Das war ein aufregender Tag für Dusty, den australischen Rinderhütehund auf dem Hof der Familie Götz im Aschacher Neusetz. So viel Betrieb gab's in Hof, Stall und Scheune. Für den praktischen Teil der Prüfung zum Landwirt hatten Ausbildungsberater Martin Mack vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Schweinfurt (AELF) und Prüfungsvorsitzender Landwirtschaftsmeister Rainer Stephan, Haßfurt zusammen mit zehn Prüfern fünf Stationen in dem weitläufigen Anwesen von Landwirtschaftsmeister Norbert Götz aufgebaut.

Der 51-jährige Götz betreibt Milchwirtschaft im Vollerwerb, ist seit 1992 Praxisbetrieb für landwirtschaftliche Ausbildung, Vorsitzender des Verbands für Landwirtschaftliche Fachbildung (VLF) in Bad Kissingen und Lehrkraft an der Berufsgrundschule Schweinfurt. Dusty folgte seinem Herrchen in die Melkkammer. "Die Milchqualität hat sich verschlechtert, was kann die Ursache sein?", hieß die Aufgabe für Azubi Maximilian Bott. Der angehende Landwirt aus Neuwirtshaus schloss im Schnelltest eine Euterentzündung aus, dann zerlegte er die Melkbecher der Melkmaschine um eventuelle Verunreinigungen zu finden. Roman Metz vom Landwirtschaftsamt und Landwirt Herbert Kohl, sein ehrenamtliches Pendant als Prüfer nickten sich zu. Maximilian geht die Sache richtig an.

Geeignete Zuchtbullen auswählen

Nach einem Berufsgrundschuljahr und zwei Jahren Berufsschule in Kombination mit der Ausbildung auf verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben ist eine praktische Prüfung zur Tierhaltung und eine zum Pflanzenbau vorgeschrieben. "Tierische Erzeugung", die nächste Prüfungsstation war im Stall aufgebaut. 65 Milchkühe und 70 Jungrinder bilden die Kulisse für Fragen zur Rinderhaltung. Die "Schwarzbunten" interessierten sich dennoch mehr für ihr Futter, als für den Tisch, an dem Matthias Kohl eine knifflige Aufgabe zu lösen hatte: "Ich musste beim Jungvieh Gesundheit und körperliche Verfassung prüfen und einen geeigneten Bullen für die Zucht auswählen", erklärte der Jungbauer vom Seifertshof (Geroda).

Martin Wahn aus Römershag ist gelernter Maschinenbautechniker und hat in einen landwirtschaftlichen Bio-Betrieb eingeheiratet. Den Getreidebestand zu beurteilen und auf Krankheiten untersuchen, ist ein Teil der Prüfung. Der zweite, ob Pflanzenschutzmaßnahmen gegen Pilze oder Blattläuse in Erwägung gezogen werden, ist für den angehenden Biobauern kniffliger. "Außerdem sind die Umweltauflagen zu beachten", meint Prüfer Rainer Stephan, "da müssen sie fit sein."

Rund um die Senf-Saat

Zur Station "Zwischenfrucht aussaat" fährt Lorraine Geis aus Hessdorf mit dem 184 PS starken Fendt auf die Hochfläche über dem Aschachgrund. Prüfer Otto Kremling aus Waigolshausen und Markus Hartmann aus Frauenroth sehen, wie die junge Frau Senf als Bodendecker aussät. "Lorraine ist Auszubildende auf meinem Hof", erklärt Norbert Geis. An der Station muss sie wissen, dass Senf nicht nur vor Erosion schützt, Deckung für Tiere darstellt und Stickstoff beim Unterpflügen im Frühjahr in den Boden einbringt.

"Tore stehen weit offen"

"Es sind herausfordernde Aufgaben, denen wir uns stellen müssen", meint Martin Wahn und freut sich auf die Selbständigkeit die ihn erwartet. Maximilian Bott sagt lachend: "Wenn es nicht noch um Eiweiß, Stärke, Aminosäure und Mineralstoffe im Futter geht, ist die Prüfung in Ordnung." Matthias Kohl meint: "Ich bin mit der Landwirtschaft groß geworden, bin der Älteste, und mit bestandener Prüfung stehen die Tore weit offen." Hofübernahme, Meister, Techniker, selbstständiger Dienstleister in der Landwirtschaft oder Studium, keiner weiß genau was noch kommt. Aber alle singen ein Loblied auf die Landwirtschaft und auf Norbert Götz, auf dessen Hof sie sich unter seiner Anleitung in den vergangenen Wochen auf die Prüfung vorbereitet haben: Alle bestätigen: "Norbert Götz hat uns sehr geholfen." Der aber ist schon wieder auf dem Hof unterwegs und Hund Dusty springt ihm nach.