr ist der entsprechende Bescheid mit fünf Seiten und vielen Details umfangreich geworden. Es ist alles allerfeinst geregelt. Wichtigste Neuerung: Der Festzug wird von der Max- über die Hemmerich- zur Salinenstraße gelangen und dann zur Amtsgerichtskreuzung. Außerdem werden Taxistand und Haltestelle des Shuttle-Buses in die Münchner Straße verlegt.


Polizei kündigt Kontrollen an

Die Polizei wird am Wochenende nicht zum Feiern kommen. Nach Angaben von Inspektionschef Stefan Haschke sind die Vorbereitungen abgeschlossen, die Veranstaltung sei schon zur Routine geworden. In den vergangenen Jahren sei es relativ ruhig gewesen. Der Vandalismus sei "äußerst gering" gewesen, nur sehr wenige Jugendliche seien wegen Alkoholkonsum aufgefallen. Bad Kissinger Polizisten und Kollegen aus anderen Inspektionen werden dafür sorgen, dass das 2013 so bleibt. "Auf jeden Fall" werde man mit dem Jugendamt Jugendschutzkontrollen vornehmen. Auch gibt es wieder - "zusammen mit dem 'Blaulicht-Millieu' Rotes Kreuz und Feuerwehr" - eine mobile Polizeistation in der Von-Hessing-Straße. Haschke selbst ist am Freitag dort Einsatzleiter.


Das Programm in Stichpunkten

Freitag 19 Uhr, Eröffnung auf dem Marktplatz, 19 bis 1 Uhr, Musik, Tanz, Spezialitäten im Stadtkern. 20 Uhr, Quadrille des Reitervereins, im Luitpoldpark Besuch der historischen Persönlichkeiten. 21.45 Uhr, "Die Saale brennt" zwischen Rosengarten und Sannersteg,

Samstag 10 bis 1 Uhr, buntes Treiben im Stadtzentrum. 11.30 und 15.30 Uhr, Kurkonzerte im Kurgarten. 18.30 Uhr, Vorstellung der historischen Persönlichkeiten im Rosengarten. 19.30 Uhr, Festball des Fürsten Rakoczy im Regentenbau. Es spielen das Ballroom Orchestra und die OMB Big Band Bad Kissingen. 22 Uhr, Heißluftballonglühen und Lichterband im Luitpoldpark.

Sonntag 10 bis 23 Uhr, Festbetrieb in der Innenstadt. 10.30 Uhr, Promenadenkonzert im Kurgarten mit Besuch der historischen Persönlichkeiten. 14.30 bis 16 Uhr, historischer Festzug mit fast 75 Gruppen. Wegen der Kanalbaumaßnahme in der Maxstraße wird der Zug über die Hemmerichstraße geleitet. Es kommt zu Verkehrsbehinderungen im gesamten Innenstadtbereich. 16 bis 18 Uhr, Autogrammstunde der historischen Persönlichkeiten im Kurgarten. 16 bis 22 Uhr, großes Rakoczy-Openair der Saale-Zeitung auf der Medienwiese an der Ludwigsbrücke mit den "Dorfrockern" und "Spinnich". 20 Uhr, Kurgartenbeleuchtung mit bengalischem Feuer; es spielt das Jugendmusikkorps Bad Kissingen. 22.15 Uhr, Abschlussfeuerwerk.

Beschränkungen Wie in jedem Jahr gelten an allen drei Festtagen erhebliche Beschränkungen für die gesamte Innenstadt von Bad Kissingen. Die Parkplatzsituation wird wieder sehr schwierig sein.